ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2020Karsten Vilmar zum 90. Geburtstag: Im Einsatz für die Ärzteschaft

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Karsten Vilmar zum 90. Geburtstag: Im Einsatz für die Ärzteschaft

Gitter, Heidrun

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Beharrlich, pointiert und überzeugend agierte Karsten Vilmar in seiner berufspolitischen Karriere. Fotos: Archiv; Georg.J. Lopata
Beharrlich, pointiert und überzeugend agierte Karsten Vilmar in seiner berufspolitischen Karriere. Fotos: Archiv; Georg.J. Lopata

Professor Dr. med. Dr. h. c. Karsten Vilmar wurde 1978 Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages, in dem Jahr, in dem ich mein Studium der Medizin begann. Als ich 1991 als junge Ärztin noch in der Weiterbildung zur Fachärztin für Chirurgie erstmals als Delegierte an einem Deutschen Ärztetag teilnahm, war er immer noch Präsident, er blieb es bis 1999. Schon die Rekordamtszeit als Präsident kennzeichnet seine herausragende Stellung in der ärztlichen Selbstverwaltung und berufspolitischen Vertretung der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands. Dabei war und ist Karsten Vilmar stets hanseatisch zurückhaltend, uneitel und immer um die Einigkeit der deutschen Ärzteschaft bemüht.

Unzählige Male war es ihm und seiner geschickten Sitzungsleitung zu verdanken, dass es trotz zunächst sehr kontroverser Diskussion schließlich gute und richtungsweisende Ergebnisse bei den politischen Grundsatzpapieren des Deutschen Ärztetages gegeben hat. Er war ein sehr moderner Präsident der Bundes­ärzte­kammer, was nicht nur daran lag, dass er bereits mit 48 Jahren gewählt wurde.

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Teamarbeit und Kooperation statt militärischer Ordnung

Innovativ und immer noch aktuell sind die maßgeblich von ihm entwickelten Konzepte zur Krankenhausführung und zum Teamarztmodell. Vilmar wandte sich gegen die eher einer militärischen Ordnung entsprechende strenge hierarchische Gliederung in den Krankenhäusern und sprach sich für eine am Können orientierte kooperative Zusammenarbeit der Fachärztinnen und Fachärzte aus.

Ebenfalls beharrlich arbeitete er daran, die starren Grenzen zwischen ambulantem und stationärem Sektor zu überwinden. Deutlich wandte er sich gegen ständige Gesundheitsreformen, die keine Probleme lösten, sondern lediglich Kosten begrenzten. Als er solche „Kostendämpfungsgesetze“ als Förderung des „sozialverträglichen Frühablebens“ bezeichnete, löste er höchst kontroverse Debatten aus.

Später allerdings mussten viele der damaligen Kritiker zugeben, wie recht Karsten Vilmar hatte. Heute diskutieren wir schärfer denn je die heimliche und mittlerweile offenkundige Rationierung im Gesundheitswesen und die Öko­nomi­sierung und sogar Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung gegen die Interessen von Patienten.

National wie international engagiert

Die Deutschen Ärztetage wandelte er zu echten parlamentarischen Diskussions- und Entscheidungsforen, auf denen endlich auch junge Ärztinnen und Ärzte wahrgenommen wurden. Viele hat er in ihrem Engagement in der ärztlichen Selbstverwaltung unterstützt, ganz unabhängig davon, ob er mit ihnen einer Meinung war. Ihm geht es stets um den Erhalt der freien und demokratisch legitimierten ärztlichen Selbstverwaltung und des einheitlichen Arztberufes als freier Beruf. Auch international hat sich Karsten Vilmar engagiert, in vielen europäischen Gremien und im Weltärztebund. Er ist vielfach national und international geehrt worden, unter anderem auch mit der höchsten Auszeichnung der Ärzteschaft Deutschlands, der Paracelsusmedaille. Die deutschen Ärztinnen und Ärzte, die Ärztinnen und Ärzte im Lande Bremen, deren Kammerpräsident er ebenfalls 20 Jahre lang war, und die Patientinnen und Patienten haben Karsten Vilmar viel zu verdanken. Ich persönlich bin ihm für alles, was ich von ihm lernen durfte, zutiefst dankbar.

Dr. med. Heidrun Gitter,
Präsidentin der Ärztekammer Bremen,
Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer

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