ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2020Selbstregulation und Selbstreflexion: Umfangreiche Sammlung von Übungen

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Selbstregulation und Selbstreflexion: Umfangreiche Sammlung von Übungen

Riegel, Björn

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Die Vermittlung von Strategien zur Selbstregulation und Selbstreflexion kann in nahezu jeder Therapie einen wichtigen Baustein bilden. Die Verhaltenstherapeutin Melanie Gräßer und Eike Hovermann jun. präsentieren eine inhaltlich wie optisch sehr ansprechende Sammlung von 60 verschiedenen Übungen. Jede Übung ist auf einer stabilen Karte im A6-Format beschrieben. Auf der Rückseite ist ein thematisch passendes Foto gedruckt, das auch zur optischen Verankerung des jeweiligen Themas hilft.

Die 60 Übungen verteilen sich auf vier Bereiche: Achtsamkeit/Meditation, Ablenkung, Imagination und Ressource/Aktivität. Die meisten Karten enthalten einen Anleitungstext, der bereits zum Vorlesen ausformuliert ist. Damit können die Übungen auch in (Patienten-)Gruppen gut genutzt werden. Mit 29 Karten bilden Imaginationsübungen einen Schwerpunkt der Sammlung. Neben eher generellen Übungen (zum Beispiel Besinnen auf positive Erfahrungen) lassen sich auch Techniken finden, die vor allem aus der Traumatherapie bekannt sind (zum Beispiel Übungen zu inneren Helfern/Kraftquellen, Lichtstrom oder „sicherer innerer Ort“). Hierbei wird auch deutlich, dass eine Vorauswahl durch einen qualifizierten Anleiter empfehlenswert ist. Die Autoren weisen darauf auch in ihrem Anleitungsbooklet hin, das zudem Empfehlungen zum Einsatz von Imagination enthält.

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Weitere neun Karten befassen sich mit Achtsamkeitsübungen, die allerdings größtenteils auch auf Imagination aufbauen. Lediglich vier Karten werden von den Autoren zur Ablenkung vorgeschlagen (ABC-Technik, Grounding, Lachen, Stopp). Dieser Themenbereich hätte durchaus einen größeren Umfang verdient. Im Bereich Ressource/Aktivität sind ebenfalls Imaginationsübungen zu finden, z. B. „Fernbedienung“ – eine Abwandlung der aus der Traumatherapie bekannten Bildschirmtechnik. Daneben sind aber auch aus dem Skill-Training bekannte Strategien („Gefühlometer“) oder Anleitungen („Notfallkoffer“) enthalten.

Die Sammlung der Ressourcenübungen ist für Therapie und Beratung, aber auch für den Einsatz in der Selbsthilfe, sowohl bei Einzelnen als auch bei Gruppen, wertvoll. Es handelt sich um eine umfangreiche Zusammenstellung von Ideen aus verschiedenen Bereichen, wobei die imaginativen Verfahren deutlich überwiegen. Ein kleines Manko ist der geringe Umfang des Booklets. Hier wären mehr Ideen zum Einsatz der Karten wünschenswert gewesen. Gerade im Vergleich mit ähnlichen Produkten bleibt es doch recht allgemein und oberflächlich. Außerdem ist die Schrift auf den Karten gerade für ältere Patienten zu klein. Der positive Eindruck und der Nutzen der Karten überwiegt jedoch die genannten Kritikpunkte. Björn Riegel

Melanie Gräßer, Eike Hovermann: Ressourcenübungen für Erwachsene. Beltz Verlag, Weinheim 2019, 60 Bildkarten mit 20-seitigem Booklet in stabiler Box, 26,95 Euro

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