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Impfprävention für Fernreisen

Im Fokus: Impfschutz vor Typhus und Hepatitis A

Manych, Matthias

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Fernreisen sind mit verschiedenen Infektionsrisiken verbunden. Daher sollte der aktuelle Impfstatus geprüft werden, rechtzeitig bevor die Reise losgeht. Typhus- und Hepatitis A-Erreger sind weltweit verbreitet, besonders häufig aber in Asien und Afrika. Da die minimale Infektionsdosis vergleichsweise gering ist, sind Infektionen trotz großer Vorsicht möglich. Impfungen gegen beide Erreger können davor schützen.

In Deutschland unternehmen immer mehr Menschen Urlaubsreisen, von denen 73 % ins Ausland führen. Die Regionen West-, Süd-, Ost- und Südostasien sowie Afrika sind sehr beliebt: 22 % reisen nach Südostasien, 10 % nach Afrika und 7 % nach Indien [1]. Das kann mit medizinisch negativen Folgen verbunden sein, denn in diesen Urlaubsgebieten bestehen häufig erhöhte Infektionsrisiken. Gleichzeitig verbreiten sich mit dem internationalen Tourismus Erreger schneller über den Globus. Das trifft auch für antibiotikaresistente Bakterienstämme zu, deren Zahl steigt und die mit den Touristen in deren Heimatländer gelangen. Für Urlauber in Endemiegebieten besteht das Risiko, kolonisiert zurückzukehren. Deshalb sollten Fernreisende neben anderen Vorsichtsmaßnahmen auch auf einen aktuellen Impfstatus achten [2]. Unter anderem wird empfohlen, sich für Länder mit schlechten hygienischen Bedingungen bzw. hohen Inzidenzen gegen Typhus und Hepatitis A impfen zu lassen [3].

Beachtliche Gemeinsamkeiten

Sowohl Typhus als auch Hepatitis A kommen in über 90 Ländern nebeneinander vor (Abb. 1) [4, 5]. Betroffen sind hauptsächlich Länder mit einer hygienisch unzureichenden Wasser- und Sanitärversorgung bzw. Abwasserbehandlung. Der Mensch ist das einzige relevante Reservoir für Typhus und Hepatitis A. Die Verbreitung erfolgt in beiden Fällen v.a. fäkal-oral durch die Aufnahme von Wasser und Lebensmitteln, die durch Stuhl oder Urin kontaminiert wurden [6, 7].

Sich überschneidende Verbreitungsgebiete von Typhus (und Paratyphus) und Hepatitis A
Abbildung 1
Sich überschneidende Verbreitungsgebiete von Typhus (und Paratyphus) und Hepatitis A

Typhus

Im Jahr 2017 lag die Zahl der globalen Typhus-Fälle bei ca. 11 Mio., etwa 117.000 Menschen starben an der Infektion; Schwerpunkte sind Süd- und Südostasien sowie Subsahara-Afrika [4]. Nach einer Inkubationszeit von 7–14 Tagen treten Kopfschmerzen, Erschöpfung, Fieber (über Tage und Wochen), Verstopfung und Durchfall auf [6]. In schweren Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen (Darmblutungen und -perforationen, Enzephalopathie, hämodynamischer Schock) [6, 8]. Die Krankheitszeichen sind z.T. unspezifisch, wodurch die Diagnose erschwert wird. Entwicklungen von Multi-Drug-Resistenzen und extensiv antibiotikaresistenten (XDR) S. Typhi erhöhen das Risiko eines Therapieversagens [8, 9]. Erstmals wurde bei 2 Kleinkindern nach einem Aufenthalt in Pakistan im Frühjahr 2019 XDR S. Typhi auch in Deutschland identifiziert [9].

Hepatitis A 

Nach einer Inkubationszeit von etwa 25–30 Tagen kann es u.a. zu Erschöpfung, Fieber, Appetitlosigkeit und gastrointestinalen Beschwerden kommen. Im Verlauf können Gelbsucht, erhöhte Leberenzymwerte, dunkler Urin und blasser Stuhl hinzukommen. 40–50 % aller in Deutschland gemeldeten Hepatitis A-Fälle betreffen Rückreisende aus Ländern mit hoher Hepatitis A-Prävalenz [7]. Die Behandlung beschränkt sich auf symptomatische Maßnahmen und Alkoholkarenz. Weltweit infizieren sich jährlich ca. 159 Mio. Menschen mit Hepatitis A, von denen 15.000–30.000 Patienten sterben [10, 11].

Impfprävention

Bei den bestehenden Gemeinsamkeiten beider Infektionen können Fernreisende von einer Kombinationsimpfung profitieren. Der inaktivierte Hepatitis A- und Typhus-Impfstoff ViATIM® steht für Reisende ab 16 Jahren zur Verfügung. Nach der 1. Dosis ist der Impfschutz bereits nach 14 Tagen möglich. Er besteht dann für Typhus für 3 Jahre. Der Aufbau eines Langzeitschutzes vor Hepatitis A kann flexibel erfolgen: entweder innerhalb von 36 Monaten (vorzugsweise nach 6–12 Monaten) mit einem monovalenten Hepatitis A-Impfstoff oder bei gleichzeitiger Typhus-Wiederimpfung mit dem Kombinationsimpfstoff, wenn die erste Dosis der Kombinationsimpfung etwa 36 Monate her ist [12].

Fazit für die Praxis

Zunehmende Antibiotikaresistenzen, Widerstandsfähigkeit des Erregers (HAV) und Schwierigkeiten, nötige Vorsichtsmaßnahmen bei Hygiene und Ernährung konsequent einzuhalten, erfordern die Schutzimpfung gegen Typhus und Hepatitis A. Nicht nur für den Individualschutz, auch zum Schutz vor Übertragung durch erkrankte Reiserückkehrer in den Heimatländern. Die Impfungen gegen Typhus und HAV bieten lang anhaltenden Impfschutz. Der Kombinationsimpfstoff kann Reisende ab 16 Jahren gleichzeitig vor beiden Infektionen schützen.

Impressum

Verlag: Deutscher Ärzteverlag GmbH

Dieselstraße 2, 50859 Köln

Geschäftsführung: Jürgen Führer

Telefon 02234 7011-0 (Zentrale)

Autor: Matthias Manych

Druckerei: L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG DruckMedien, Marktweg 42, 47608 Geldern

Diese Sonderpublikation erscheint im Auftrag und inhaltlichen Verantwortungsbereich der Sanofi Aventis Deutschland GmbH, Potsdamer Str. 8 Berlin, 10785 Berlin.

Der Verlag kann für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen keine Gewähr übernehmen. Durch sorgfältige Prüfung der Fachinformationen der verwendeten Präparate und ggf. nach Konsultation eines Spezialisten ist jeder Benutzer angehalten, festzustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierung oder die Beachtung von Kontraindikationen gegenüber der Angabe in dieser Beilage abweicht. Bei selten verwendeten oder neu auf den Markt gebrachten Präparaten ist eine solche Prüfung besonders wichtig. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers.

Diese Sonderpublikation erscheint außerhalb des Verantwortungsbereichs des Deutschen Ärzteverlages.

1.
Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR), Reiseanalyse 2019; S. 2–3. www.reiseanalyse.de/wp-content/uploads/2019/03/RA2019_Erste-Ergebnisse_DE.pdf (letzter Zugriff am 03.06.2019)
2.
Frost I et al.: J Travel Med 2019; doi: 10.1093/jtm/taz036
3.
Robert Koch-Institut: Epid Bull 2019; 34: 313–364
4.
GBD 2017 Typhoid and Paratyphoid Collaborators. Lancet Infect Dis 2019; 19: 369–381
5.
Jacobsen KH et al.: Vaccine 2010; 28: 6653–6657
6.
RKI-Ratgeber für Ärzte. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Typhus_Paratyphus.html (letzter Zugriff am 09.10.2019)
7.
RKI-Ratgeber für Ärzte. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisA.html (letzter Zugriff am 11.10.2019)
8.
WHO Weekly epidemiological record: WHO position paper 2018; 13: 153–172
9.
Robert Koch-Institut: Epid Bull 2019; 30: 275–288
10.
Averhoff FM et al.: Hepatitis A vaccines. In: Plotkin S et al.: Plotkin’s Vaccines, 7. Auflage, Elsevier 2018, 319–56
11.
GBD 2016 Disease an Injury Incidence and Prevalence Collaborators. Lancet 2017; 390: 1211–1259
12.
Fachinformation ViATIM®; Stand: November 2017
Sich überschneidende Verbreitungsgebiete von Typhus (und Paratyphus) und Hepatitis A
Abbildung 1
Sich überschneidende Verbreitungsgebiete von Typhus (und Paratyphus) und Hepatitis A
1.Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR), Reiseanalyse 2019; S. 2–3. www.reiseanalyse.de/wp-content/uploads/2019/03/RA2019_Erste-Ergebnisse_DE.pdf (letzter Zugriff am 03.06.2019)
2.Frost I et al.: J Travel Med 2019; doi: 10.1093/jtm/taz036
3.Robert Koch-Institut: Epid Bull 2019; 34: 313–364
4.GBD 2017 Typhoid and Paratyphoid Collaborators. Lancet Infect Dis 2019; 19: 369–381
5.Jacobsen KH et al.: Vaccine 2010; 28: 6653–6657
6.RKI-Ratgeber für Ärzte. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Typhus_Paratyphus.html (letzter Zugriff am 09.10.2019)
7.RKI-Ratgeber für Ärzte. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisA.html (letzter Zugriff am 11.10.2019)
8.WHO Weekly epidemiological record: WHO position paper 2018; 13: 153–172
9.Robert Koch-Institut: Epid Bull 2019; 30: 275–288
10.Averhoff FM et al.: Hepatitis A vaccines. In: Plotkin S et al.: Plotkin’s Vaccines, 7. Auflage, Elsevier 2018, 319–56
11.GBD 2016 Disease an Injury Incidence and Prevalence Collaborators. Lancet 2017; 390: 1211–1259
12.Fachinformation ViATIM®; Stand: November 2017

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