ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2020Hygiene: Architektur soll Infektionsrisiko im Krankenhaus senken

HOCHSCHULEN

Hygiene: Architektur soll Infektionsrisiko im Krankenhaus senken

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Architektinnen und Architekten der Technischen Universität (TU) Braunschweig haben gemeinsam mit Molekularbiologen, Medizinern und Industriepartnern einen Prototypen für ein infektionspräventives Patientenzimmer entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt namens „KARMIN“ („Krankenhaus, Architektur, Mikrobiom und Infektion“).

Das Konzept für die Zweibettzimmer umfasst Aspekte wie getrennte Bäder, leicht zu reinigende Materialien, Beleuchtung sowie die Position von Desinfektionsmittelspendern. Foto: Tom Bauer/IIKE TU Braunschweig
Das Konzept für die Zweibettzimmer umfasst Aspekte wie getrennte Bäder, leicht zu reinigende Materialien, Beleuchtung sowie die Position von Desinfektionsmittelspendern. Foto: Tom Bauer/IIKE TU Braunschweig

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité Berlin haben zunächst ein Jahr lang Abstriche in Patientenzimmern sowie Proben direkt von Patientinnen und Patienten genommen. „So können wir zum ersten Mal zeigen, wie sich das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen, auf den Oberflächen im Krankenhaus aufbaut“, erläuterte Dr. med. Rasmus Leistner vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité. Reinigungsmittel und anwesende Personen könnten demnach durch ihr eigenes Mikrobiom die Mikrobenkonstellation des Zimmers verändern.

Anzeige

Architekten und Designer der TU Braunschweig konnten im Anschluss zeigen, wie eine kluge Raumplanung und die Neugestaltung hygienerelevanter Gegenstände die Übertragung von Keimen in Krankenhäusern verhindern kann. Neben Oberflächenmaterialien, die sich leicht reinigen lassen, ging es dabei auch um Details wie die Beleuchtung und die Position der Desinfektionsmittelspender. Wichtig ist zudem laut den Wissenschaftlern, für ein Zweibettzimmer auch zwei Bäder vorzusehen.

„Wir gehen davon aus, dass die Mehrkosten für die zweite Nasszelle dadurch ausgeglichen werden, dass Kosten für eventuelle Infektionsbehandlungen wegfallen“, sagt KARMIN-Projektleiter und Architekt Wolfgang Sunder vom Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen (IIKE) der TU Braunschweig.

Das Architekturteam hat gemeinsam mit Industriepartnern einen Prototypen für das neuartige Patientenzimmer gebaut. „Der Demonstrator soll jetzt von Klinikmitarbeitern sowie einem Expertenteam bewertet werden“, sagte Sunder. Im Oktober 2020 soll der KARMIN-Demonstrator dann einem internationalen Fachpublikum auf dem Berliner „World Health Summit“ vorgestellt werden. hil

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema