ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2020Rechtsreport: Morbus Sudeck darf nicht verharmlost werden

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Rechtsreport: Morbus Sudeck darf nicht verharmlost werden

Berner, Barbara

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Ein Morbus Sudeck darf im Rahmen der ärztlichen Aufklärung nicht als vegetative Reizerscheinung verharmlost werden. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Dresden entschieden. Im vorliegenden Fall hatte sich eine Patienten wegen persistierender Schmerzen am rechten Knie zum wiederholten Mal einer Arthroskopie unterzogen. Nach der letzten Behandlung litt sie unter zunehmenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die später als Morbus Sudeck diagnostiziert wurden. Die Patientin, die inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen ist, verklagte ihren Arzt auf Schmerzensgeld. Ihrer Ansicht nach stellte sowohl die Durchführung der Arthroskopie mangels Indikation als auch die Nachbehandlung durch Anlegen eines Gipsverbandes einen groben Behandlungsfehler dar. Außerdem habe der Arzt sie nicht angemessen aufgeklärt.

Das Landgericht wies die Klage ab. Zwar habe der Arzt die Patientin unzureichend über Behandlungsalternativen und die Risiken des Eingriffs aufgeklärt. So habe dieser die mit einem Morbus Sudeck einhergehenden Beeinträchtigungen verharmlosend als „vegetative Reizerscheinung“ dargestellt. Gleichwohl sei der Eingriff nicht rechtswidrig, weil der vom Arzt erhobene Einwand der hypothetischen Einwilligung greife. Der Arzt hafte nicht für eine unzureichende Aufklärung, wenn er beweisen könne, dass die Patientin auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung in den vorgenommenen Eingriff eingewilligt hätte. Nach Meinung des Landgerichts und auch des OLG hat sich die Frau in keinem plausiblen Entscheidungskonflikt befunden. Denn die Alternative einer konservativen Therapie sei ein stationärer Aufenthalt gewesen, den die Frau im Hinblick auf ihre Haushaltssituation mit fünf kleinen Kindern und einem über die Woche abwesenden Ehemann kategorisch abgelehnt hatte. Zudem sei die Klägerin von ihren vorbehandelnden Ärzten nach eigenem Bekunden ordnungsgemäß über die Gefahr des Auftretens eines Morbus Sudeck nach einer Arthroskopie aufgeklärt worden. Der Umstand, dass die Patientin selbst unter dem Eindruck einer drohenden Gehunfähigkeit einen stationären Aufenthalt abgelehnt habe, lasse darauf schließen, dass sie auch bei nochmaliger Aufklärung über das Risiko eines Morbus Sudeck durch den Arzt, der sie zuletzt behandelte, einen stationären Aufenthalt abgelehnt hätte. Angesichts dessen riet das OLG zu einer Rücknahme der Berufung, die zwei Gerichtsgebühren spare.

OLG Dresden, Beschluss vom 2. Oktober 2019, Az.: 4 U 1141/19 RAin Barbara Berner

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