ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2020VICTORIA-Studie: Zusatznutzen der sGC-Stimulation

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VICTORIA-Studie: Zusatznutzen der sGC-Stimulation

König, Romy

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Eine aktuelle Phase-III-Studie belegt, dass der sGC-Stimulator Vericiguat vor allem für Risikopatienten mit chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion Vorteile bietet.

Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (HF) und reduzierter Auswurffraktion stellt der sGC-Stimulator Vericiguat den bei HF beeinträchtigten NO-sGCcGMP-Signalweg wieder her. Eine Phase-III-Studie hat aktuell die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapie belegt.

HF-Patienten (Prävalenz weltweit: 60 Millionen) haben eine schlechte Prognose: Etwa die Hälfte stirbt innerhalb von 5 Jahren nach Erstdiagnose. 1 von 6 Patienten entwickelt innerhalb der ersten 18 Monate nach Diagnose eine sich verschlechternde chronische HF. Diese Patienten geraten häufig in eine Abwärtsspirale, so der Kardiologe Prof. Dr. med. Frank Edelmann, Oberarzt an der Berliner Charité: „Mit jedem Verschlechterungsereignis verliert das Herz unwiederbringlich einen Teil seiner Funktion.“ HF-Patienten mit reduzierter Auswurffraktion (linksventrikuläre Auswurffraktion < 40 %, HFrEF) haben eine noch geringere Überlebensrate. „Innerhalb von 5 Jahren nach einer Hospitalisierung versterben rund 75 Prozent dieser Patienten“, so Edelmann, der an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie (CVK) das Clinical Study Center leitet.

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Neuer Behandlungsansatz

Für diese Patientenpopulation – Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion – verfolgen Wissenschaftler nun einen neuen Therapieansatz: Während hier bislang Medikamente zum Einsatz kamen, die den Sympathikus beeinflussen oder in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) eingreifen, wird derzeit geprüft, inwiefern die medikamentöse Stimulation der löslichen Guanylatcyclase (sGC) der Herzinsuffizienz entgegenwirken kann. „Die sGC ist ein zentrales Schlüsselelement des sogenannten NO-sGC-cGMP-Signalwegs, der bei HF-Patienten beeinträchtigt ist“, erklärt Edelmann.

Mit dem neuen Wirkstoff Vericiguat wurde das Prinzip bereits in einer Studie getestet. Hier ergab sich eine Verbesserung der LVEF sowie numerisch weniger kardiovaskuläre Todesfälle und weniger Herzinsuffizienz-bedingte Hospitalisierungen im Vergleich zu Placebo. Nun untersuchte die positive randomisierte Phase-III-Studie VICTORIA (Vericiguat Global Study in Subjects With Heart Failure With Reduced Ejection Fraction) die Wirksamkeit und Sicherheit von Vericiguat im Vergleich zu Placebo in Kombination mit der Standardtherapie bei 5 050 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) nach einem Verschlechterungsereignis (1).

Ergebnis: Vericiguat (einmal 10 mg/d) reduzierte in der untersuchten Risikopopulation das kombinierte Risiko von kardiovaskulärem Tod oder erstem Auftreten einer Herzinsuffizienz-bedingten Hospitalisierung statistisch signifikant um 10 % (relative Risikoreduktion [HR] 0,90; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,82–0,98; p = 0,019). Damit wurde der primäre Wirksamkeitsendpunkt erreicht.

Die absolute Risikoreduktion (ARR) betrug 4,2 pro 100 Patientenjahre, was einer NNT (Number Needed to Treat) von 24 über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 10,8 Monaten entspricht. „Das heißt, 24 Patienten müssten ein Jahr lang mit Vericiguat behandelt werden, um ein primäres Ergebnisereignis zu verhindern“, erklärt Prof. Dr. med. Burkert Pieske, Direktor der CVK und Co-Principal Investigator der Studie.

Vericiguat erwies sich in der VICTORIA-Studie als gut verträglich. Die Gesamtinzidenzrate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse war mit 32,8 % bei Vericiguat versus 34,8 % bei Placebo vergleichbar. Unerwünschte Ereignisse wie symptomatische Hypotonie (9,1 % vs. 7,9 %) sowie Synkopen (4,0 % vs. 3,5 %) traten unter Vericiguat tendenziell häufiger auf als in der Placebogruppe, die Unterschiede waren aber nicht signifikant. Auch wurden im Vericiguat-Arm mehr Anämien beobachtet als im Placebo-Arm (7,6 % vs. 5,7 %).

Zusatznutzen im Risikokollektiv

Die Ergebnisse der VICTORIA-Studie unterstreichen laut Pieske, dass besonders die Patienten mit sich verschlechternder chronischer Herzinsuffizienz von der Behandlung mit Vericiguat profitieren. Sie zeigten, dass „die Behandlung mit Vericiguat in Kombination mit den verfügbaren HF-Therapien bei dieser Patientenpopulation mit hohem Risiko einen zusätzlichen Nutzen erbringen kann“, so sein Resümee.

Der Pharmakonzern Bayer verweist darauf, dass sich sein Wirkstoff Vericiguat noch in der klinischen Prüfung befindet und bislang nicht von der Europäischen Kommission zugelassen ist. Doch das Unternehmen werde die Daten der VICTORIA-Studie nun weltweit den regulatorischen Zulassungsbehörden zur Verfügung stellen, so eine Sprecherin. Romy König

Quelle: Online-Pressekonferenz „VICTORIA-Studie – Ausblick bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter Auswurffraktion (HFrEF)“, 17. April 2020, Veranstalter: Bayer

1.
Armstrong PW, et al.: Vericiguat in Patients with Heart Failure and Reduced Ejection Fraction. NEJM 28. März 2020, Doi: 10.1056/NEJMoa1915928 CrossRef
1.Armstrong PW, et al.: Vericiguat in Patients with Heart Failure and Reduced Ejection Fraction. NEJM 28. März 2020, Doi: 10.1056/NEJMoa1915928 CrossRef

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