ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2020COVID-19: Vernunft, nicht starke Männer
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Neurobiologisch wird das Handeln der Menschen vor allem durch das limbische System, zentral die Mandelkerne, gesteuert. Wer Angstpatienten kennt, sieht dort viele angstgesteuerte, kognitiv nicht sinnvolle Reaktionen. Was sich bei den Patienten abspielt, spielt sich derzeit in der Gesellschaft ab, vergleichbar den Aktienkrisen. Kahnemann beschreibt die Mechanismen im Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“, hat für seine Forschungen den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten. 

Die Angst wird über alle Medien geschürt, zusätzlich werden die Bürger von Politikern moralisch abgewertet, es sollen Schuld- und Schamgefühle als Veränderungsmotivation ausgelöst werden. Ein Teil der Betroffenen lässt sich das nicht bieten, wird reaktant, sie machen das Gegenteil. Wie oft bei Aggression kommt es zur symmetrischen Eskalation, alles schaukelt sich hoch. Im Sinne einer kognitiven Fusion können die Ängste immer weniger von der Realität unterschieden werden. 

In den Artikeln zum Praxismanagement im Ärzteblatt wird auf die Wichtigkeit von Transparenz, positiven Rückmeldungen, Kontakt auf Augenhöhe und vor allem auch der Bedeutung von im Team erarbeiteten Lösungen hingewiesen. Ich wünsche mir, dass langsam nach den Zeiten der Panik der Verstand wieder die Führung übernimmt und Kollegen in relevanten Positionen neben der infektiologischen Problematik auch auf ungünstiges Kommunikationsverhalten mit den oben skizzierten Folgen hinweisen. 

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Es sind weniger „starke Männer“ gefragt, die vielleicht die eigenen emotionalen Reaktionen nicht sicher im Griff haben. Da es kein wissenschaftlich gesichertes Lösungskonzept gibt, haben die starken Männer eben keines. Angst, die Krise nicht zu meistern, haben sie aber, auch wenn sie nicht gezeigt wird. Jetzt ist das assoziative und analytische Denken gefragt, dass bei Frauen aufgrund der intensiveren synaptischen Verschaltung der beiden Hirnhälften besser ausgeprägt ist. Dann können gemeinsam effektive Lösungen zu erarbeiten werden, müssen nicht mehr unrealistische Zielvorgaben der Politik abgearbeitet werden.

Die Zeche wird nicht auf sich warten lassen. Die Versprechungen an die Ärzte werden sich als Talmi erweisen, natürlich werden nicht großzügige Gaben, sondern erhebliche wirtschaftliche Opfer von uns erwartet werden. Es wird Zeit, dass sich das Hamsterrad nicht mehr immer schneller dreht.

Dr. med. Gerhard Chmielewski, 93128 Regenstauf

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