ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2020COVID-19-Krise: Vom Wert der Medizin

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COVID-19-Krise: Vom Wert der Medizin

Siewe, Njawe

Reaktionen zur COVID-19-Berichterstattung in DÄ 18 und 19/2020:
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Im Zuge der Coronavirus-Pandemie sind vier Fragenkonvolute zu klären:

1. Wie stehts mit Krankenhauskeimen, Wundheilung und multiresistenten Keimen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen? Besteht ein Zusammenhang zwischen dem jetzt vermehrten und bewussten Umgang der Menschen mit hygienischen Maßnahmen … und nosokomialen Keimen bzw. Infektionen, Wundheilung und Genesung in diesen Einrichtungen? …

2. Wie viel ist gute Medizin wert? Es gibt Leistungen in der Medizin, die nicht direkt messbar sind ... etwa Zeit fürs Zuhören, wenn Patientinnen über ihre sozialen, beruflichen oder finanziellen Probleme reden möchten, oder Zeit für Gespräche mit (älteren) Patientinnen mit fehlender oder mangelnder Sozialinteraktion. Diese Leistungen werden z. B für niedergelassene Frauenärzte pauschal mit ca. 20 Euro pro Quartal honoriert – egal ob das Gespräch 20 Minuten oder eine Stunde dauert und egal ob die Patientin einmal oder viermal innerhalb des Quartals vorbeikommt. ... Müssen Krankenhäuser und Arztpraxen immer voll ausgelastet sein und gewinnbringend arbeiten? … Patientenfreundliche, gesprächsorientierte, interaktive Institutionen mit mehr Aufwand für Hygiene- und soziale Maßnahmen werden als nicht wirtschaftlich bestraft?

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3. Welche Produkte und Dienstleistungen sollte ein Land im eigenen Interesse im eigenen Land produzieren … ? Ist es annehmbar, dass regelmäßig Medikamentenengpässe in Deutschland zu melden sind, weil fast alle pharmazeutischen Unternehmen, um höhere Profite und Rendite für sich zu sichern, überwiegend im (nicht europäischen) Billigausland produzieren? Ist es hinnehmbar, dass Ventilatoren, Masken … fast nur in Fernosten produziert werden? Könnte es im Sinne eines Landes sein, eine Liste strategisch wichtiger Produkte, Dienstleistungen und Firmen zu erstellen und diese um jeden Preis, jedoch klug und mit Bedacht im eigenen Land zu halten und zu schützen?

4. … Es ist gegeben, dass wir öfter die Hände waschen sollten und Abstand halten sollten ..., aber unser Immunsystem braucht Arbeit, braucht die ständige und regelmäßige Herausforderung, sich gegen die vielen Keimen, Viren und andere Krankheitserreger und möglichen Krankheitsüberträger zu behaupten. … Wenn wir drei, sechs oder neun Monate lang keimfrei oder fast keimfrei gelebt haben, … wird es eine größere Herausforderung sein für unser Immunsystem. …

All dies führt zu der Frage: Wie viel Kapitalismus braucht ein modernes, moralisches gesundes Land?

Dr. med. Njawe Siewe, 58511 Lüdenscheid

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