ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2020COVID-19-Krise: Klare Ziele setzen

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COVID-19-Krise: Klare Ziele setzen

Adam, Wolfgang

Reaktionen zur COVID-19-Berichterstattung in den DÄ-Ausgaben 14 bis 16/2020:
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COVID-19 ist ein neues Virus mit circa 0,3 – 0,7- prozentiger Letalität. Die errechneten Zahlen ergeben sich aus dem zehnfachen der bisherigen gefunden infizierten beziehungsweise dem Fünffachen, also der leider immer noch nicht eindeutig bestimmten Dunkelziffer. …

Da es in den nächsten vielen Monaten noch keinen Impfschutz geben wird, bedeutet es, dass sich nach und nach immer mehr Menschen in Deutschland anstecken. Rechnet man, dass 60–70 % Infizierte für eine Herdenimmunität reichen, müssen sich noch circa 60–65 000 000 Deutsche mit COVID-19 infizieren. Das hieße im besten Fall bei 0,3 % Letalität 195 000 Verstorbene und bei 0,7 % mehr als 400 000 Verstorbene innerhalb von ein bis zwei Jahren. Das Virus ganz auszumerzen könnte in Deutschland und weltweit nur gelingen, wenn man einen totalen Lockdown über eine längere Zeit schaffen würde. …

Aus meiner Sicht bei der Beobachtung der neuen Seuche sind wir bei der Stufe 4 angelangt: Die neuen Infektionen in Deutschland sind auf einem deutlich niedrigen Stand. Man muss in den nächsten Monaten immer wieder versuchen, kleine erneute Infektnester zügig einzudämmen.

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Das Besondere an der Stufe 4 ist, jetzt immer mehr Sicherheit und Professionalität und damit ein besseres Gelingen der symptomatischen Behandlung bei schwersten und schweren COVID-19-Infektionen zu erreichen. … Auch darf man die weitaus größere Gruppe der schwer betroffenen Patienten, die eine Lungenentzündung haben und 2–3 Wochen schwer krank sind, zwar überleben, aber massiv eine Erkrankung durchmachen, nicht vernachlässigen. Wir Mediziner wissen, … dass bei vielen Virus-Lungenentzündungen … eine deutlich erhöhte Anfälligkeit für bronchiale Infektionen und Asthmatische Reaktionen bestehen bleibt, oft über viele Jahre. Inwieweit diese Aussage auch für COVID-19 zutrifft, kann erst in den nächsten Zeiten genauer beantwortet werden. Aber es ist davon auszugehen, dass schwer und schwerst betroffene Patienten danach noch Jahre lang mit im Volksmund sogenannten „empfindlichen Bronchien“ zu tun haben werden. ... Wir müssen unsinnige Diskussionen unterlassen, auch polemische und irreführende Auftritte in den Netzen, die das neue Virus für besiegt halten. Darüber hinaus ist es wichtig, das Virusgeschehen auf ganz niedriger Schwelle zu halten. … Für diesen Weg benötigen wir weiterhin eine klare politische Zielsetzung und Durchführung.

Dr. med. Wolfgang Adam, 32369 Rahden

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