ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2020Bundestag: „Konversionstherapie“ bei unter 18-Jährigen verboten

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Bundestag: „Konversionstherapie“ bei unter 18-Jährigen verboten

afp; dpa; Maybaum, Thorsten

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Das neue Gesetz verbietet es auch, für „Konversionstherapien“ zu werben, diese anzubieten oder zu vermitteln. Foto: Savvapanf Photo/stock.adobe.com
Das neue Gesetz verbietet es auch, für „Konversionstherapien“ zu werben, diese anzubieten oder zu vermitteln. Foto: Savvapanf Photo/stock.adobe.com

Medizinische Interventionen, die darauf gerichtet sind, die sexuelle Orientierung oder die selbstempfundene geschlechtliche Identität einer Person gezielt zu verändern oder zu unterdrücken (sogenannte Konversionstherapien), sind künftig bei allen Minderjährigen bis 18 Jahre verboten. Das gilt auch für das Werben dafür. Das beschloss der Bundestag in Berlin. Das Verbot soll auch dann gelten, wenn Erwachsene einem „Willensmangel“ unterliegen – etwa durch Täuschung, Irrtum, Zwang oder Drohung. Das trifft zum Beispiel zu, wenn jemand über den therapeutischen Nutzen getäuscht oder nicht ausreichend über Risiken aufgeklärt wird. Verboten werden das Anbieten, Bewerben oder Vermitteln solcher Behandlungen. Verstöße gegen das neue Gesetz sollen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder hohen Bußgeldern geahndet werden. Das Gesetz gilt für alle Personen, nicht nur für Personen, die berufsmäßig handeln. Auch Eltern oder andere Fürsorge- oder Erziehungsberechtigte könnten bei gröblicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht bestraft werden, teilte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit. Die umstrittenen Therapien erzeugten viel Leid, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn. „Wo keine Krankheit ist, braucht es auch keine Therapie.“ Dass Homosexualität keine Krankheit ist und nicht therapiert werden muss, ist seit Langem Konsens unter Ärzteorganisationen, Wissenschaftlern und Psychotherapeutenverbänden. Dennoch gibt es auch in Deutschland immer noch „Therapieangebote“ mit dem Ziel, homosexuelle Menschen „umpolen“ zu wollen. Das BMG betonte ausdrücklich, dass Behandlungen bei Störungen der Sexualpräferenz wie Exhibitionismus oder Pädophilie und Behandlungen sowie die Therapie, „die der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität einer Person oder ihrem Wunsch nach einem eher weiblichen oder eher männlichen Körperbild zum Ausdruck verhelfen“, nicht verboten werden. afp/dpa/may

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