ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020COVID-19: Gegen die Angst
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Kriegerische Rhetorik von Macron und Trump ist für Deutschland unangebracht. Es ist kein Krieg, denn wir behandeln, Pneumonien, nicht Polytraumen. Unsere Kliniken sind unzerstört und unser Personal wird nicht beschossen.

Katastrophenszenarien sind nicht hilfreich. Wir verfügen ohne elektive Medizin über mehr als die Hälfte unserer 24 000 Beatmungsbetten. Diese Zahl wird gegenwärtig erweitert und laut Herrn Spahn verdoppelt. Ältere Beatmungsgeräte, wie prophylaktisch zur WM 2006 aufgebaut, kommen hinzu. Dies macht etwa 40 000 Beatmungsplätze für COVID-19-Patienten

Das RKI nimmt eine Basisreproduktionszahl von 2,0 an, bis Herdenimmunität in Deutschland gegeben ist. Mit Quarantänemaßnahmen ist sie niedriger. Lassen Sie uns vorsichtig 1,5 annehmen. Bei 27,2 Millionen infizierten Deutschen würde die Epidemie sich totlaufen.

Anzeige

16,3 % davon wären über 69 Jahre alt, der Altersgruppe mit über 85 % der Toten. Nur leicht vereinfachend sind diese 4,55 Millionen Deutschen über 69 Jahre unsere potenziellen Beatmungspatenten. Hiervon benötigen 1,125–4 % Intensivtherapie, davon 50 % beatmet. Viele dieser Beatmungspatienten wären real schon zu Hause gestorben oder nie beatmet worden. Andere lägen in den 12 000 Beatmungsbetten für „normale Erkrankungen“. Wir hätten es also im Extremfall mit weniger als 28 000 - 90 000 beatmeten COVID-19-Patienten zu tun. Dies jedoch als Summe über die gesamte Zeit der Epidemie.

Bei der durchschnittlichen Beatmungszeit von unter 8 Tagen könnten in 4 Wochen fast 160 000 COVID-19-Patienten beatmet werden.

Kapazitäten ausbauen, Personal gesund erhalten, Intensivverlegungen vorzuplanen, Primitivprodukte wie FFP2-Masken zu produzieren ist geboten – aber nicht, die ethischen Maßstäbe auf der Intensivstation zu ändern. Dies ist Panikethik, nicht vernünftiges Vorgehen.

Prof. Dr. med. Gregor Pollach, University of Malawi, 360 Blantyre 3, Chichiri, Malawi, Central Africa

Literatur beim Verfasser

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige