ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2020Diabetes: Handlungsempfehlungen zur Versorgung von Zuckerkranken mit COVID-19

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Diabetes: Handlungsempfehlungen zur Versorgung von Zuckerkranken mit COVID-19

Hillienhof, Arne

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Empfohlen wird eine gute Blutzuckereinstellung und eine Überwachung von Anzeichen für eine Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks. Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com
Empfohlen wird eine gute Blutzuckereinstellung und eine Überwachung von Anzeichen für eine Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks. Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte zum Diabetes-Management bei COVID-19 zusammengestellt. „Insbesondere in der Betreuung von Diabetespatienten mit häufigen Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder Bluthochdruck kann eine effektive Diabetestherapie ausschlaggebend dafür sein, Komplikationen in Folge des Coronavirus zu umgehen“, sagte DDG-Präsidentin Prof. Dr. med. Monika Kellerer.Insbesondere Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes, Menschen mit Typ-1-Diabetes und Patienten mit Komorbiditäten sollten laut der Handlungsempfehlung bei COVID-19 hinsichtlich ihres Diabetes engmaschig betreut werden. Die Autorinnen und Autoren betonen die möglichen Wechselwirkungen von antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie eventuelle Nebenwirkungen oraler Antidiabetika.

„Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufs bei COVID-19 ist anzuraten, eine eventuell vorbestehende orale Medikation durch eine Insulinbehandlung zu ersetzen“, rät Prof. Dr. med. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg und Mitautor der Handlungsempfehlung. Insulin gehe weniger mit Komplikationen wie Ketoazidose oder Laktatazidose einher und sei zudem besser mit antiviralen Medikamenten wie Hydroxychloroquin kombinierbar.„Die Überwachung der Blutglukosewerte ist mit einer Insulintherapie zudem wesentlich einfacher. Bei intensivmedizinischer Betreuung kann mit einem Insulinperfusor gearbeitet werden, der dem Patienten regelmäßig Insulin verabreicht“, so Seufert.

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Bei Fieber sowie eingeschränkter Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme empfehlen die DDG-Expertinnen und -Experten, eine bestehende Therapie mit SGLT2-Inhibitoren oder Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes vorerst auszusetzen. Idealerweise sollte der Blutglukosewert von infizierten Diabetespatienten zwischen 70 und 180 mg/dl oder 3,9 und 10 mmol/dl und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c unter 7,5 liegen.

Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten sei ein Blutzuckerwert zwischen 140 und 180 mg/dl beziehungsweise 7,8 bis 10 mmol/dl anzustreben. Der Blutdruck sollte sowohl bei milden sowie schweren Verläufen 135/85 mmHg möglichst nicht übersteigen.„Grundvoraussetzungen für Diabetespatienten sind zunächst eine gute Blutzuckereinstellung, eine Überwachung möglicher Anzeichen für eine Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks“, bilanziert Kellerer die Handlungsempfehlungen.

Die DDG empfiehlt zudem, alle an COVID-19 erkrankten Personen auf einen nicht bekannten Diabetes zu untersuchen. So könnten die behandelnden Ärzte ausschließen, dass es zu stoffwechselbedingten Komplikationen im Krankheitsverlauf kommt, und rechtzeitig gegenlenken. hil

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