ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2020COVID-19-Krise: Mehr Ärztinnen im Kreißsaal

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COVID-19-Krise: Mehr Ärztinnen im Kreißsaal

Wenderlein, J. M.

Reaktionen zur COVID-19-Berichterstattung in den DÄ-Ausgaben 14 bis 16/2020:
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Der Beitrag zum Titelthema „Geburtshilfe in der Pandemie“ beginnt mit guten Nachrichten für Schwangere: blande Verläufe und wenig Infektionen bei Neugeborenen, dazu hormonelle Aspekte, die mit erklären könnten, weshalb nur 1 % der Kinder infiziert wird.

Im letzten Satz des Beitrages werden Hormone indirekt angesprochen: “ ... Daten aus China und Italien weniger Frauen im gebärfähigen Alter als vielmehr die älteren männlichen Kollegen in Gefahr“.

Die nächste Virus-Pandemie kommt sicher. Wir sollten uns darauf personell vorbereiten. Kreißsäle zu schließen wegen großem Personalausfall geht nicht.

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Dazu eine Recherche eines Professors für Allgemeinmedizin in Kanada, publiziert 2017 im BMIJ (1): Frauen im fertilen Alter sind vor Influenzaviren, oft Corona-Subtypen, besser geschützt als Männer.

Dazu wurden Tierexperimente aufgeführt, die stimulierende Effekte von Östrogenen auf die Immunabwehr bestätigten. In menschlichen Zellkulturen zeigte sich die Abwehr von Rhinoviren bei Frauen im fertilen Alter besser als bei gleichaltrigen Männern. Wurden Östrogenrezeptoren medikamentös blockiert, dann war der Vorteil weg.

Hier könnte weitergedacht werden: Frauen ab 50 Jahren bzw. ab der Menopause mit HRT könnten ähnlichen Virenschutz wie im fertilen Alter beibehalten. Dazu der kanadische Kollege: Östrogene haben für das Immunsystem unterstützende Eigenschaften und Testosteron wirkt eher immun-suppressiv.

Letzteres könnte mit erklären, warum Kinder bis 10 Jahren unter 1 % infiziert werden. Ab 50 Jahren haben beide Geschlechter ein gleich ansteigendes Risiko – mit ähnlichen Testosteronspiegeln.

Fazit: Im Kreißsaal sind Ärztinnen, auch in leitenden Funktionen, zu favorisieren – die nächste Pandemie kommt sicher. Der biologische Aspekt: Auf X sind viele Gene für das Immunsystem lokalisiert und XX ist offenbar günstiger als XY.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 80975 Ulm

Literatur beim Verfasser

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