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Generell sind – wie von Herrn Mroczkowski korrekt dargestellt – DRG- und OPS-Daten für die Abrechnung einer erbrachten Leistung gedacht. Sie können deshalb Auswertungsergebnisse verzerren und sind den Daten aus klinischen Datenbanken eventuell unterlegen. Es muss allerdings festgestellt werden, dass einer der Hauptendpunkte unserer Studie (Krankenhaussterblichkeit) wahrscheinlich keiner relevanten Verzerrung unterliegen dürfte. Zudem erfolgt durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK) eine akribische Prüfung der gegenüber den Krankenkassen abgerechneten Fälle, speziell solcher mit aufgetretenen/abgerechneten Komplikationen (zum Beispiel Beatmungsdauer).

Darüber hinaus zeigen Veröffentlichungen aus den USA, in denen administrative Daten einer über 20 Jahre etablierten klinischen Datenbank (ACS-NSQIP) untersucht wurden, eine ausreichende Konkordanz beider Systeme, wobei die Abrechnungsdaten wie zu erwarten den Registerdaten unterlegen sind (1).

In Deutschland existiert keine universelle klinische Datenbank in vergleichbarer Größe und Umfang wie die ACS-NSQIP-Datenbank aus den USA. Das DGAV-StuDoQ-Register könnte zum Beispiel als klinische Datenbank aus Deutschland sicherlich künftig die Evaluation einzelner spezifischer Fragestellungen ermöglichen und dabei helfen, klinisch relevante Fragen sowie Qualitätsindikatoren zu bearbeiten (2, 3). Ein Problem hierbei kann jedoch eine selektive Dokumentation in diesen Registern darstellen.

Zur Anmerkung von PD Dr. Ronellenfitsch: In der Metaanalyse wird die Appendektomie als lange anerkannter Goldstandard für jegliche Form der Appendizitis genannt, wobei eine Analyse von Alternativen für die verschiedenen Krankheitsformen der Appendizitis diskutiert wird. Wir denken, dass für viele vitale Indikationen chirurgische Eingriffe alternativlos oder anderen Maßnamen überlegen sind.

Wie von Prof. Holzheimer angemerkt liegt die Letalität in den deutschen DRG-Daten um den Faktor 10 über dem Schwedischen Hernienregister, was die Frage nach Art der Dokumentation und Interpretation der Daten aufwirft. Unschlagbarer Vorteil in der Analyse von Abrechnungsdaten ist eine möglichst unselektonierte Abbildung aller versorgten Patienten. Für die Auswertung allgemeiner Komplikationen (Serom, Wundinfektion, Harnwegsinfekt, Nervenverletzung et cetera) erscheinen die DRG-Daten nicht geeignet, weil diese nur unscharf codiert werden. Dies ist bei dem von Prof. Holzheimer zitierten Review, in dem allgemeine Komplikationen beschrieben werden, im Vergleich mit unseren Daten (nur schwere Komplikationen) zu beachten. Aus den retrospektiven Untersuchungen sind keine kausalen Zusammenhänge generierbar, weitere Studien müssen die Ursachen klären.

Zu den methodischen Anmerkungen von Prof. Mroczkowski sowie von Dr. Nimptsch und Dr. Krautz bleibt Folgendes zu sagen:

Für jeden Abrechnungsfall sind die genauen Beatmungsstunden im DRG-Code dokumentiert und von uns ausgewertet worden. Dabei ist die Grenze von 48 h in der Literatur ein gängiger Wert. Über die zeitliche Abfolge von Prozeduren und Komplikationen in einem Behandlungsfall kann keine Aussage getroffen werden. Dementsprechend wurden die publizierten Komplikationen – wie in der Literatur von administrativen Daten generell üblich (4) – unter der Annahme ausgewertet, dass diese wahrscheinlich als Ereignis nach einer Operation auftreten (zum Beispiel Peritonitis nach gastroösophagealer Operation) (5).

Eine generelle Herausforderung bei der Analyse von Abrechnungsdaten ist, dass ICD-/OPS-Codes einer ständigen Änderung unterliegen. Die ab 2016 gültigen Codes für Lichtenstein-Operationen (5-530.33 und 5-530.34) wurden für den Untersuchungszeitraum (2009–2015) mitabgefragt, ergaben aber (weil – wie von Dr. Nimptsch und Dr. Krautz bemerkt – noch nicht im Operationen- und Prozedurenschlüssel fest verankert) kein Auswertungsergebnis und wurden dementsprechend auch nicht in die endgültige Datenauswertung eingeschlossen. Somit wurden in unserer publizierten Untersuchung (6) die minimalinvasiven Leistenherniotomien (laparoskopischer transperitonealer Verschluss [5-530.31] und endoskopisch total extraperitoneale Verschlussoperationen [5-530.32]) betrachtet. Darüber hinaus haben wir die Rohdaten und publizierten Daten nochmals eingehend geprüft und dabei zwei Fehler entdeckt: Die Codes für Thyreoidektomie (5-063) und 4/5 Magenresektion (5-436) sind ausgewertet worden und in der Publikation enthalten, allerdings nicht in der eTabelle1 (2) mitabgedruckt. Ein Erratum, das diese Punkte korrigiert, wurde vorab publiziert. Wir bedanken uns für die konstruktive Kritik.

DOI: 10.3238/arztebl.2020.0363

Dr. med. Philip Baum

PD Dr. med. Armin Wiegering

Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-,

Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie

Universitätsklinik Würzburg, wiegering_a@ukw.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Lawson EH, Louie R, Zingmond DS, et al.: A comparison of clinical registry versus administrative claims data for reporting of 30-day surgical complications. Ann Surg 2012; 256: 973–81 CrossRef MEDLINE
2.
Jurowich C, Lichthardt S, Matthes N, et al.: Effects of anastomotic technique on early postoperative outcome in open right-sided hemicolectomy. BJS Open 2019; 3: 203–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Wiegering, A, Wellner U, Seyfried F, et al.: [MTL30 as surrogate parameter for quality of surgically treated diseases: Establishment based on the StuDoQ register of the German Society for General and Visceral Surgery]. Chirurg 2017; 88: 977–82 CrossRef MEDLINE
4.
Panis Y, Maggiori L, Caranhac G, Bretagnol F, Vicaut E: Mortality after colorectal cancer surgery: a French survey of more than 84,000 patients. Ann Surg 2011; 254: 738–43 CrossRef MEDLINE
5.
Nimptsch U, Haist T, Krautz C, Grützmann R, Mansky T, Lorenz D: Hospital volume, in-hospital mortality, and failure to rescue in esophageal surgery—an analysis of German hospital discharge data. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 793–800 VOLLTEXT
6.
Baum P, Diers J, Lichthardt S, et al.: Mortality and complications following visceral surgery—a nationwide analysis based on the diagnostic categories used in German hospital invoicing data. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 739–46 VOLLTEXT
1.Lawson EH, Louie R, Zingmond DS, et al.: A comparison of clinical registry versus administrative claims data for reporting of 30-day surgical complications. Ann Surg 2012; 256: 973–81 CrossRef MEDLINE
2.Jurowich C, Lichthardt S, Matthes N, et al.: Effects of anastomotic technique on early postoperative outcome in open right-sided hemicolectomy. BJS Open 2019; 3: 203–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Wiegering, A, Wellner U, Seyfried F, et al.: [MTL30 as surrogate parameter for quality of surgically treated diseases: Establishment based on the StuDoQ register of the German Society for General and Visceral Surgery]. Chirurg 2017; 88: 977–82 CrossRef MEDLINE
4.Panis Y, Maggiori L, Caranhac G, Bretagnol F, Vicaut E: Mortality after colorectal cancer surgery: a French survey of more than 84,000 patients. Ann Surg 2011; 254: 738–43 CrossRef MEDLINE
5.Nimptsch U, Haist T, Krautz C, Grützmann R, Mansky T, Lorenz D: Hospital volume, in-hospital mortality, and failure to rescue in esophageal surgery—an analysis of German hospital discharge data. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 793–800 VOLLTEXT
6.Baum P, Diers J, Lichthardt S, et al.: Mortality and complications following visceral surgery—a nationwide analysis based on the diagnostic categories used in German hospital invoicing data. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 739–46 VOLLTEXT

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