ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020Schweres refraktäres Asthma: Biologika im realen Leben

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Schweres refraktäres Asthma: Biologika im realen Leben

Mosler, Nana

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Für die Asthmatherapie existieren mittlerweile zahlreiche effektive Arzneimittel. Dennoch gibt es weiterhin schlecht eingestellte Patienten mit massiven Beschwerden. Vor einer Stoßtherapie mit Kortison als Ultima Ratio sollen andere Therapieoptionen wie Biologika zum Einsatz kommen.

Zur Behandlung des schweren Asthmas stehen 5 Biologika zur Verfügung: Omalizumab, Mepolizumab, Reslizumab, Benralizumab und Dupilumab. Um ein Adult-onset Asthma und COPD (siehe Kasten) zu unterscheiden, sind hilfreiche Biomarker die Konzentrationen an Blut-Eosinophilen, Gesamt-IgE-Antikörpern und spezifischen IgE-Antikörpern (Pricktestung). Laut Prof. Dr. med. Marek Lommatzsch, Rostock, wäre die zusätzliche Bestimmung des exhalierten NO (FeNO-Messung; IGel-Leistung) sinnvoll, da der Wert innerhalb von 5 Minuten verfügbar ist.

Nucala® (Mepolizumab/GlaxoSmithKline) ist angezeigt als Zusatzbehandlung bei schwerem refraktärem eosinophilem Asthma bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren. Das Medikament dient zur Langzeitbehandlung, nicht zur Therapie akuter Asthma-Exazerbationen. Der humanisierte monoklonale Antikörper bindet mit hoher Affinität und Spezifität an humanes Interleukin 5 (IL-5). Dieses ist das wichtigste Zytokin für Wachstum, Differenzierung, Rekrutierung, Aktivierung und Überleben von eosinophilen Granulozyten. Mepolizumab hemmt die Bioaktivität von IL-5, indem es dessen Bindung an die Alpha-Kette des IL-5-Rezeptorkomplexes auf der Zell-oberfläche von Eosinophilen verhindert. Dadurch wird die IL-5-Signaltransduktion gehemmt und die Produktion und das Überleben der Eosinophilen gebremst.

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Weniger orale Kortikosteroide

In der SIRIUS-Studie wurden die Teilnehmer ab 12 Jahren mit schwerem refraktärem Asthma über 24 Wochen dauerhaft mit oralen Kortikosteroiden (OCS) als Kontrollmedikation behandelt und erhielten 100 µg Mepolizumab s.c. Im Verlauf der Studie erfolgte eine stufenweise Reduktion der OCS-Dosis bis zu einer Verschlechterung der Asthma-Symptomatik beziehungsweise bis zum Auftreten von Exazerbationen. Im Mepolizumab-Arm konnte die OCS-Dosis bei einem statistisch signifikant höheren Anteil von Patienten ≤ 5 mg/Tag Prednisonäquivalent gesenkt werden als im Kontroll-arm. Die Reduktion der OCS-Dosis wurde als relevantes Surrogat für die Vermeidung Glukokortikoid-induzierter Nebenwirkungen angesehen.

Die offene COLUMBA-Studie (n = 347) zeigte bei Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma für Mepolizumab eine konsistent anhaltende Reduktion der Exazerbationen und Verbesserung der Asthmakontrolle. Ein Drittel der mit Mepolizumab behandelten Patienten hatte keine Exazerbationen mehr, obwohl sie mit durchschnittlich fast 2 Exazerbationen pro Jahr in die Studie eingetreten waren. Die Patienten wurden durchschnittlich 3,5 und maximal 4,5 Jahre lang mit Mepolizumab behandelt.

PD Dr. med. Stephanie Korn, Mainz, fasste zusammen, dass eine Therapie mit Mepolizumab über 5 Jahre funktioniert, dass sie effektiv Exazerbationen reduziert und dass sie hilft, die tägliche Dosis oraler Kortikosteroide für Patienten mit schwerem Asthma zu senken. Vorteilhaft ist, dass Patienten das Medikament selbst in den Oberschenkel spritzen können.

Asthma in Zeiten von COVID-19

In Bezug auf COVID-19 wird dazu geraten, dass Patienten, die mit einem inhalierbaren Kortikosteroid (ICS) gut eingestellt sind, diese Therapie unverändert fortführen sollten. Korn ergänzte, dass Patienten insbesondere in Zeiten von COVID-19 von einem gut eingestellten Asthma profitieren und deshalb neu auf ein Biologikum eingestellt werden können beziehungsweise diese Therapie unverändert fortgeführt werden kann. Patienten seien so nicht nur besser vor dem Coronavirus SARS-CoV-2 geschützt, sondern eine Biologika-Behandlung bewahre auch vor einer OCS-Therapie und damit einer eventuellen Infektanfälligkeit. Dr. med. Nana Mosler

Quelle: Online-Fortbildung „Asthma-Biologika im realen Leben?“, 24. März 2020; Veranstalter: GlaxoSmithKline GmbH

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