ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020Coronakrise: COVID-19 kann eine Berufskrankheit sein

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Coronakrise: COVID-19 kann eine Berufskrankheit sein

Hillienhof, Arne

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Eine SARS-CoV-2-Infektion ist im Regelfall kein Arbeitsunfall, auch nicht für Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufler. Anders verhält es sich bei der Frage nach einer Berufskrankheit. Das machte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) deutlich. Die DGUV wies darauf hin, dass die Welt­gesund­heits­organi­sation COVID-19 zur Pandemie erklärt habe. Damit stelle COVID-19 eine Allgemeingefahr dar. Erkranke ein Versicherter an einer Gefahr, von der er zur selben Zeit und mit gleicher Schwere auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre, handle es sich nicht um einen Arbeitsunfall, so die DGUV. Grund sei, dass sich die Betroffenheit zufällig ergebe und unabhängig von der versicherten Tätigkeit sei. Ärzte hätten daher bei COVID-19 auch keinen Durchgangsarztbericht zu erstatten. Eine Berufskrankheit kann aber durchaus vorliegen. „Bei Versicherten, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig sind oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt waren, kommt die Anerkennung als Berufskrankheit der Ziffer 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung in Betracht“, hieß es von der DGUV. Die Allgemeingefahr trete dabei wegen des erhöhten beruflichen Risikos in den Hintergrund. Wenn Ärzte bei Angehörigen von Gesundheitsberufen bei positiver Testung und entsprechenden Krankheitsanzeichen einen Infektionsweg über die berufliche Tätigkeit vermuteten, „bitten wir bei einem begründeten Verdacht um Erstattung der ärztlichen Berufskrankheitenanzeige (F6000)“, informiert die DGUV. hil

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 21. April 2020, 11:33

SARS-CoV-2-Infektion bei Heilberufen Arbeitsunfall!

Die SARS-CoV-2-Infektion und die COVID-19-Erkrankung ist im Regelfall i m m e r ein Arbeitsunfall für Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufler, weil diese einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Insbesondere fehlende und mangelhafte Schutzausrüstungen ergeben wie in allen anderen Branchen auch besonders nahe liegende Voraussetzungen für einen Arbeitsunfall.

Es ist eine klassische juristische Haarspalterei, dass eine COVID-19-Erkrankung angeblich kein Arbeitsunfall, aber zugleich eine Berufskrankheit sein könnte. Denn seit wann bestimmt die WHO die Definition eines Arbeitsunfalls in Deutschland?

Seit wann löscht die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die Definition eines Arbeitsunfalls bei COVID-19-Erkrankung und SARS-CoV-2-Infektionen selbstherrlich und ohne nachprüfbare Rechtsgrundlage.

Seit wann ist von einer pandemischen Allge­meingefahr auszugehen, wenn nur, ausschließlich und speziell im BG-Bereich Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege Menschen und Mitarbeiter ganz besonders von Infektionsfällen bedroht sind, während die Allgemeinbevölkerung nur ein vergleichsweise geringes, allgemeines Infektionsrisiko aufweist.

Man spürt förmlich die klammheimliche Freude bei der DGUV-Feststellung: "Erkranke ein Versicherter an einer Gefahr, von der er zur selben Zeit und mit gleicher Schwe­re auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre", mit der in der Tat die Fiktion verbunden ist, ausnahmslos jeder in Deutschland könne gleichermaßen das Risiko tragen, zu erkranken. Dem ist aber nicht so.

Es handelt sich doch wesentlich eher um einen Arbeitsunfall. Die Betroffenheit ergibt sich nicht zu­fällig, sondern durch die Abhängigkeit von der versicher­ten Tätigkeit.

Ärzte müssen daher bei bestehendem Anfangsverdacht auf eine Arbeitsunfall bedingte COVID-19-Erkrankung insbesondere bei mangelhaften oder schadhaften Schutzvorkehrungen einen Durchgangsarztbericht abhängig von der versicher­ten Tätigkeit erstellen. Der Durchgangsarztbericht muss dann pflichtgemäß von der DGUV geprüft und mit Rechtsmittel-Belehrung beschieden werden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #654929
*1044#002051042682000#2712*
am Dienstag, 21. April 2020, 10:57

Coronakrise: COVID-19 kann eine Berufskrankheit sein

Bei der sog. "DGUV" (cave: e. V.!) handelt es sich um den Dachverband der Unternahmerhaftpflicht-Versicherungsträger (vgl. § 104 SGB VII), der in seinem Namen bewußt "Berufskrankheiten" und seinen "e. V."-Status nicht anspricht - cui bono?
M. f. G.: MedDir a. D. Dr. Müsch

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