ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020Eine schadstofffreie Umwelt gibt es nicht
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In der Übersichtsarbeit wird eine weitere Verschärfung von Grenz- und Richtwerten propagiert (1). Nun darf aber postuliert werden, dass sich im Zuge der weiteren Verfeinerung der Messmethoden auch unterhalb der aktuell geforderten Richtwerte Effekte nachweisen lassen, die dann als Krankheiten definiert werden können.

Die Frage ist, ob diese Effekte tolerabel oder gar förderlich sind (Stichwort Immunkompetenz) oder ob zu deren Vermeidung die Einschränkungen der Lebensweisen und Rückentwicklung in ein vorindustrielles Zeithalter durchgesetzt werden sollten.

Letzteres wäre „ein Kampf gegen Windmühlen“, denn so lange es Vulkane und Feuer auf der Erde gibt, werden auch „Schadstoffe“ in der Umwelt sein. Es ist illusorisch, diese vollständig eliminieren zu wollen.

Erinnert sei hierbei an den Delaney-Zusatz von 1958, eine Ergänzung des Gesetzes zur Regulierung von Nahrungs- und Arzneimitteln von 1938 in den USA. In ihm wurde festgelegt, dass amerikanische Lebensmittel keinerlei krebserzeugenden Zusätze enthalten dürfen. Doch mit verbesserten Messmethoden ließen sich im Laufe der Jahre immer geringere Dosen an möglicherweise krebserzeugenden Stoffen nachweisen. Das hätte zur Folge gehabt, dass praktisch keine landwirtschaftlichen Lebensmittel mehr verkauft werden dürften, da zum Beispiel Pflanzen auch selber diese Stoffe in geringsten Dosen produzieren. So wurde der Delaney-Zusatz im Jahr 1996 wieder gestrichen (2).

Das in Europa geltende Vorsorgeprinzip, das den Gesetzgeber verpflichtet, die Bevölkerung auch dann zu „schützen“, wenn auch nur die Möglichkeit eines Schadens durch eine Substanz auftreten könnte, gehört auf dem Prüfstand. Zur Eindämmung von Epidemien ist es durchaus sinnvoll.

Auf die Spitze getrieben bedeutet das ein Verbot jeglichen Feuers, von Kerzen oder Grillen im Sommer. Auch das Verbot öffentlicher Verkehrsmittel wäre dann aufgrund der Möglichkeit einer überdurchschnittlich hohen Übertragungsrate von Grippeviren zu fordern und individuelle Verkehrsmittel, wie das Auto, zu fördern.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0287a

Mario Loß

Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Berlin

lossxt@aol.com

1.
Ritz B, Hoffmann B, Peters A: The effects of fine dust, ozone, and nitrogen dioxide on health. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 881–6 VOLLTEXT
2.
Wikipedia: Food Additives Amendment of 1958. www.wikipedia.org/wiki/Food_Additives_Amendment_of_1958 (last accessed on 12 March 2020).
1.Ritz B, Hoffmann B, Peters A: The effects of fine dust, ozone, and nitrogen dioxide on health. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 881–6 VOLLTEXT
2.Wikipedia: Food Additives Amendment of 1958. www.wikipedia.org/wiki/Food_Additives_Amendment_of_1958 (last accessed on 12 March 2020).

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