ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020Myelodysplastische Syndrome: Luspatercept reduziert den Bedarf an Erythrozytenkonzentraten deutlich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Myelodysplastische Syndrome: Luspatercept reduziert den Bedarf an Erythrozytenkonzentraten deutlich

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Kiryl Lis/stock.adobe.com
Foto: Kiryl Lis/stock.adobe.com

Merkmal myelodysplastischer Syndrome (MDS) ist eine ineffektive Hämatopoese, die zu Zytopenien führen kann. Ein hoher Anteil der Patienten, die prognostisch in die Kategorie „Niedrigrisiko“ gehören, wird transfusionsabhängig – trotz Behandlung mit Erythropoetin.

Für diese Patienten wird Luspatercept entwickelt, ein Fusionsprotein, das als Ligandenfalle wirkt. Es bindet Liganden der TGF-ß-Superfamilie, die über SMAD2- und SMAD3-abhängige Signalwege die Erythropoese unterdrücken. Luspatercept interferiert mit der Hemmung der Erythropoese, diese kommt wieder in Gang.

In einer doppelblinden Phase-3-Studie bei MDS-Patienten mit sehr niedrigem bis intermediärem Risiko wurden Luspatercept und Placebo verglichen (1). Die Teilnehmer hatten entweder ≥ 15 % Ringsideroblasten oder ≥ 5 % Ringsideroblasten, wenn gleichzeitig eine SF3B1-Mutation vorlag, und sie hatten < 5 % Blasten im Knochenmark. Es musste Transfusionsbedarf von ≥ 2 Erythrozyteneinheiten (EK) in 8 Wochen während der letzten 16 Wochen vor Randomisierung bestanden haben, trotz Erythropoese-stimulierender Medikamente. 229 Patienten wurden 2 : 1 randomisiert zu Luspatercept s.c. alle 3 Wochen oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Transfusionsunabhängigkeit für mindestens 8 Wochen in den ersten 24 Wochen und für mindestens 12 Wochen nach 24 und 48 Wochen.

Unter Luspatercept wurden 38 % für ≥ 8 Wochen transfusionsfrei, in der Placebogruppe nur 13 % (p < 0,001). Deutliche Differenzen gab es auch beim Prozentsatz der Teilnehmer, die mindestens 12 von 24 Wochen keine EK benötigten (28 % vs. 8 %) und für 12 von 48 Wochen (33 % vs. 12 %). Luspatercept war gut verträglich. Nur 5 % der Patienten der Verumgruppe brachen die Therapie wegen unerwünschter Wirkungen ab wie Fatigue (bei 27 %), Diarrhöe (bei 22 %), Asthenie (bei 20 %) und Übelkeit (bei 20 %).

Fazit: „Luspatercept kann für MDS-Patienten eine hoch effektive und gut verträgliche Option werden“, so das Fazit der Deutschen MDS-Studiengruppe (2). „Viele Patienten der Studie blieben anhaltend transfusionsunabhängig, zum Teil für mehrere Jahre.“ Das schütze auch vor Eisenüberladungen, einer Folge regelmäßiger EK-Transfusionen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Fenaux P, Platzbecker U, et al: Luspatercept in patients with lower-risk myelodysplastic Syndromes. N Engl J Med 2020; 382: 140–51.
  2. Universität Leipzig Pressemitteilung; http://idw-online.de/de/news730157.

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