ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020Hausgeburten: Kassen und Hebammen vereinbaren Kriterienkatalog

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Hausgeburten: Kassen und Hebammen vereinbaren Kriterienkatalog

Hillienhof, Arne

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Für Schwangere mit Diabetes ist eine Hausgeburt ausgeschlossen. Foto: greenazya/stock.adobe.com
Für Schwangere mit Diabetes ist eine Hausgeburt ausgeschlossen. Foto: greenazya/stock.adobe.com

GKV-Spitzenverband und Hebammenverbände haben sich nach langem Ringen auf einen Kriterienkatalog geeinigt, der regelt, wann eine Geburt im häuslichen Umfeld vertretbar ist. Er soll Schwangeren wie freiberuflichen Hebammen helfen, den richtigen Geburtsort zu finden. Die Kriterien gelten seit dem 1. April 2020 und lösen die 2015 vereinbarten Ausschlusskriterien ab. Sie sind für freiberuflich tätige Hebammen verbindlich, damit sie Hausgeburten mit der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung abrechnen können. Der Katalog unterscheidet zwischen absoluten und relativen Ausschlusskriterien für eine Hausgeburt. Eine Geburt im häuslichen Umfeld ist nach der Vereinbarung zum Beispiel nicht möglich, wenn eine Unverträglichkeit der Blutgruppen von Mutter und Kind besteht oder die Schwangere Diabetes hat und sich Insulin spritzen muss. Auch Drogen- und Alkoholabhängigkeit und Adipositas mit einem Body-Mass-Index größer als 35 vor der Schwangerschaft gehören zu den absoluten Ausschlusskriterien. Keinen generellen Ausschluss sehen die Kriterien dagegen etwa bei einer Beckenanomalie vor oder wenn das Kind im Verhältnis zum anatomischen Geburtskanal der Mutter relativ groß ist. Bei den „relativen Kriterien“ soll laut Katalog ein Facharzt die Lage beurteilen. hil

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madocc
am Sonntag, 26. April 2020, 20:01

Hausgeburten mit "Facharzt-Genehmigung" ?

Man kann zum Thema "Hausgeburt" stehen wie man will. Erwiesen scheint jedoch, dass die im internationalen Vergleich hervorragende perinatale Mortalität in Deutschland neben der geregelten Schwangerenvorsorge in den gynäkologischen Praxen vor allem durch die Einführung der klinischen Geburtshilfe begründet ist. Dennoch versuchen Teile -eben nicht alle! - der Hebammenschaft immer wieder die Hausgeburt zum Thema zu machen. Dazu fällt mir immer der alte Spruch ein: Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis....
Dass aber jetzt bei risikoreicher geburtshilflicher Situation (Z.n. HELLP-Syndrom, Z.n. postpartaler massiver Blutung etc etc) ein Facharzt sein Placet zu einer Hausgeburt geben soll, erscheint geradezu grotesk. Welche(r) Kollege/in würde so etwas bei ungeklärter Hafttungsfrage tun? Und warum sollte er das tun?
Wenn es der Wunsch der Schwangeren ist und die Hebamme das Risiko übernehmen möchte....bitte sehr! Aber doch bitte ohne uns.
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