ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2020Vergänglichkeit: Reflexionen zum Tod

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Vergänglichkeit: Reflexionen zum Tod

Krannich, Hans-Walter

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Die derzeitige Coronapandemie führt uns ohne Unterlass unsere Sterblichkeit, die Conditio Humana schlechthin, vor Augen. Die umfangreiche Literatur der letzten Dekaden zu diesem Thema erweiterte Joachim H. Schneider Ende 2019 um ein eindrucksvolles Werk: Sein Buch „Der Tod stirbt“ ist auch deshalb von besonderer Exzellenz, da er sowohl aus langjähriger Erfahrung als Chirurg an der Universitätsklinik Tübingen als auch aus einem abgeschlossenen Studium der Philosophie schöpfen kann.

Schneider beginnt seine Ausführungen mit umfänglichen Reflexionen über den „Triumph des Todes“ von Jan Breughel d. Ä. Sein Fazit der Bildbetrachtung beziehungsweise -deutung: Dem Tod kann niemand entrinnen, der Tod stirbt den menschlichen Tod. Hierauf folgt eine umfassende Darstellung aktuellster wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Thema Tod und Sterben. Dabei räumt der Autor mit immer noch vorherrschenden, auf mittelalterlichen Vorstellungen basierenden Betrachtungsweisen auf: „Diese stellen den Tod in einen fundamentalen Gegensatz zum Leben.“ Er legt dar, warum sich dies heute nicht mehr vertreten lässt: Bei höheren Lebewesen stehen die Systeme des Todes einerseits sowohl im Dienst der Selbstwerdung und -erhaltung, andererseits bewirken diese auch das unabänderliche Ende jeden Lebens. Dieses vermeintliche Paradoxon löst Schneider mit (s)einem „Schichtenmodell des Todes“ auf: „Der mentale Tod kommt im System des Todes gleichermaßen wie der basale, vegetative Tod in sehr unterschiedlichen Formen als geistiger, als sozialer, als der Tod der kulturellen Identität vor, er ist die Kraft der schlimmen Destruktion...“ Eins der Petiten Schneiders lautet: „Der Gedanke der Unsterblichkeit sollte endlich von dem der Sterblichkeit getrennt werden.“

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Auf 308 Seiten geht der Autor auf die bedeutendsten 27 europäischen Protagonisten ein, deren Reflexionen den Tod fokussieren. Der Schlussbetrachtung folgen aktuelle medizinethische Aspekte. Das 31 Seiten umfassende Literaturverzeichnis bietet die Möglichkeit, tiefer in die Thematik einzudringen. Der Autor empfiehlt: „Wir sind gut beraten, unseren Geist offen zu halten für Gesetze, die wir noch nicht kennen oder eher teleologisch sehen können, als sie dem Ungesetz des Zufalls zu überlassen.“ Hans-Walter Krannich

Joachim H. Schneider: Der Tod stirbt. Von der Vergänglichkeit des Vergänglichen. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2019, 476 Seiten, kartoniert, 29,80 Euro

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