ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2020COVID-19: Unbeleuchtete Seite
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Aktuell tritt die SARS-CoV-2-Pandemie in eine besonders dramatische Phase ein, die sich nicht mehr in der Statistik widerspiegelt. Beispiel Mexiko: Die enge Verflechtung zwischen San Diego in Kalifornien mit der mexikanischen Grenzstadt Tijuana hat vermutlich zu einer besonders schnellen Ausbreitung des Virus geführt. Wenn man sich an der Statistik, die von der Johns Hopkins-Universität veröffentlicht wird, orientieren würde, wären in den USA. derzeit 1 012 583 US-Bürger infiziert, aber nur 16 752 Bürger des angrenzenden Mexiko. Entsprechendes gilt für die Zahl der Todesfälle 59 266 vs. 1 569 (Stand 29.04.2020, 9 Uhr). Nur ein Teil der mexikanischen Bevölkerung ist krankenversichert. Wenn ein Patient in Mexiko sich eine rt-PCR nicht leisten kann, wird er als „atypische Pneumonie“ („pneumonia atipica“) geführt. Diese Diagnose gilt zuletzt auch als Todesursache. Statistisch erfährt man aus „Worldometer“, dass in den USA die relative Testhäufigkeit bei 17,885 % der Bevölkerung (5 918 847 durchgeführte PCRs), in Mexiko dagegen gerade 0,597 % (77 005 PCRs) liegt. Schwierigkeiten bestehen außerdem bei der Ausrüstung des medizinischen Personals, was zu einem hohen Risiko für das Gesundheitspersonal und einem zusätzlichen Risiko der Infektionsverbreitung führt. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Bevölkerung mit niedrigem Einkommen über keine Möglichkeit eines „stay home“ verfügt. Darunter sind Tagelöhner, Wohnungslose und illegale Einwanderer.

Als erste Maßnahme einer besseren Einschätzung ist eine einheitliche klinische Falldefinition, idealerweise durch die Welt­gesund­heits­organi­sation, bestehend beispielsweise aus Fieber und Husten oder Verlust des Geruchssinnes, dringend geboten. Point of Care Antigen-Schnelltests sind dringend erforderlich, um wenigstens einen Teil der Infektionen in Ländern mit begrenzten Ressourcen zu verifizieren.

Gabriela Equihua Martinez, Ärztin, Prof. Dott. Univ. Pisa Joachim Richter, 13353 Berlin,

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