ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2000Drogenpolitik: Dornröschenschlaf

SEITE EINS

Drogenpolitik: Dornröschenschlaf

Dtsch Arztebl 2000; 97(9): A-489 / B-433 / C-397

Richter, Eva A.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Fixerstuben sind legalisiert! Für diesen Schritt sprach sich der von der Bundesregierung einberufene Vermittlungsausschuss aus. Nachdem der Bundesrat Anfang Februar die Änderung des Betäubungsmittelgesetzes abgelehnt hatte, drohten die schon bestehenden Drogenkonsumräume weiterhin illegal zu bleiben. Jetzt kann jede Landesregierung selbst den Betrieb der Druckräume regeln, wenn im Gesetz vorgeschriebene Mindeststandards eingehalten und ausstiegsorientierte Beratungen und Therapien angeboten werden. Es scheint, als sei die Politik wachgerüttelt worden. Schließlich ist die Legalisierung der Fixerstuben nicht mit der Legalisierung von Drogen gleichzusetzen. Und schließlich geht es dabei nicht um Kampf, sondern um Hilfe. Hilfe für Suchtkranke. Gerade diese unterschwelligen Angebote sind dringend nötig. In den Druckräumen wird ja nicht nur unter hygienischen Bedingungen konsumiert, hier finden auch Gespräche statt, werden soziale Kontakte geknüpft und Hilfsangebote vermittelt. Leider ist dies noch nicht hinreichend bekannt.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion bedauert das Ergebnis des Vermittlungsausschusses. Auch der Internationale Suchtstoff-Kontrollrat sprach sich entschieden gegen Druckräume aus. Sie seien ein "Verstoss gegen die internationalen Drogenkonventionen". Die Bundesregierung sieht das anders:
Die Drogenkonsumräume leisteten weder Beihilfe zum illegalen Drogenhandel noch zum unerlaubten Besitz. Im Gegenteil, sie könnten helfen, die vertragliche Verpflichtung umzusetzen, "alle durchführbaren Maßnahmen zur . . . sozialen Wiedereingliederung der betroffenen Personen zu ergreifen" (Suchtstoffübereinkommen von 1961).
Wiederholt verweist der Drogenrat auf die 1961, 1971 und 1988 geschlossenen internationalen
Abkommen. Hardliner seien sie nicht, sie wollten nur die ursprünglichen Ziele bewahren. Doch hat sich nicht inzwischen einiges gewandelt? Kann man an vor zwölf Jahren gesetzten - unbestritten richtigen - Zielen noch festhalten, ohne Details in der Umsetzung zu ändern und an die gesundheitlichen und sozialen Folgen für die Betroffenen zu denken? Aber vielleicht ist das nur ein Dornröschenschlaf. Dr. med. Eva A. Richter
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema