ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2020Autoimmunerkrankungen des ZNS: B-Zelldepletion mit Rituximab beugt Rückfällen der Neuromyelitis optica vor

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Autoimmunerkrankungen des ZNS: B-Zelldepletion mit Rituximab beugt Rückfällen der Neuromyelitis optica vor

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Dr_Microbe/iStock
Foto: Dr_Microbe/iStock

Erkrankungen des Neuromyelitis-optica-Spektrums (NMOSD) sind demyelinisierende Autoimmunerkrankungen des Zentralnervensystems. Häufig lassen sich Autoantikörper gegen Aquaporin-4 nachweisen (AQP4). Das Protein wird auf Astrozyten exprimiert, reguliert den Flüssigkeitshaushalt im ZNS und hält die Blut-Hirn-Schranke mit aufrecht. Patienten erholen sich von Schüben oft nur unvollständig, sie können erblinden und auf den Rollstuhl angewiesen sein, wenn Sehnerv, Rückenmark oder Stammhirn geschädigt sind.

Die Akutbehandlung erfolgt mit Glukokortikoiden, für die Prophylaxe weiterer Schübe werden immunregulatorische Strategien erprobt. Zu ihnen gehört die B-Zelldepletion. Der Anti-CD20-Antikörper Rituximab ist in einer prospektiv randomisierten, placebokontrollierten doppelblinden Studie bei 38 Patienten mit AQP4-seropositiver NMODS geprüft worden (2). Je 19 erhielten Rituximab 375 mg/m2 wöchentlich für 1 Monat und danach alle 2 Wochen 1 000 mg für 6 Monate oder Placebo. Glukokortikoide wurden in beiden Studiengruppen allmählich ausgeschlichen.

Primärer Endpunkt war der erster Rückfall binnen 72 Wochen. 7 Rückfälle ereigneten sich in der Placebogruppe (37 %) und keiner im Rituximab-Arm (Δ 36,8 %; p = 0,0058). Es gab 8 schwere unerwünschte Effekte wie Lumbalkompressionsfraktur, Infektion, Diplopie und Exazerbation eines Glaukoms, 4 davon bei 3 Verumpatienten und die übrigen bei 2 Teilnehmern der Placebogruppe. Grad-5-Nebenwirkungen traten nicht auf.

Fazit: Die Studie weist darauf hin, dass Rituximab Krankheitsschüben einer Neuromyelitis optica vorbeugt. „Die Daten dieser methodisch soliden Studie sind ein wichtiger Schritt zu einer Anwendung von Rituximab in der klinischen Routine, auch wenn die Teilnehmerzahl gering war“, kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Peter Hartung, Direktor der Klinik für Neurologie der Universitätsklinik Düsseldorf (2). Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Tahara M, Oeda T, et al.: Safety and efficacy of rituximab in neuromyelitis optica spectrum disorders (RIN-1 study): a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Neurol 2020; 19: 298–306.
  2. Hartung HP: Old and new breakthroughs in neuromyelitis optica. Lancet Neurol 2020; 19: 280–1.

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