ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020Malignes Melanom: Immunassoziierte Nebenwirkungen korrelieren mit höheren Antitumoreffekten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Malignes Melanom: Immunassoziierte Nebenwirkungen korrelieren mit höheren Antitumoreffekten

Gulden, Josef

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Foto: Science Photo Library/National Cancer Institute
Foto: Science Photo Library/National Cancer Institute

Bei Immuncheckpoint-Inhibitoren sind „immune-related adverse events“ (irAEs) eine spezielle Kategorie von Toxizitäten. Ob irAEs mit den Antitumoreffekten korrelieren, wurde in einer Sekundäranalyse der großen EORTC-Studie zur adjuvanten Therapie des Melanoms mit dem PD-1-Antikörper Pembrolizumab (Pembro) überprüft.

1 019 Patienten mit kurativ operiertem Hochrisiko-Melanom Stadium 3 hatten randomisiert Pembro 200 mg alle 3 Wochen für maximal 1 Jahr oder Placebo erhalten. Primärer Endpunkt war das rezidivfreie Überleben gewesen, und hier hatte sich in der primären Analyse eine signifikante Überlegenheit des Checkpoint-Inhibitors gezeigt (Hazard Ratio [HR]: 0,56; 98,4-%-Konfidenzintervall [98,4-%-KI] [0,43; 0,74]). Bei 190 der 509 Verumpatienten (37,4 %), aber nur bei 45 der 502 Placebobehandelten (9,0 %) wurden irAEs festgestellt, ohne Unterschiede bei den Geschlechtern.

Im Pembrolizumab-, nicht aber im Placeboarm war das rezidivfreie Überleben bei Auftreten von irAEs signifikant länger (HR: 0,61; [95-%-KI] [0,39; 0,95]; p = 0,03). Wenn das rezidivfreie Überleben erst ab dem Auftreten von irAEs berücksichtigt wurde, war der Unterschied mit einer HR von 0,37 noch ausgeprägter ([0,24; 0,57]; p = 0,03).

In der Subgruppe der endokrinen irAEs war der Effekt ähnlich groß, während für andere Subgruppen wegen der geringen Patientenzahlen keine Aussagen möglich waren – ebensowenig zu einem möglichen Einfluss von Kortiko-steroiden, die zur Behandlung der Nebenwirkungen gegeben wurden.

Fazit: Diese Analyse von Daten, die prospektiv an einem großen Kollektiv von Melanompatienten im operierten Stadium 3 mit hohem Rezidivrisiko erhoben wurden, bestätigt bereits vorhandene Hinweise, dass irAEs ein Indikator für eine höhere Wirksamkeit von Checkpoint-Inhibitoren sind, kommentiert Prof. Dr. med. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik der Universität Erlangen. Pembrolizumab senke das Risiko für Rezidiv oder Tod aber auch, wenn keine irAEs auftreten – wenngleich in geringerem Ausmaß. Josef Gulden

Eggermont AMM, Kicinski M, Blank CU, et al.: Association between immune-related adverse events and recurrence-free survival among patients with stage III melanoma randomized to receive pembrolizumab or placebo. JAMA Oncol 2020; DOI 10.1001/jamaoncol.2019.5570].

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