ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2020GOÄ-Ratgeber: Leistungen im Rahmen einer Videosprechstunde

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GOÄ-Ratgeber: Leistungen im Rahmen einer Videosprechstunde

Prangenberg, Kerrin

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Die aktuelle Pandemiesituation veranlasst Ärztinnen und Ärzte dazu, vermehrt Videosprechstunden anzubieten, um Patienten und medizinisches Personal vor einer Ansteckung zu schützen.

Für ärztliche Gesprächs- und Beratungsleistungen, die telefonisch oder per Video erfolgen, können die originären Gebührennummern, das heißt die Nrn. 1 GOÄ (Beratung, auch mittels Fernsprecher) oder 3 GOÄ (Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung, auch mittels Fernsprecher), Letztere für eine Beratung über mehr als zehn Minuten, berechnet werden.

Grundsätzlich müssen die Patienten mit dieser Art der Beratung einverstanden sein und dies sollte entsprechend dokumentiert werden.

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Aufwendigere psychiatrische beziehungsweise psychotherapeutische (Untersuchungs- und Gesprächs-)Leistungen sind nur in geeigneten Fällen per Videosprechstunde erbringbar (der Erstkontakt nur in Ausnahmefällen), werden über die originären Gebührenpositionen berechnet und mit einem zusätzlichen Hinweis auf die Erbringung per Video in der Rechnung versehen.

Der Privatversicherte oder Beihilfeberechtige sollte vorab mit seiner erstattenden Stelle klären, ob diese bei Erbringung der Psychotherapie per Video erstattet. So bezahlt beispielsweise das Bundesverwaltungsamt Beihilfe für Psychotherapien nur bei persönlichem Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung.

Auch die Durchführung und Berechnung einer symptombezogenen Untersuchung nach der Nr. 5 GOÄ ist im Rahmen einer Videosprechstunde möglich. Alle darüber hinausgehenden Untersuchungen zum Beispiel nach den Nrn. 6 und 7 GOÄ (Vollständige körperliche Untersuchung mindestens eines der folgenden Organsysteme:…), 8 GOÄ (Untersuchung zur Erhebung des Ganzkörperstatus,…) sowie 800 GOÄ (Eingehende neurologische Untersuchung) erfordern inhaltlich eine körperliche beziehungsweise. taktile Untersuchung mittels zum Beispiel Palpieren/Auskultieren/Reflexprüfung, sodass der jeweilige Leistungsinhalt dieser Gebührenpositionen per Video nicht erfüllt werden kann. Lediglich die Nr. 801 GOÄ (Eingehende psychiatrische Untersuchung) kann als rein verbale Leistung in Einzelfällen im Rahmen einer Videosprechstunde erfolgen.

Technische Voraussetzungen für die Videosprechstunde sind ein Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Aus Datenschutzgründen ist die Nutzung eines zertifizierten Videodienstanbieters empfehlenswert. Ein vertrauliches und störungsfreies Umfeld, ähnlich den Bedingungen im Behandlungsraum einer Praxis, sollte gewährleistet sein.

Um zeitnah Klarheit zur Berechnung telemedizinischer Leistungen im Bereich der Privatmedizin zu schaffen, erarbeitet die Bundes­ärzte­kammer derzeit entsprechende Abrechnungsempfehlungen, die nach Beschlussfassung durch den Vorstand der Bundes­ärzte­kammer schnellstmöglich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht werden. Dr. med. Kerrin Prangenberg

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