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HR+/HER2- fortgeschrittenes oder metastasiertes Mammakarzinom: Effektivität der CDK4/6-Inhibitoren in klinischen Studien und in der Versorgungspraxis belegt

Freye, Reimund

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Auf der Veranstaltung „Breast Cancer – Center of Excellence“ in Mannheim konstatierte Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Universitätsklinikum Heidelberg: „Wenn wir auch heute bereits bei 80 % der Patientinnen während einer Behandlung in Zentren eine Heilung erreichen können, so kommt es doch noch bei jeder 5. Patientin zu einem Rückfall.“ Doch diese Patientinnen können, sofern ein HR+/HER2− mMaCaA vorliegt, von dem Einsatz eines CDK4/6Inhibitors in der Erstlinie erheblich profitieren, wie aktuelle Studienergebnisse und Real-World-Daten belegen.

Prof. Dr. Marcus Schmidt, Mainz, fokussierte in seinem Vortrag vornehmlich auf die CDK4/6-Inhibitoren. Nachdem die Präparate dieser Substanzklasse in einer Kombination mit endokrinen Substanzen bereits signifikante Vorteile beim progressionsfreien Überleben (PFS) unter Beweis stellen konnten, wurde zwischenzeitlich auch gezeigt, dass CDK4/6-Inhibitoren das Gesamtüberleben (OS) verlängern können [1–4].

Schmidt erinnerte in diesem Zusammenhang an den ESMO 2018. Hier wurden mit den Ergebnissen der PALOMA-3-Studie die ersten reifen OS-Daten unter der CDK4/6-Kombinationstherapie mit Palbociclib* (Ibrance®) präsentiert. Dabei lag die absolute Differenz beim OS zwischen der Kombinations- und Monotherapie bei 6,9 Monaten, erreichte aber keine statistische Signifikanz (34,9 vs. 28 Monate, stratifiziertes Hazard Ratio [HR] 0,81; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,64–1,03; p = 0,09) [1].

2019 verdichtete sich die Datenlage zum OS weiter, merkte Schmidt an: Auf dem ASCO 2019 konnte in der MONALEESA-7-Studie bei prä- und perimenopausalen Frauen mit HR+/HER2− mMaCa unter einem weiteren CDK4/6-Inhibitor ein signifikanter OS-Vorteil dokumentiert werden [2]. Und auf dem ESMO 2019 wurde dies in der MONALEESA-3-Studie für postmenopausale Frauen nachgewiesen [3]. Zudem wiesen die OS-Resultate der MONARCH-2-Studie bei prä-, peri- und postmenopausalen Frauen unter einem anderen CDK4/6-Inhibitor in die gleiche Richtung [4].

CDK4/6-Inhibition: Experten empfehlen den Einsatz in der Erstlinie

Schmidt machte darauf aufmerksam, dass diese Studien nicht direkt miteinander verglichen werden können. Aber diese Ergebnisse stützen in jedem Fall, so Schmidt „die starke Datenlage für den Einsatz von CDK4/6-Inhibitoren beim HR+/HER2− mMaCa in der Erst- und Folgelinie, und dies unabhängig davon, ob es sich um prä- oder postmenopausale Patientinnen handelt.“

Hinzu kommen die gerade erst veröffentlichten Real-World-Resultate zu Palbociclib (s. Kasten). Dass der Einsatz von CDK4/6-Inhibitoren in der Kombinationstherapie absoluter Standard in der metastasierten Situation ist, zeigt auch die klare Empfehlung des Expertenpanels auf dem ABC5-Kongress, der vor kurzem in Lissabon stattfand.

Für Prof. Dr. Frederik Marmé, Universitätsklinikum Mannheim, steht fest: Die CDK4/6-Kombinationstherapie sei – spätestens nach den OS-Daten – „insbesondere DER Standard in der Erstlinie beim HR+/HER2− mMaCa, da in der Erstlinie mit einem größeren absoluten Benefit zu rechnen ist.“

Prof. Schneeweiss kritisierte hinsichtlich der klinischen Praxis die seiner Meinung nach noch zu hohe Rate an Chemotherapien in der Erstlinie: „Die scheinbare Rationale, dass eine Chemotherapie einen schnelleren Wirkeintritt aufweist, wird durch die aktuelle Datenlage nicht unterstützt. Nur in Ausnahmefällen, wenn sich beispielsweise die Organfunktion rasch zu verschlechtern drohe, ist eine Chemotherapie als Erstlinien-Behandlung noch indiziert.“

Beim HR+ mMaCa wird in allen Stadien eine adjuvante endokrine Therapie empfohlen [5].

A HR+/HER2– mMaCa – Hormonrezeptor-positives, HER2-negatives metastasiertes Mammakarzinom

Real-World-Daten untermauern Einsatz von Palbociclib in der Erstlinie

Der CDK4/6-Inhibitor Palbociclib ist seit Februar 2015 zur Behandlung von Frauen mit HR+/HER2− mMaCa in den USA zugelassen. Das Resultat einer Auswertung von Daten aus der US-amerikanischen Flatiron-Health-Analytic-Datenbank zum Einsatz von Palbociclib in der Erstlinie ergab, dass auch im klinischen Alltag die endokrin-basierte Therapie unter Zugabe von Palbociclib signifikante Vorteile beim PFS erbringt und damit die Ergebnisse der evidenz-basierten Studien bestätigt. Zudem liegen erstmals Ergebnisse zum Gesamtüberleben in der CDK4/6-Kombination aus dem klinischen Alltag vor. Bei der retrospektiven, adjustierten Fall-Kontrollanalyse elektronischer Krankenakten aus den USA wurden 1430 Frauen mit dieser Krebsentität einbezogen, die ihre Behandlung zwischen Februar 2015 und Februar 2019 begonnen hatten. Für die statistische Analyse wurden 928 Patientinnen unter der Palbociclib-Letrozol-Kombination und der Letrozol-Monotherapie 1:1 anhand von Propensity Scores auf Grundlage relevanter prognostischer und klinischer Parameter gematcht.

Resultate: Das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) betrug unter Zugabe von Palbociclib 20,0 Monate im Vergleich zu 12,1 Monaten unter der Letrozol-Monotherapie. Daraus errechnete sich ein Hazard Ratio von 0,55; 95%-KI: 0,45–0,66; p < 0,0001. Das mediane OS wurde in der aktuellen Auswertung unter Palbociclib plus Letrozol noch nicht erreicht (NE) und lag bei 38,1 Monaten unter der Letrozol-Monotherapie (HR 0,52; 95%-KI 0,40–0,68; p < 0,0001).

Quelle: DeMichele A et al.: San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2019, San Antonio, USA, P1–19–02

Impressum

Verlag: Deutscher Ärzteverlag GmbH

Dieselstraße 2, 50859 Köln

Geschäftsführung: Jürgen Führer

Telefon 02234 7011-0 (Zentrale)

Autor: Reimund Freye

Druckerei: L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG DruckMedien, Marktweg 42, 47608 Geldern

Diese Sonderpublikation erscheint im Auftrag und inhaltlichen Verantwortungsbereich der Pfizer Pharma GmbH, Linkstr. 10, 10785 Berlin.

Quelle: Veranstaltung der Breast Cancer – Center of Excellence, Klinische Praxis mit aktuellen Therapieoptionen beim Mammakarzinom, Mannheim, 23. Nov. 2019; Veranstalter: Pfizer Pharma GmbH

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*Ibrance® 75 mg Hartkapseln Ibrance® 100 mg Hartkapseln Ibrance® 125 mg Hartkapseln Wirkstoff: Palbociclib

Zusammensetzung: Wirkstoff: 1 Hartkps. enth. 75 mg/ 100 mg/ 125 mg Palbociclib. Sonst. Bestandteile: Kapselinhalt: mikrokristalline Cellulose, Lactose-Monohydrat, Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A), hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat. Kapselhülle: Gelatine, Eisen(III)oxid (E 172), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E 172), Titandioxid (E 171). Drucktinte: Schellack, Titandioxid (E 171), Ammoniaklösung (28 %ige Lösung), Propylenglycol, Simeticon. *Anwendungsgebiete: Zur Behandl. v. Hormonrezeptor (HR)-pos., humanem epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2 (HER2)-neg. lokal fortgeschr. od. metastasiertem Brustkrebs, in Komb. m. e. Aromatasehemmer od. in Komb. m. Fulvestrant b. Frauen, die zuvor e. endokrine Ther. erhielten. B. prä- od. perimenopausalen Frauen, sollte d. endokrine Ther. m. e. LHRH-Agonisten komb. werden. Gegenanzeigen: Überempfindlichk. gg. d. Wirkstoff od. e. d. sonst. Bestandt. Die Anw. v. Arzneim., die Johanniskraut enthalten. Nebenwirkungen: Sehr häufig: Infektionen; Neutropenie (Neutrophilenzahl vermindert), Leukopenie (Leukozytenzahl vermindert), Anämie (Hämoglobin erniedrigt, Hämatokrit vermindert), Thrombozytopenie (Thrombozytenzahl vermindert); vermind. Appetit; Stomatitis (Stomatitis aphthosa, Cheilitis, Glossitis, Glossodynie, Mundulzeration, Schleimhautentzünd., Mundschmerzen, Beschwerden im Oropharynx, Schmerzen im Oropharynx), Übelk., Diarrhö, Erbrechen; Ausschlag (Ausschlag makulo-papulös, Ausschlag m. Juckreiz, Ausschlag erythematös, Ausschlag papulös, Dermatitis, Dermatitis acneiform, toxischer Hautausschlag), Alopezie, trockene Haut; Fatigue, Asthenie, Pyrexie; ALT erhöht, AST erhöht. Häufig: febrile Neutropenie; Dysgeusie; verschwommenes Sehen, verstärkte Tränensekretion, trockenes Auge; Epistaxis, ILD/ Pneumonitis. Warnhinweise: Enthält Lactose. Weitere Informationen s. Fach- u. Gebrauchsinformation.

Abgabestatus: Verschreibungspflichtig. Pharmazeutischer Unternehmer: Pfizer Europe MA EEIG, Boulevard de la Plaine 17, 1050 Brüssel, Belgien. Repräsentant in Deutschland: PFIZER PHARMA GmbH, Linkstr. 10, 10785 Berlin. Stand: November 2019. b-9v6ib-hk-0.

1.
Turner NC et al.: N Engl J Med 2018; 379: 1926–1936
2.
Im S et al.: N Eng J Med 2019; 381: 307–316
3.
Slamon D et al.: Annals of Oncology (2019) 30 (suppl_5): v851-v934
4.
Sledge GW et al.: JAMA Oncol. Published online September 29, 2019. E1-E9 https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2019.4782 (zuletzt aufgerufen am 04.12.2019)
5.
Onkopedia Leitline Mammakarzinom der Frau. www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/mammakarzinom-der-frau/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen am 12.12.2019)
1.Turner NC et al.: N Engl J Med 2018; 379: 1926–1936
2.Im S et al.: N Eng J Med 2019; 381: 307–316
3.Slamon D et al.: Annals of Oncology (2019) 30 (suppl_5): v851-v934
4.Sledge GW et al.: JAMA Oncol. Published online September 29, 2019. E1-E9 https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2019.4782 (zuletzt aufgerufen am 04.12.2019)
5.Onkopedia Leitline Mammakarzinom der Frau. www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/mammakarzinom-der-frau/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen am 12.12.2019)

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