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Derzeit existiert keine Methode, die den tatsächlichen Lebensmittelverzehr und die daraus abgeleitete Nährstoffzufuhr exakt ermittelt. Die elaborierten Ernährungserhebungen mittels standardisierter Fragebögen und 24-Stunden-Erinnerungsprotokollen als „anekdotische“ Berichte zu bezeichnen, halten wir jedoch für nicht seriös.

24-Stunden-Erinnerungsprotokolle sind eine etablierte Methode, um die mittlere Nährstoffaufnahme einer Bevölkerungsgruppe zu schätzen (1). Die European Food Safety Authority (EFSA) empfiehlt für nationale Verzehrsstudien den Einsatz von mindestens zwei 24-Stunden-Erinnerungsprotokollen und von einem Kurzfragebogen zur Erhebung selten verzehrter Lebensmittel (2).

In der von uns zitierten (3) und von Herrn Selig kritisierten NationalenVerzehrsstudie II (NVS II) erfolgten neben zwei 24-Stunden-Erinnerungsprotokollen zusätzlich Diet-History-Interviews. Darüber hinaus wurden Wiegeprotokolle von einer Unterstichprobe zwei Mal im Studienverlauf an vier aufeinanderfolgenden Tagen geführt (4).

Ernährungserhebungen weiter zu verbessern, ist wichtig und ein derzeit sehr aktives Forschungsfeld. Letzteres trifft vor allem für alternative Erhebungsmethoden zu, die nicht auf Berichten durch den Menschen basieren. Fotomethoden sind noch nicht ausgereift und ausreichend validiert. Biomarker helfen derzeit nur bedingt, da vielfach keine allgemein anerkannten Grenzwerte zur Klassifikation des Ernährungsstatus vorliegen beziehungsweise für diverse Nährstoffe keine direkten Biomarker existieren. Auch spiegeln Biomarker zum Teil nur die aktuelle und nicht die langfristige Versorgung in Bezug auf den jeweiligen Nährstoff wider.

Abschließend sei anzumerken, dass insbesondere die Kombination verschiedener Ernährungserhebungsinstrumente einen fundierten und validen Aufschluss über die Situation von Bevölkerungsgruppen geben kann. Ernährungserhebungen stellen einen unverzichtbaren Weg dar, um Handlungsempfehlungen auf Bevölkerungsebene abzuleiten.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0346b

Für die Autoren

Prof. Dr. oec. troph. Sabine Rohrmann

Institut für Epidemiologie,
Biostatik und Prävention

Universität Zürich

sabine.rohrmann@uzh.ch

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Crispim SP, de Vries JH, Geelen A, et al.: Two non-consecutive 24 h recalls using EPIC-Soft software are sufficiently valid for comparing protein and potassium intake between five European centres—results from the European Food Consumption Validation (EFCOVAL) study. Br J Nutr 2011; 105: 447–58 CrossRef MEDLINE
2.
European Food Safety Authority: Guidance on the EU methodology. EFSA Journal 2014; 12: 3944 CrossRef
3.
Jungert A, Quack Lötscher K, Rohrmann S: Vitamin substitution beyond childhood—requirements and risks. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 14–22 VOLLTEXT
4.
Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Ergebnisbericht, Teil 1. Nationale Verzehrsstudie II. Karlsruhe 2008. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/NVS_Ergebnisbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2 (last accessed on 12 March 2020).
1.Crispim SP, de Vries JH, Geelen A, et al.: Two non-consecutive 24 h recalls using EPIC-Soft software are sufficiently valid for comparing protein and potassium intake between five European centres—results from the European Food Consumption Validation (EFCOVAL) study. Br J Nutr 2011; 105: 447–58 CrossRef MEDLINE
2.European Food Safety Authority: Guidance on the EU methodology. EFSA Journal 2014; 12: 3944 CrossRef
3.Jungert A, Quack Lötscher K, Rohrmann S: Vitamin substitution beyond childhood—requirements and risks. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 14–22 VOLLTEXT
4.Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Ergebnisbericht, Teil 1. Nationale Verzehrsstudie II. Karlsruhe 2008. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/NVS_Ergebnisbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2 (last accessed on 12 March 2020).

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