ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2020Tourette-Syndrom: Unverstanden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zu danken ist den Autoren für ihre Abgrenzung dissoziativer Störungen vom Tourette-Syndrom und für ihre eindeutige Zurückweisung der ungewollt oder gewollt missbräuchlichen Inanspruchnahme dieses Syndroms.

Ergänzend zu den dort genannten Störungen, die „von der Zeit, Moden und Trends“ abhängen, sei die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) genannt, eine Diagnose, die seit vielen Jahren inflationär gestellt wird und zwar von Ärzten und Psychotherapeuten wie von Laien, Angehörigen, Bekannten und Ersthelfern.

Schon seit Langem warnt Herr Prof. Hans Stoffels in Aufsätzen und Vorträgen vor gleichartigen Risiken wie die Autoren sie beim Tourette-Syndrom beschreiben.

Anzeige

Eine echte PTBS ist selten. Bei der Mehrzahl der Diagnostizierten ist das Trauma nicht ursächlich verantwortlich: Es ist der Auslöser einer vorbestehenden psychiatrischen Erkrankung, führte also zu deren Manifestation. Eine kausale Zuordnung zum Trauma ist menschlich verständlich. Der leichtfertigen und nicht hinterfragten Diagnose PTBS folgen jedoch auch hier Fehlbehandlungen und Krankheitspersistenz, ebenso bewirken dies: Aufmerksamkeit, soziale und materielle Vorteile. Und auch hier gilt bald für Menschen mit der gesicherten Diagnose: Sie fühlen sich unverstanden und nicht mehr ernst genommen.

Dr. med. Jürgen Keller, 14193 Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige