ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2020Epilepsie: Konzentration von Antiepileptika bei gestillten Säuglingen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Epilepsie: Konzentration von Antiepileptika bei gestillten Säuglingen

Eckert, Nadine

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Foto: LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com
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Es existiert kein Konsens darüber, ob es sicher ist, wenn Patientinnen unter antiepileptischer Medikation ihre Babys stillen. Studien an Tieren zeigen, dass Antiepileptika negative Effekte auf die sich entwickelnden Nervenzellen im unreifen Gehirn haben können. Doch Humanstudien sind rar und Ärzten ist mitunter unwohl dabei, ihren Patientinnen das Stillen ihrer Kinder zu empfehlen. Eine Studie aus den USA kommt nun immerhin zu dem Schluss, dass die Antiepileptika zwar über die Muttermilch auch in den kindlichen Blutkreislauf gelangen, dies allerdings in deutlich niedrigerer Konzentration, als sie bei der Mutter vorliegt.

In die prospektive Kohortenstudie wurden an 20 Zentren 351 Frauen mit einer Epilepsieerkrankung unter medikamentöser Therapie und ihre 345 Neugeborenen eingeschlossen. Von den 345 Babys wurden 222 (64,3 %) gestillt. Bei einem Klinikbesuch 5–20 Wochen nach der Geburt wurden von Mutter und Kind Blutproben genommen und anschließend analysiert. Die gemessenen Antiepileptika bzw. Metaboliten waren Carbamazepin, Carbamazepin-10,11-Epoxid, Levetiracetam, Lamotrigine, Oxcarbazepine, Topiramat, Valproat und Zonisamid.

Bei circa 49 % der Kinder lag die Konzentration an Antiepileptika im Blut unterhalb der unteren Messgrenze. Der Prozentsatz der mütterlichen Konzentration, der bei den Kindern gefunden wurde, reichte von 0,3 % (Range 0,2 %–0,9 %) bis 44,2 % (Range 35,2 %–125,3 %).

Lamotrigin und Levetiracetam sind die am häufigsten verschriebenen Antiepileptika bei stillenden Epilepsiepatientinnen. Die maternale Blutkonzentration von Lamotrigin erwies sich als signifikant mit der Lamotriginkonzentration beim Kind assoziiert (Pearson-Korrelationskoeffizient 0,58; p < 0,001). Für Levetiracetam war dies nicht der Fall.

Fazit: Die Autoren um Dr. Angela K. Birnbaum von der University of Minnesota, Minneapolis, schlussfolgern, dass im Großen und Ganzen die Antiepileptikakonzentrationen bei den gestillten Kinder deutlich niedriger lagen als bei den Müttern. Sie schreiben: „Angesichts der bekannten Vorteile des Stillens und früherer Studien, die keine negativen Effekte gezeigt hatten, wenn die stillende Mutter mit Antiepileptika behandelt wurde, stützen diese Ergebnisse das Stillen von Kindern, auch wenn die Mutter an Epilepsie erkrankt ist und Antiepileptika einnimmt.“ Nadine Eckert

Birnbaum AK, Meador KJ, Karanam A, et al.: Antiepileptic Drug Exposure in Infants of Breastfeeding Mothers With Epilepsy.
JAMA Neurol 2020; 77 (4): 441–50.

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