ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2020Klimaschutz: Auch klinische Kompetenz spart
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Wenn im Gesundheitssektor die Produktion globaler Treibhausgase ... über den Emissionen von Flug- und Schiffsverkehr liegt, dann ist zu handeln. Verwiesen wird auf energiereduzierende Maßnahmen mit weniger Kohlendioxid-Emissionen, wie Klimaanlagen in betriebsfreien Zeiten abschalten und „grüne“ Gebäudeinfrastrukturen. Letztere scheitern oft an Finanzierungen.

Hier der Vorschlag für sinnvollere Versorgungsprozesse ... : Diagnostische Großgeräte sollten wegen hohem Energieverbrauch gezielter eingesetzt werden.

Eine Studie der Hochschule Hamm-Lippstadt von 2017 zu CT und MRT kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Stromkosten sind wesentlich höher als von Herstellern angegeben. Bei CT kam der Stromverbrauch zu fast 80 % durch Standby-Zeiten zustande, bei MRT zu 50 %. Der CT-Stromverbrauch brauche folgende Gesamtbetrachtung: Der Systemverbrauch über 24 Stunden lag bei 102 bis 145 kWh, davon fielen auf die Geräte selbst 41 bis 85 kWh. Über ein Drittel des Stromverbrauches entfiel auf Kühlung. Die erfassten CT-Geräte befanden sich im Mittel nur zu 20 % im Untersuchungsmodus, der Rest war Standby. Bei MRT zeigte sich ein 5- bis 10-fach höherer Stromverbrauch durch längere Untersuchungszeiten. Der Verbrauch während der Diagnostikprozeduren lag um 25 kW. Das MR- System Vantage Elan (Toshiba) hat nach Energieverbrauchsmessungen (TÜV Nord) einen Gesamtstromverbrauch bei Wirkarbeit von 78.300 KWh/Jahr ..., bei Erhaltungsbetrieb nachts und am Wochenende 38.800 KWh.

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Fazit: Wird beim Einsatz von CT und MRT regelmäßig der Nutzen für Therapieentscheidungen bedacht? Wie oft wäre bei klinischer Kompetenz, mit Einsatz der 5 Sinne des Arztes, die Diagnostik ausreichend? Das bedarf kritischer Diskussion beim hohen Energieverbrauch dieser Groß-Geräte und wäre eines „preisgünstigen Gütesiegels“ wert.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein, 80975 Ulm

Literatur beim Verfasser

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