ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2020Coronakabinett: Hilfe für die Gesundheitsämter

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Coronakabinett: Hilfe für die Gesundheitsämter

Korzilius, Heike

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Infektionen melden, Kontaktpersonen finden, Quarantäne überwachen: In der Coronapandemie soll der Öffentliche Gesundheitsdienst zur Erfüllung seiner Aufgaben besser ausgestattet werden.

Kontrolle per Telefon: Mitarbeiter der Gesundheitsämter spüren Kontakte von Coronainfizierten auf und fragen die Symptome von Personen unter Quarantäne ab. Foto: BrianAJackson/iStock
Kontrolle per Telefon: Mitarbeiter der Gesundheitsämter spüren Kontakte von Coronainfizierten auf und fragen die Symptome von Personen unter Quarantäne ab. Foto: BrianAJackson/iStock

Angesichts der Coronapandemie soll der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) in Deutschland personell verstärkt und digital besser ausgestattet werden. Das hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) am 20. April in Berlin angekündigt. Er bezog sich dabei auf Ergebnisse des sogenannten Coronakabinetts unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Vortag.

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Der ÖGD spiele für die Kontrolle und Eindämmung der Coronaepidemie eine entscheidende Rolle, erklärte Spahn vor Journalisten. Die rund 400 Gesundheitsämter in den Kommunen seien für die Meldung bestätigter Infektionen mit SARS-CoV-2 an das Robert Koch-Institut (RKI) ebenso zuständig wie für die Nachverfolgung möglicher Kontaktpersonen und die Überwachung von Quarantänemaßnahmen.

Hilfe aus der Verwaltung

Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, insbesondere beim Auffinden von Kontaktpersonen Infizierter, sollen die Gesundheitsämter jetzt unter anderem durch Mitarbeiter aus anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung unterstützt werden. In besonders von der Epidemie betroffenen Regionen soll zusätzlich geschultes Personal der Bundeswehr eingesetzt werden. Bereits am 25. März hatten Bund und Länder beschlossen, dass pro 20 000 Einwohner mindestens ein Kontaktnachverfolgungsteam aus fünf Personen zur Verfügung stehen solle. Darüber hinaus finanziert das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) unter anderem ein Schulungsprogramm für Medizinstudierende. Dieses bereitet Medizinstudierende darauf vor, die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, bei der Dokumentation, der Dateneingabe und der Telefonauskunft zu unterstützen.

Beim RKI soll nach dem Willen des Coronakabinetts dauerhaft eine Kontaktstelle für die Mitarbeiter der kommunalen Gesundheitsämter eingerichtet werden. Auf diese Weise soll der Informationsfluss verbessert und Unterstützungsbedarf frühzeitig erkannt werden.

Um Meldewege zu beschleunigen und den ÖGD personell zu entlasten, setze die Bundesregierung zusätzlich auf Digitalisierung, erklärte Spahn. Bereits innerhalb weniger Wochen wolle man erreichen, dass die Labore SARS-CoV-2-Erregernachweise direkt elektronisch an die Gesundheitsämter und das RKI melden. Mit bis zu 150 000 Euro aus dem Haushalt des BMG können die kommunalen Gesundheitsämter für Investitionen in Hard- und Software rechnen. In der zweiten Aprilhälfte will das Ministerium den Ämtern außerdem eine Plattform zur Verfügung stellen, die es im Rahmen der Quarantäneüberwachung ermöglicht, Symptome der Patienten digital abzufragen. Zurzeit erfolge die Symptomkontrolle noch über täglich zwei Anrufe oder Hausbesuche, was das Personal der Gesundheitsämter enorm belaste. Angesichts erster Lockerungen bei den Beschränkungen für das öffentliche Leben sei es besonders wichtig, die Kontrolle über das Ansteckungsgeschehen mit SARS-CoV-2 zu behalten, erklärte Spahn. Dabei sei der ÖGD der Dreh- und Angelpunkt für den Umgang mit der Epidemie. Damit dessen Leistungsfähigkeit auch bei möglicherweise wieder steigenden Infektionszahlen erhalten bleibe, benötige er ein „personelles und digitales Update“, sagte der Minister und räumte zugleich ein, dass der ÖGD nicht immer die Aufmerksamkeit erhalten habe, die er verdiene.

Immer weniger Amtsärzte

Das beklagt der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im ÖGD seit Langem. Die Ärzte dort verdienten rund 1 500 Euro weniger als deren Kollegen in den Krankenhäusern. Die Arbeitgeber in Ländern und Kommunen weigerten sich seit Jahren, die Gehälter der Amtsärzte anzugleichen. Die Folge: Arbeiteten 1995 noch 3 780 Ärzte in den Gesundheitsämtern, seien es jetzt noch 2 500, ein Rückgang um 35 Prozent. Heike Korzilius

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