ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2020Herzinsuffizienz: Lebensstilbedingte Faktoren erhöhen das Risiko bei Frauen stärker als bei Männern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzinsuffizienz: Lebensstilbedingte Faktoren erhöhen das Risiko bei Frauen stärker als bei Männern

Gerste, Ronald D.

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Foto: Alexander Raths/stock.adobe.com
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Während über die letzten 3 Jahrzehnte die Mortalität an kardiovaskulären Erkrankungen dank besserer Behandlungsmöglichkeiten leicht zurückgegangen ist, hat die Prävalenz der Herzinsuffizienz in vielen europäischen Ländern zugenommen. Bekannte Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Qualität der Ernährung und körperliche Aktivität.

Eine offene Frage aber war bislang, ob es bei den lebensstilassoziierten, modifizierbaren Risikofaktoren Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Diese Frage haben Forscher der University of Glasgow jetzt in einer großen Studie untersucht, die auf der umfassenden Datensammlung der UK Biobank Study beruht. Ausgewertet wurden die Verläufe von 468 941 Teilnehmern, die zu 55,9 % weiblich und bei Rekrutierung zwischen 37 und 73 Jahre alt waren. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 9 Jahre.

In dieser Zeitspanne bekamen 1 812 Teilnehmer eine Herzinsuffizienz, 763 starben daran. Frauen waren seltener betroffen: Ihre Inzidenz der Herzinsuffizienz betrug 3,53 pro 10 000 Personenjahre im Vergleich zu 8,0/10 000 Personenjahren bei Männern. Im Vergleich zu Männern betrug die Hazard Ratio (HR) für eine Herzinsuffizienz für Frauen 0,45 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,41; 0,49]), für die Mortalität wurde gegenüber Männern ein relatives Risiko von 0,33 [0,28; 0,38] errechnet.

Einige Risikofaktoren waren bei Frauen stärker mit der Inzidenz einer Herzinsuffizienz assoziiert als bei Männern. Dies waren – mit statistischer Signifikanz – ein Typ 2-Diabetes mellitus (HR: 1,92 [1,25; 2,94]), Hypercholesterinämie (HR: 1,46 [1,09; 2,07]) und Fernsehen > 3 Stunden pro Tag mit einer HR von 1,59 [1,25; 2,02]. Ein Mangel an körperlicher Aktivität ist für beide Geschlechter ein Risikofaktor: Frauen in der inaktivsten Quartile hatten gegenüber denen in der aktivsten einen Risikofaktor von 3,58 [1,27; 10,09] und Männer von 4,41 [2,07; 9,40].

Fazit: „Die vorliegende Studie konnte in einer sehr großen Kohorte zeigen, dass bei Frauen ein erhöhtes Risiko für die Herzinsuffizienzinzidenz durch die ‚traditionellen‘ Risikofaktoren Diabetes mellitus Typ 2 und Hypercholesterinämie im Vergleich zu den Männern nachweisbar war“, erläutert Prof. Dr. med. Petra Reinecke vom Institut für Pathologie der Universität Düsseldorf. „Interessanterweise trat bei den Frauen aber auch bei bestimmten Lifestyle-Risikofaktoren ( > 3 Stunden Verweildauer vor dem Fernseher/Tag: Schlafdauer < 7 Stunden/Tag) im Vergleich zu den Männern eine erhöhte Herzinsuffizienzinzidenz auf, wobei aus der Literatur bekannt ist, dass beide Risikofaktoren jeweils mit einem deutlich erhöhten Risiko assoziiert sind, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben. Daher sollte sich die zukünftige Ursachenforschung insbesondere auf bereits als geschlechtsspezifisch detektierte Risikofaktoren für eine Herzinsuffizienz fokussieren, um daraus resultierend effiziente Ansätze zur Vermeidung und zur Modulation sowohl von ‚traditionellen‘, als auch von Lifestyle-Risikofaktoren zu entwickeln.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Sillars A, Ho FK, Pell GP et al: Sex differences in the association of risk factors for heart failure incidence and mortality. Heart 2020; 106: 203–12.

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