ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2020Intrakranielle Stenosen: Altersunabhängige Prävalenz bei Patienten nach TIA oder minorem Schlaganfall

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Intrakranielle Stenosen: Altersunabhängige Prävalenz bei Patienten nach TIA oder minorem Schlaganfall

Eckert, Nadine

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Foto: CLIPAREA.com/stock.adobe.com
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Es wird davon ausgegangen, dass symptomatische intrakranielle Stenosen mit einem hohen Risiko für einen erneuten Schlaganfall verbunden sind. Doch in den beiden randomisiert-kontrollierten Studien SAMMPRIS und VISSIT war nach einer transienten ischämischen Attacke (TIA) oder einem Schlaganfall die Behandlung mit Stent der ausschließlich medikamentösen Therapie nicht überlegen gewesen.

Die beiden Studien warfen die Frage auf, ob ihre Ergebnisse auf den Praxisalltag übertragbar sind. Denn das Rezidivrisiko in der Stent-Gruppe war niedriger als erwartet gewesen, möglicherweise aufgrund des noch recht jungen Alters (median < 60 Jahre).

Die Oxford Vascular Study untersuchte die Generalisierbarkeit der Ergebnisse in einer Population von 1 368 Patienten mit TIA oder minorem Schlaganfall. Alle Patienten wurden ausschließlich intensiv medikamentös therapiert. Symptomatische oder asymptomatische intrakranielle Stenosen mit einem Stenosegrad von 50–99 % wiesen 241 (17,6 %) Patienten auf. Mit dem Alter nahm die Prävalenz zu: Während von den Patienten unter 70 Jahren 4,9 % (29 von 596) eine symptomatische intrakranielle Stenose aufwiesen, betrug die Prävalenz bei den Patienten ≥ 90 Jahre 19,6 % (10 von 51) (pTrend< 0,0001). Von 94 Patienten mit symptomatischen intrakraniellen Stenosen hatten 14 (14,9 %) im Verlauf von median 2,8 Jahren (IQR 1,5–4,6) erneute Schlaganfälle.

Obwohl symptomatische intra-kranielle Stenosen vs. keine Stenose mit einem erhöhten Risiko für ischämische Schlaganfälle verbunden waren (aHR 1,43 [95-%-KI 1,04– 1,96]), war das Risiko für einen Schlaganfall im gleichen Hirnbereich bei Patienten mit symptomatischen intrakraniellen Stenosen mit einem Stenosegrad von 70–99 % tendenziell niedriger als in den nicht gestenteten Gruppen der früheren Studien (1-Jahres-Risiko 5,6 % [95-%-KI 0,0–13,0] vs. 9,4 % [3,1–20,7] in VISSIT; 2-Jahres-Risiko 5,6 % [0,0–13,0] vs. 14,1 % [10,1–19,4] in SAMMPRIS).

Fazit: Die Prävalenz symptomatischer intrakranieller Stenosen vom Grad 50–99 % steige nach TIA oder minorem Schlaganfall mit dem Alter steil an, schreiben die Autoren von der University of Oxford. Doch das Risiko eines erneuten Schlaganfalls entspreche unter intensiver medikamentöser Therapie dem bei jüngeren Patienten. Dies spreche für die Generalisierbarkeit von SAMMPRIS und VISSIT. Nadine Eckert

Hurford R, Wolters FJ, Li L, et al.: Prevalence, Predictors, and Prognosis of Symptomatic Intracranial Stenosis in Patients With Transient Ischaemic Attack or Minor Stroke: A Population-Based Cohort Study. Lancet Neurol 2020; 19 (5): 413–21.

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