ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2020Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „Aus Fehlern lernen“ – Methämoglobinämie nach Überdosierung von Emla®-Creme bei einem Säugling

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: „Aus Fehlern lernen“ – Methämoglobinämie nach Überdosierung von Emla®-Creme bei einem Säugling

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„Aus Fehlern lernen“

Methämoglobinämie nach Überdosierung von Emla®-Creme bei einem Säugling

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Der AkdÄ wurde der Fall eines sieben Monate alten Jungen gemeldet, bei dem vier Wochen zuvor ambulant eine Zirkumzision durchgeführt worden war. Die postoperative Wundpflege erfolgte zunächst mit Panthenol. Als dieses aufgebraucht war, trugen die Eltern bei jedem Windelwechsel Emla®-Creme auf. Diese war vor der Operation verschrieben worden (30 g Tube) und noch in der Familie vorrätig. Nach zwei Tagen entwickelte der kleine Patient eine Zyanose. Ursächlich war eine Methämoglobinämie mit einem Met-Hb-Anteil von 25,2 % (Referenzbereich 0,0–1,5 %). Die Sauerstoffsättigung betrug minimal 73 %. Dabei ist zu beachten, dass die O2-Sättigungswerte bei Methämoglobinämie mit Vorsicht interpretiert werden sollten (siehe unten). Auf der Intensivstation wurde Sauerstoff verabreicht, worunter die Sauerstoffsättigung anstieg und im Verlauf auch ohne Sauerstoffgabe stabil blieb. Die Entlassung erfolgte am Folgetag in gutem Zustand.

Emla®(1) ist ein eutektisches Gemisch, das die Lokalanästhetika Lidocain und Prilocain enthält (Eutectic Mixture of Local Anaestetics, EMLA) (2). Die eutektische Mischung hat einen niedrigeren Schmelzpunkt (18 °C) als die Reinstoffe (Lidocain 67 °C; Prilocain 37 °C). Das Gemisch liegt bei Raumtemperatur daher als lipophile Flüssigkeit vor, wodurch die Resorption verbessert wird (3;4). Lidocain- und Prilocain-haltige Cremes (LP-Cremes) werden angewendet zur Oberflächenanästhesie der Haut bei verschiedenen Eingriffen. Methämoglobinämie wird in der Fachinformation als seltene Nebenwirkung aufgeführt und kann Ausdruck einer Überdosierung sein (1;5).

Methämoglobin (Met-Hb) entsteht durch Oxidation von zwei- zu dreiwertigem Eisen (Fe2+ zu Fe3+) im Hämoglobin (Hb). Met-Hb kann keinen Sauerstoff binden und transportieren. Eine Met-Hb-Konzentration von etwa 1 % im Blut ist physiologisch. Das Enzym NADH-Cytochrom-b5-Reduktase (Methämoglobin-Reduktase) reduziert Met-Hb wieder zu Hb. Durch oxidierende Arzneimittel wie Prilocain oder dessen Metabolit O-Toluidin (in geringerem Maß auch Lidocain) kann die Met-Hb-Bildung erhöht werden. Wenn die Kapazität der NADH-Cytochrom-b5-Reduktase überschritten wird, kann daraus eine Erhöhung der Met-Hb-Konzentration („Methämoglobinämie“) resultieren (2;3;6–9).

Met-Hb-Anteile ab 10–20 % gehen mit Zyanose (typischerweise „bräunlich“) einher, die durch Gabe von Sauerstoff nicht reversibel ist. Mit steigenden Werten können Dyspnoe, Verwirrtheit, Benommenheit, Azidose, Koma und Krampfanfälle auftreten. Werte über 70 % sind potenziell tödlich (2;3;7;8;10). Typisch ist die Differenz zwischen der Sauerstoffsättigung, die mittels Pulsoxymetrie bestimmt wurde, und der laborchemisch mittels arterieller Blutgasanalyse ermittelten Sättigung („saturation gap“). Diese entsteht dadurch, dass Met-Hb die Messung der Sauerstoffsättigung durch herkömmliche Pulsoxymeter beeinträchtigt und zu verfälschten Ergebnissen führen kann. Daher sollte die Messung mit einem CO-Oxymeter erfolgen oder mittels arterieller Blutgasanalyse, wenn ein solches Gerät nicht vorhanden ist (siehe Tabelle 1) (2;3;8).

Therapeutisch muss zunächst die Exposition gegenüber dem auslösenden Arzneimittel beendet werden. Bei asymptomatischem oder mildem Verlauf werden die Patienten beobachtet und mit Sauerstoff versorgt, wodurch die Umwandlung von Met-Hb zu Hb beschleunigt wird. Bei schwerer Methämoglobinämie (je nach klinischer Symptomatik ab 10–30 % Met-Hb-Anteil) werden Toluidinblau bzw. Methylenblau intravenös verabreicht, die NADPH-abhängig die Reduktion von Met-Hb zu Hb beschleunigen. Wenn die Met-Hb-Werte weiterhin hoch bleiben, kann eine Transfusion notwendig sein (2;8;11–13). Zu beachten ist, dass die Applikation von Methylenblau und Toluidinblau die Haut blaugrün verfärbt, was die Beurteilung der Zyanose erschweren kann (12;13).

Fetales Hb wird leichter zu Met-Hb oxidiert als adultes Hb (9;14). Darüber hinaus ist die Aktivität der NADH-Cytochrom-b5-Reduktase bei Frühgeborenen und Säuglingen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten noch nicht auf dem Level der Erwachsenen (9;15). Frühgeborene und Säuglinge in den ersten Lebensmonaten können daher empfindlicher auf eine Exposition mit LP-Cremes reagieren und eine Methämoglobinämie entwickeln, was einige publizierte Fallberichte belegen (2;6;7;11;16;17). Aber auch bei älteren Kindern (2;3;7;10;18) und Erwachsenen (4;19;20) sind Fälle von Methämoglobinämie dokumentiert, häufig nach Anwendung exzessiver Dosen, Anwendung auf einem großen Hautareal oder bei längerer als der empfohlenen Einwirkzeit (3;4;7;10;17–19) (weitere Risikofaktoren siehe Tabelle 2).

Verschiedene Institutionen warnten in der Vergangenheit vor dem Risiko von Methämoglobinämien im Zusammenhang mit LP-Creme, insbesondere bei kleinen Kindern bzw. bei inkorrekter Anwendung (21, 22, 23).

LP-Cremes sollen bei reifen Neugeborenen und Säuglingen unter drei Monaten nur als Einzeldosis (bis 1 g und 10 cm2 für eine Stunde) innerhalb von 24 Stunden angewendet werden. Bei älteren Kindern können im Abstand von 12 Stunden maximal zwei Dosen innerhalb von 24 Stunden aufgetragen werden (vgl. Tabelle 3) (1;5).

Auf der Haut und Schleimhaut im Genitalbereich sollten LP-Cremes nur unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal angewendet werden (1). Im vorliegenden Fall war es versehentlich zu einer Überdosierung mit LP-Creme durch die Eltern gekommen, indem das Arzneimittel zur regelmäßigen Wundpflege angewendet wurde. Hierfür sind LP-Cremes nicht zugelassen. Neben der fehlenden Indikation wurde die Creme bei dem Säugling häufiger als empfohlen angewendet.

Zusammenfassung und Empfehlung der AkdÄ:

Der vorliegende Fall sowie diverse Literaturberichte zeigen, dass die Anwendung von Lidocain- und Prilocain-haltiger Creme (LP-Creme) mit dem Risiko einer Methämoglobinämie einhergehen kann, vor allem bei jungen Kindern und wenn die Anwendungsempfehlungen nicht eingehalten werden.

Die Empfehlungen zur Dosierung sollten, insbesondere bei Kindern, eingehalten werden (vgl. Tabelle 3). Die Anwendung auf der Haut und Schleimhaut im Genitalbereich (1) sowie nach Auffassung der AkdÄ auch die Anwendung bei Säuglingen unter drei Monaten sollte nur unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal erfolgen. Um das Risiko von Überdosierungen möglichst gering zu halten, sollten Patienten und ggf. deren Betreuungspersonen hierüber aufgeklärt und nach Möglichkeit die kleinste, medizinisch sinnvolle Packungsgröße verordnet bzw. abgegeben werden.

Da LP-Cremes rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind und nach Kenntnis der AkdÄ auch durch nicht medizinisch ausgebildetes Personal, beispielsweise im Rahmen kosmetischer Behandlungen (z. B. beim Tätowieren (24)) angewendet werden, ist die Aufklärung in den Apotheken von besonderer Bedeutung.

Bitte teilen Sie der AkdÄ Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können online über unsere Website www.akdae.de melden oder unseren Berichtsbogen verwenden, der regelmäßig im Deutschen Ärzteblatt abgedruckt wird.

Sie können sich unter www.akdae.de/Service/Newsletter für einen Newsletter der AkdÄ anmelden, der auf neue Risikoinformationen zu Arzneimitteln hinweist.

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Postfach 12 08 64, 10598 Berlin, Telefon: 0 30/40 04 56-5 00, Fax: 0 30/40 04 56-5 55, E-Mail: info@akdae.de, Internet: www.akdae.de

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24.
Aspen Germany GmbH: Emla – Lidocain Prilocain – Wichtige Nachricht für alle Liebhaber von Tattoos: Weniger Schmerzen beim Tätowieren: https://www.emla.de/wp-content/uploads/2019/01/emla-information-zum-taetowieren.pdf (letzter Zugriff: 30. Januar 2020). München 2018.
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17.Shachor-Meyouhas Y, Galbraith R, Shavit I: Application of topical analgesia in triage: a potential for harm. J Emerg Med 2008; 35: 39–41 CrossRef MEDLINE
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19.Care W, Larabi IA, Langrand J et al.: Poisoning associated with inappropriate use of a eutectic mixture of lidocaine and prilocaine before laser-assisted hair removal: about 3 cases. Int J Legal Med 2019; 133: 843–846 CrossRef MEDLINE
20.Lerner RP, Lee E: EMLA-induced methemoglobinemia after laser-assisted hair removal procedure. Am J Emerg Med 2019; 37: 2119.e1–2119.e2 MEDLINE MEDLINE
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22.Methämoglobinämie unter Lokalanästhetika-Creme Emla. arznei-telegramm 2012; 43: 72.
23.EMLA cream safe and effective (but caution in the first three months of life). Prescriber Update (New Zealand); 19: 18–20.
24.Aspen Germany GmbH: Emla – Lidocain Prilocain – Wichtige Nachricht für alle Liebhaber von Tattoos: Weniger Schmerzen beim Tätowieren: https://www.emla.de/wp-content/uploads/2019/01/emla-information-zum-taetowieren.pdf (letzter Zugriff: 30. Januar 2020). München 2018.

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Avatar #727963
von Roy, Edward
am Samstag, 16. Mai 2020, 20:49

Gebrauchsinformation: Information für Anwender / Package leaflet: Information for the user


Wenden Sie EMLA nicht auf folgenden Hautflächen an:
(...) an den Genitalien von Kindern
https://www.emla.de/wp-content/uploads/2018/12/2019-10_GI_Emla_Creme.pdf

Do not use EMLA on the following areas:
(...) On the genitals of children.
https://www.ema.europa.eu/en/documents/referral/emla-cream-article-30-referral-annex-iii_en.pdf
Avatar #567332
Lusa
am Freitag, 15. Mai 2020, 14:44

Reaktionen, auch seitens der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft

Liebe Mitkommentator/en/in,
erst einmal vielen Dank für die Bestärkung meiner Kritik und der gestellten Fragen.
Diese habe ich auch an den Verfasser des Beitrags, der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft, gestellt.
Es kam eine prompte Reaktion, die mir jedoch nur zeigte, dass in diesem Fall Dienst nach Vorschrift gemacht wird, ohne weiter über den Tellerrand zu blicken und ohne die Arznei­mittel­therapie­sicherheit komplett zu beleuchten:

"Es ist eine der Aufgaben der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, die Ärzteschaft über Probleme der Arzneimittelsicherheit und Arznei­mittel­therapie­sicherheit zu informieren. Dies tun wir beispielsweise durch Mitteilungen im Deutschen Ärzteblatt. Mit der aktuellen Mitteilung, auf die Sie Bezug nehmen, wollen wir auf Risiken bei der Anwendung von Lidocain/Prilocain-haltiger Creme hinweisen, wenn Dosierungsempfehlungen nicht beachtet werden. Weitere Informationen zu den von Ihnen angesprochenen Fragen liegen uns nicht vor. "

Wenn weitere Informationen nicht vorliegen, könnte man danach ja auch fragen, sofern die Meldung an die akdä nicht anonym erfolgte? Und, wie Herr Kollege Schätzler schrieb, ausloten, wie die rechtlichen Konsequenzen umgesetzt werden können.

Traurig, dass immer noch völlig unnötige Beschneidungen und auch so genannte Phimosen-OPs heutzutage in Deutschland durchgeführt werden und sich Nutznießer daran beteiligen und schweigen.
Avatar #727963
von Roy, Edward
am Donnerstag, 14. Mai 2020, 03:30

„Aus Fehlern lernen“? Nicht die Komplikation, die Zirkumzision ist das Problem

Sexualsensorik

Bei einer Beschneidung werden die für das sexuelle Erleben zentralen Körperteile des Penis amputiert, das Gefurchte Band, die innere Vorhaut, das Frenulum (Bändchen) und das Frenulare Delta.

Die Vorhaut, nicht die Eichel, ist der für leichte Berührung empfindlichste Teil des intakten männlichen Geschlechtsorgans (Sorrells, Snyder, Reiss, Ede, Milos, Wilcox, Van Howe: Fine-touch pressure thresholds in the adult penis).

Die Vorhaut ist sensibler als die menschlichen Lippen oder Fingerspitzen. Aufgrund ihrer sexuellen Empfindsamkeit spielt das Präputium eine bedeutende Rolle im Sexualleben unbeschnittener Männer und belastet eine jede Vorhautamputation Sexualität, Sexualpartner und Partnerschaft (Frisch, Lindholm, Grønbæk: Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark).

Zu den durchweg nachteiligen Auswirkungen jeder medizinisch nicht indizierten männlichen Beschneidung gehört eine lebenslange starke Schädigung der sexuellen Sensitivität, denn Nervenfasern und überwiegend spezialisierte Nervenendigungen bzw. Tastkörperchen (Meissner-Körperchen, Vater-Pacini-Körperchen, Ruffini-Körperchen und Merkel-Zellen) werden bei der Zirkumzision, die wir männliche Genitalverstümmelung (MGM) nennen dürfen, amputiert. Diese spezialisierten Nervenendigungen dienen dazu, auch leichteste Berührungen sowie Feinheiten von Temperatur, Geschwindigkeit bzw. Vibration oder Textur wahrzunehmen und weiterzuleiten.

Im Vergleich dazu befinden sich auf der Glans penis (Eichel) überwiegend unspezialisierte freie Nervenenden, sogenannte Nozizeptoren, die Schmerzreize aufnehmen und weiterleiten können. Die schmale Zone der Eichel zwischen Corona glandis (Eichelrand) und Sulcus coronarius (Penisfurche), die von Natur aus doch (wenige) Lustrezeptoren enthält, keratinisiert (verhornt) im Laufe der Jahre, was beschnittene Männer als großen Verlust an (restlicher) sexueller Lebensqualität beschreiben und mit Schutzmaßnahmen (vor mechanischer Reibung im Alltag) bzw. mit Restoring (Versuch der Wiederherstellung der Vorhaut) nur begrenzt ausgleichen können.

Durch die Beschneidung werden dem Jungen oder dem Mann ein Großteil der Nervenendigungen des Penis insgesamt und fast alle der besonders empfindlichen niedrigschwelligen spezialisierten Nervenendigungen irreversibel entfernt. Die empfindlichsten Regionen des unbeschnittenen Penis sind durch die Beschneidung amputiert worden.

.

Entwicklung des Kindes

Kein Junge im Kindergartenalter, aber auch kein männlicher Grundschüler oder Fünft- und Sechstklässer braucht eine retrahierbare (zurückziehbare) Vorhaut. In diesem Alter ist eine noch bestehende angeborene Vorhautenge oder eine noch bestehende angeborene vollständige oder teilweise Vorhautverklebung häufig, völlig normal und gesund.

Thema Alter des Zurückziehenkönnens: Von menschlicher Natur aus, bei bester Gesundheit sowie durchschnittlich erst mit 10,4 (zehn Komma vier) Jahren – und auch dann kann das erst jeder zweite Junge (Jakob Øster (1968); Hiroyuki Kayaba et al. (1996), Thorvaldsen and Meyhoff (2005)).

Die anderen 50 % aller Jungen sind folglich älter als die genannten 10,4 Jahre, sind beispielsweise zwölf oder 14 oder 16 Jahre alt, bis sie ihre Vorhaut vollständig zurückziehen können.

.

Ethik

Bei der Debatte um die „Beschneidung“ sprich um FGM oder MGM zeigt sich der Konflikt zwischen kultureller Moderne und kultureller Vormoderne, der Streit um die Frage, was den Vorrang hat, Individuum oder Kollektiv, Individualrechte oder Gruppenrechte.

Der Bürger im Staat sei vor dem Gesetz gleich. Die Frau etwa habe dasselbe Recht wie der Mann. Eine Sondersorte Mensch, eine der Scharia pflichtige Spezies Muslim etwa, ist im freiheitlichen Rechtsstaat nicht hinzunehmen, denn andernfalls wären die der Umma angehörigen Frauen weitgehend entmündigt und entrechtet, bekämen nur das halbe Erbe, ihre Stimme hätte vor Gericht nur den halben Wert, sie verlören bei einem Sorgerechtsstreit ihre Kinder, müssten den Hidschab tragen und wären, mindestens bei den Schafiiten sowie bei den Dawoodi Bohra, „beschnitten“ sprich genital verstümmelt.

Das Recht auf ein intaktes Geschlechtsorgan ist ein Menschenrecht.

Was aber jedem Individuum zusteht, darf keine Frage des sogenannten Kulturkreises sein. Die verteidigenswerten und weltweit durchzusetzenden allgemeinen Menschenrechte (AEMR, festgestellt in Paris am 10.12.1948) sind nie und nirgendwo durch Berufung auf irgendeine Religion oder Tradition außer Kraft zu setzen.

Wo wir gegen jede Form der weiblichen Genitalverstümmelung kämpfen, also gegen FGM Typ Ia, Ib, II, III, IV, und die FGM weltweit überwinden wollen, können wir den Jungen und Männern nicht weniger Schutz zuteil werden lassen.

Auch das deutsche Grundgesetz kann und will nicht zwischen männlichen und weiblichen Rechtsansprüchen unterscheiden.

Weltweit ist jedes Kind, jeder Jugendliche vor dem Gruppenzwang zum „Beschnittensein“ zu schützen. Völlig altersgemäß ist der Minderjährige (der Mensch unter 18 Jahre) in eine FGM oder MGM nicht einwilligungsfähig. Wir Volljährigen haben die moralische Pflicht, dafür zu sorgen, dass weltweit ebenso jedes Mädchen wie jeder Junge ihren oder seinen 18. Geburtstag mit einem unversehrten Geschlechtsorgan erreicht.

Der 2012 hastig durch Deutschlands Parlament gepeitschte § 1631d BGB ist verfassungswidrig und ersatzlos streichen.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 13. Mai 2020, 10:20

Danke für die Fragen von "Lusa"

Wer Lesen kann ist klar im Vorteil! Die offiziellen Angaben zu Emla®-Creme:
"Zusammensetzung:
Zusammensetzung je 1 g Creme ( Darreichungsform: Creme )
Arzneilich wirksamer Bestandteil:
Lidocain , 25 mg
Prilocain , 25 mg
Sonstige Bestandteile:
PEG-54 hydriertes Rizinusöl; Carbomer 974 P; Natronlauge zur pH-Wert-Einstellung; Wasser, gereinigtes
Indikation / ATC-Code:
1. Erwachsene, Kinder und Jugendliche:
Oberflächenanästhesie der Haut im Zusammenhang mit:
- dem Einführen von Nadeln, z. B. von i. v.-Kathetern oder bei Blutentnahmen
- chirurgischen Eingriffen an der Hautoberfläche.
2. Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren:
Oberflächenanästhesie der genitalen Schleimhaut, z. B. vor chirurgischen Eingriffen an der Hautoberfläche oder vor einer Infiltrationsanästhesie.
3. Nur Erwachsene:
Oberflächenanästhesie von Bein-Ulcera zur Erleichterung der mechanischen Wundreinigung/Debridement nur bei Erwachsenen.
Hinweise zu den Anwendungsgebieten
Die Anwendung auf der genitalen Schleimhaut, der genitalen Haut oder auf Bein-Ulcera sollte nur von oder unter Aufsicht des medizinischen Fachpersonals durchgeführt werden.
Hauptindikation:
Anästhetika / Narkotika
Lokalanästhetika
Oberflächenanästhesie vor medizinischen Eingriffen..."

Die Anwendung bei einem 6 Monate alten Säugling im Genitalbereich ist zweifelsfrei unzulässig, off label und risikobehaftet. Das sollte zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #798265
Martinos
am Dienstag, 12. Mai 2020, 20:37

Therapie oder Verstümmelung?!


Ich kann mich den Fragen meines Vor-Kommentators "Lusa" nur anschließen.

Der Artikel schweigt zu den Hintergründen und Begleitumständen des Eingriffs.

Im Alter von 7 Monaten sind echte Indikationen zur Zirkumzision ziemlich selten. So drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Eingriff ohne medizinische Notwendigkeit an einem gesunden Kind vorgenommen wurde.

Um eine Sache ganz klar zu sagen: Eine Beschneidung an einem nichteinwilligungsfähigen Kind – in Ermangelung einer medizinischen Notwendigkeit – ist ganz einfach nur eine GENITALVERSTÜMMLUNG.

Die Bundesärztekammer sollte deshalb dem Beispiel des Niederländischen Ärztebundes (1), des Schwedischen Kinderärzteverbands („Barnelegeforening“) (2), des Schwedischen Ärztebundes (3) und des Dänischen Ärztebundes („Den almindelige danske Lægeforening“) (4) folgen, und sich klar und deutlich gegen die Beschneidung minderjähriger Jungen aussprechen.

Einzelnachweise:

1. https://www.knmg.nl/advies-richtlijnen/dossiers/jongensbesnijdenis.htm

2. https://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=4973468

3. https://www.huffpost.com/entry/circumcision-ban-sweden-denmark_n_4674547

4. https://www.nytimes.com/2016/12/08/world/europe/circumcision-boys-babies.html



Avatar #798265
Martinos
am Dienstag, 12. Mai 2020, 20:32

Therapie oder Verstümmelung?!


Ich kann mich den Fragen meines Vor-Kommentators "Lusa" nur anschließen.

Der Artikel schweigt zu den Hintergründen und Begleitumständen des Eingriffs.

Im Alter von 7 Monaten sind echte Indikationen zur Zirkumzision ziemlich selten. So drängt sich der Verdacht auf, dass dieser Eingriff ohne medizinische Notwendigkeit an einem gesunden Kind vorgenommen wurde.

Um eine Sache ganz klar zu sagen: Eine Beschneidung an einem nichteinwilligungsfähigen Kind – in Ermangelung einer medizinischen Notwendigkeit – ist ganz einfach nur eine GENITALVERSTÜMMLUNG.

Die Bundesärztekammer sollte deshalb dem Beispiel des Niederländischen Ärztebundes (1), des Schwedischen Kinderärzteverbands („Barnelegeforening“) (2), des Schwedischen Ärztebundes (3) und des Dänischen Ärztebundes („Den almindelige danske Lægeforening“) (4) folgen, und sich klar und deutlich gegen die Beschneidung minderjähriger Jungen aussprechen.

Einzelnachweise:

1. https://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=4973468

2. https://www.huffpost.com/entry/circumcision-ban-sweden-denmark_n_4674547

3. https://www.nytimes.com/2016/12/08/world/europe/circumcision-boys-babies.html

4. https://www.knmg.nl/advies-richtlijnen/dossiers/jongensbesnijdenis.htm


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Lusa
am Sonntag, 10. Mai 2020, 23:06

Aus Fehlern lernen?

Bei einem sechs Monate alten Säugling wird ambulant eine Zirkumzision durchgeführt.
Über deren Indikation schweigt die AkdÄ.
Vermutet werden kann, es handele sich um eine Beschneidung aus religiösen Vorstellungen.
Anschließend tragen die Eltern offenbar großzügig Emla auf, das vor der Operation verschrieben worden war.
Der Säugling gerät in Lebensgefahr und wird auf einer Intensivstation behandelt.
Nun frage ich mich:
Welche Indikation war gestellt worden?
Wer hat die Operation bezahlt?
Wer hat an der Operation Geld verdient?
Wer hat die verschriebene Emla-Creme bezahlt?
Wer kommt für die Kosten der Intensivbehandlung auf?
Wer hat welchen Fehler gemacht?
Was wäre wie vermeidbar gewesen?
Wer lernt wie aus welchem Fehler?

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