ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2000Verband Forschender Arzneimittelhersteller: Weiter für die Dreiteilung

POLITIK: Aktuell

Verband Forschender Arzneimittelhersteller: Weiter für die Dreiteilung

Dtsch Arztebl 2000; 97(9): A-508 / B-410 / C-387

Bergemann, Nils

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LNSLNS Der VFA hält eine Positivliste für innovationsfeindlich und fordert unverändert eine Dreiteilung des Arzneimittelmarktes.


Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) setzt auf Innovationen und fordert mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen. Mit den Strategien der Vergangenheit ließe sich die Zukunft nicht erfolgreich gestalten, erklärte der Vorstandsvorsitzende des VFA, Patrick Schwarz-Schütte, anlässlich der Mitgliederversammlung in Berlin. Als negatives Beispiel nannte er die sektoralen Arzneimittelbudgets. Sie seien gescheitert, führten zwangsläufig in die Rationierung und sollten durch differenzierte, indikationsorientierte Richtgrößen abgelöst werden. Schwarz-Schütte erneuerte die Forderung des VFA nach einer indikationsbezogenen Dreiteilung des Marktes. Medikamente gegen schwerwiegende Erkrankungen sollten vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, jene gegen geringfügige Krankheiten gar nicht. Bei allen übrigen Verordnungen sollten die Patienten zuzahlen.
Die Mitgliederversammlung machte deutlich, dass sich der VFA nicht gegen eine erweiterte Negativliste sperren würde. Das Gleiche gilt, falls "unwirtschaftliche" Medikamente nicht mehr von den Kassen erstattet würden. Eine Positivliste bezeichnete Schwarz-Schütte hingegen als überflüssig und innovationsfeindlich.
Der VFA-Vorsitzende kritisierte das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium für Behauptungen wie die, nur ein Teil der Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen sei innovativ. Hierfür fehlten Belege. Er bezweifelte auch, dass durch die Verordnung von Generika weitere 2,5 Milliarden DM eingespart werden könnten. Etwa 70 Prozent des Marktes seien bereits ausgeschöpft.
Schwarz-Schütte widersprach der Behauptung, es gebe keine regionalen Besonderheiten bei den Arzneimittelausgaben. Unterschiedliche Alters-, Geschlechts- und Krankheitsstrukturen erklärten sehr wohl bestehende Unterschiede. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass Stadtstaaten das angrenzende Umland mit versorgten.
Mit Blick auf das gute Ergebnis 1999 warnte Schwarz-Schütte vor dem Eindruck, dass alles im Lot sei. Der Boom auf dem Exportmarkt mit einer Steigerung von fast acht Prozent auf über 23 Milliarden DM sei vor allem eine Folge des vergleichsweise schwachen Euro. Der Umsatz im Inland sei um 6,2 Prozent auf 29 Milliarden DM gestiegen, wobei die abgesetzte Menge sich nur um 0,3 Prozent erhöht habe. Der deutsche Markt liege im europäischen Vergleich etwa im Mittelfeld. Nils Bergemann

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