ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2020Parosmie als frühes Symptom bei akuter SARS-CoV-2-Infektion
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Eine 30-jährige Patientin mit einer blanden Anamnese entwickelte eine intensive nächtliche Parosmie (Geruch von schweißigen Füßen), die für einige Stunden andauerte. Am nächsten Tag folgte leichte Abgeschlagenheit. Andere Symptome (insbesondere Fieber, Husten) fehlten. Zwei Tage später berichtete sie, weder schmecken noch riechen zu können. Eine komplette Anosmie wurde HNO-ärztlich diagnostiziert. Eine topische Steroidapplikation sowie ein Riechtraining wurden bei angedachter postviraler Genese verordnet, eine SARS-CoV-2-Infektion aber aufgrund fehlender typischer Symptome nicht vermutet. Die Anosmie zeigte sechs Tage später eine erste subjektive Verbesserung und ist inzwischen vollständig regredient. Eine Magnetresonanztomografie des Schädels schloss konkurrierende Ursachen aus. 14 Tage später wurde in der Fachpresse publik, dass eine Hyposmie als Symptom einer SARS-CoV-2-Infektion gilt. Ein Test (Polymerasekettenreaktion) auf SARS-CoV-2 war 15 Tage nach der Parosmieepisode positiv. Eine Parosmie stellt eine klinische Manifestation einer SARS-CoV-2-Infektion dar und ist ein für Patienten sehr einprägsames Symptom. Sie könnte (wie in diesem Fall) einer Hyposmie vorausgehen. Eine paroxysmale Parosmie sollte in der Anamnese zur Diagnose einer frühen SARS-CoV-2-Infektion berücksichtigt werden.

Das kraniale MRT zeigt keine Pathologien
Abbildung
Das kraniale MRT zeigt keine Pathologien

Linda von der Brelie, Interdisziplinäre Notaufnahme, Georg-August-Universität, Göttingen

Christoph Becker, Praxis für HNO Medizin, Bayreuth

PD Dr. med. Christian von der Brelie, Klinik für Neurochirurgie, Georg-August-Universität, Göttingen,
christian.von-der-brelie@med.uni-goettingen.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Von der Brelie L, Becker C, von der Brelie C: Parosmia as an early symptom of acute SARS-CoV-2 infection.
Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 328. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0328

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Das kraniale MRT zeigt keine Pathologien
Abbildung
Das kraniale MRT zeigt keine Pathologien

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