ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2020Kardiovaskuläre Reserve bei terminalem Nierenversagen: Nach Nierentransplantation verbessern sich die kardiopulmonalen Funktionen rasch

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläre Reserve bei terminalem Nierenversagen: Nach Nierentransplantation verbessern sich die kardiopulmonalen Funktionen rasch

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance/Waltraud Grubitzsch/dpa
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Ein großer Teil der Patienten mit terminalem Nierenversagen hat auch eine koronare Herzkrankheit mit Hypertrophie des linken Ventrikels und systolischer und/oder dia-stolischer Dysfunktion. Einige frühere Studien ließen vermuten, dass eine Transplantation auch die linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhöht und Herz-Kreislauf-Funktionen verbessert. Die Ergebnisse dazu aber waren inkonsistent. Britische Forscher haben diese Fragestellung prospektiv untersucht (1).

An der kontrollierten, 3-armigen Kohortenstudie nahmen 253 Patienten des nephrologischen Zentrums der University of Cambridge teil. Es wurden prospektiv 3 Studienarme gebildet: Patienten mit terminalem Nierenversagen, die ein Transplantat erhalten hatten (KTR; n = 81), Patienten mit terminalem Nierenversagen, die auf ein Organ warteten (NKTR; n = 85), und Patienten mit Bluthochdruck ohne chronische Nierenerkrankung (HT; n = 87). Die Teilnehmer waren durchschnittlich 48,5 Jahre alt. Die Transplantatempfänger hatten zu 91 % eine lebend gespendete Niere erhalten.

Studienendpunkt war die kardiovaskuläre Reserve zum Zeitpunkt 0 (bei Nierenempfängern vor Transplantation), zum Zeitpunkt 2 Monate und nach 12 Monaten (bei Nierenempfängern jeweils nach Transplantation). Die kardiovaskuläre funktionale Reserve wurde ermittelt bei kardiopulmonaler Belastung mit Belastungs-EKG, Stress-Echokardiografie, Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) und der VO2 an der an-aeroben Schwelle (VO2AT)

Zur Basis war die VO2max bei den Nierenkranken niedriger als bei Patienten mit Hypertonie ohne Nierenerkrankung, sie betrug durchschnittlich 20,7 mL/Min x kg in der KTR-Gruppe, 18,9 mL/Min x kg in der NKTR-Gruppe und 24,9 mL/Min x kg in der HT-Gruppe (p < 0,001). Bei den Transplantatempfängern hatte sich die VO2max bereits 2 Monate nach dem Eingriff leicht verbessert und nach 12 Monaten deutlich auf 22,5 mL/min x kg erhöht, bei Patienten auf der Warteliste dagegen war der Wert auf 17,7 mL/Min x kg gesunken und in der HT-Gruppe gab es keine wesentlichen Änderungen. Die VO2AT erhöhte sich bei Nierenempfängern ebenfalls binnen 1 Jahres: von durchschnittlich 11,8 auf 13,4 mL/Min x kg, in der NKTR-Gruppe sank sie dagegen ab. Außerdem verbesserte sich die durchschnittliche linksventrikuläre Ejektionsfraktion signifikant nach Transplantation von 60,0 auf 63,3 %. Beim linksventrikulären Massenindex hingegen, einem Maß für die Links-herzhypertrophie, gab es keine wesentlichen Änderungen. Der Wert war am höchsten bei Patienten auf der Warteliste (113,8 g/m2), gefolgt von Transplantatempfängern (104,9 g/m2) und Hypertoniepatienten (87,8 g/m 2)

Fazit: Erhalten Patienten mit terminalem Nierenversagen eine neue Niere, verbessern sich kardiopulmonale Funktionen schon innerhalb von 12 Monaten signifikant. Eine geringe kardiovaskuläre Reserve ist mit erhöhter Mortalität assoziiert.

Die Studie könne für diese Verbesserungen nicht direkt physiologischen Zusammenhänge aufzeigen, so der Kommentar (2). Wahrscheinlich aber erhöhe sich die Sauerstoffversorgung in den Geweben, weil sich die bei Dialysepatienten häufig auftretenden Anämien nach Transplantation zurückbilden. Ein zweiter Grund für die Verbesserung der kardiovaskulären Reserve könne ein Rückgang von Entzündungsprozessen nach Transplantation sein.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Lim K, Ting SMS, Hamborg T, et al.: Cardiovascular functional reserve before and after kidney transplant. JAMA Cardiol 2020; doi:10.1001/jamacardio.2019.5738.
  2. Bakris GL, Josephson, MA: Improvement of cardiovascular functional reserve after kidney transplant—has the CAPER been solved? JAMA Cardiol. 2020; doi:10.1001/jamacardio.2019.5874

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