ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2020Randnotiz: Beatmungsgerät für 67 Euro

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Randnotiz: Beatmungsgerät für 67 Euro

Meyer, Rüdiger

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Geräte für die Maskenbeatmung sind teuer und vielerorts ausverkauft. Ein einfaches Gerät, das auch zur Behandlung von Patienten mit Schlaf-Apnoe eingesetzt wird, kostet etwa 2 500 Euro. Ein „Do-it-Yourself“-Gerät, das Pneumologen aus Barcelona entworfen haben, hat nun in einem Vergleichstest nicht schlechter abgeschnitten als ein Markengerät. Die Teile für das Atemgerät, das ein Team um Ramon Farré von der Universität Barcelona konstruiert hat, sind im Internet für 67 Euro erhältlich. Dies sind ein Hochdruckgebläse, zwei Drucksensoren und ein einfacher Mikrocontroller mit einen digitalen Display. Nicht gezählt beim Preis sind die Schläuche und die Maske für den Patienten sowie die Zeit für den Zusammenbau des Beatmungsgeräts. Die Pneumologen haben den „Do-it-yourself“-Ventilator zunächst an zwölf gesunden Freiwilligen getestet. Die Teilnehmer trugen teilweise Gurte um die Brust, um eine Obstruktion der oberen Atemwege zu simulieren. Laut Farré linderte das Beatmungsgerät Marke Eigenbau die Symptome der Probanden in gleicher Weise wie ein kommerzielles Gerät. Auch in einem technischen Test an einem Patientensimulator gab es keine Beanstandungen. Die Forscher veröffentlichen die Bauanleitung als Anhang zu ihrer Studie im European Respiratory Journal. In der Praxis könnte das Gerät jedoch nur bei Patienten mit leichter Atemnot eingesetzt werden. Die meisten schwerkranken COVID-19-Patienten benötigen eine mechanische Beatmung, bei der das Gerät die Atemtätigkeit der in der Regel sedierten intubierten Patienten übernimmt. Für diese Situation gibt es vermutlich keine Baumarktlösung.

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