ArchivPharmaErste Real-World-Erhebung mit einem IL-5-Antikörper

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Erste Real-World-Erhebung mit einem IL-5-Antikörper: Reduktion von Exazerbationen und OCS-Gebrauch bestätigt

Fischer von Weikersthal, Gabi

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Schweres eosinophiles Asthma (SAE): Als erster Wirkstoff seiner Klasse kann Mepolizumab bereits starke und nachhaltige Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten für bis zu 4,8 Jahre aufweisen [1, 2] und ist als Anti-IL-5-Therapie in Form eines Lyophilisats auch für Kinder ab 6 Jahren zugelassen. Mepolizumab ist zudem das einzige 4-wöchentlich zu applizierende Anti-IL-5-Biologikum in einer Fixdosis (Pen und Fertigspritze).

SAE ist definiert als schweres Asthma, das eine Behandlung mit hochdosierten inhalativen Kortikosteroiden (ICS) sowie einem zweiten Controller (und/oder systemischen Kortikosteroiden) erfordert, um zu verhindern, dass es „unkontrolliert“ wird oder trotz Therapie „unkontrolliert“ bleibt. Der Grad der Asthmakontrolle ist wiederum ausschlaggebend für Klassifikation und Therapie und setzt sich aus der Symptomatik und dem Risiko für eine Verschlechterung des Asthmas zusammen.

Die Phänotypisierung des Asthmas spielt eine immer größere Rolle: So deuten Studien darauf hin, dass etwa 60 % der Patienten mit schwerem Asthma eine eosinophile Atemwegsentzündung haben [3]. Mepolizumab, am 2. Dezember 2015 in der EU zugelassen, ist der erste monoklonale Antikörper seiner Klasse, der gegen IL-5 gerichtet ist. Mepolizumab wirkt, indem es die Bindung von IL-5 an seinen Rezeptor auf der Oberfläche von Eosinophilen verhindert und dadurch Bluteosinophile reduziert [4, 5].

Überzeugende Daten bis zu 4,8 Jahre

Die Daten der Langzeitstudie COLUMBA [1] (< 4,5 Jahre) attestieren Mepolizumab ein stabiles Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil: Mit einer adjustierten Nebenwirkungsrate von 3688 Ereignissen je 1000 Patientenjahre war das Sicherheitsprofil von Mepolizumab vergleichbar mit dem Profil vorausgegangener Studien.

In der offenen Folgestudie COSMEX [2] konnten für 339 Patienten mit sehr schwerem, lebensbedrohlichem SEA die Daten ausgewertet werden: Die Reduktion der Exazerbationen blieb über den Beobachtungszeitraum von bis zu 188 Wochen konsistent.

Auch Real-World-Studie positiv

Auf dem Kongress der European Respiratory Society 2019 in Madrid wurden erstmals Daten der REALITI-A [6] (REALworld effectiveness of mepolizumab In paTIent care-Asthma), der ersten Real-World-Studie zu einem IL-5-Antikörper, veröffentlicht. REALITI-A ist eine 2-jährige, globale, prospektive, einarmige Beobachtungsstudie, in der Patienten Mepolizumab im Rahmen einer Routineversorgung, also ohne strenge Ausschlusskriterien wie hoher BMI oder Rauchen, erstmals verordnet wurde. Für die in Madrid präsentierte Interimsanalyse wurden 368 Patienten ausgewertet. Das Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren, 48 % der Patienten wurden mit Steroiden behandelt. Die Zahl klinisch signifikanter Exazerbationen in den vergangenen 12 Monaten lag im Mittel bei 4,7. Nach einjähriger Therapie wurde im Vergleich zum Ausgangswert eine Reduktion jährlicher klinisch signifikanter Exazerbationen (primärer Endpunkt) um 69 % von 4,63 auf 1,43 (RR 0,31; 95 %-KI 0,27–0,35; p < 0,001) erreicht. Jährliche Exazerbationen, die eine Hospitalisierung oder die Notfallaufnahme notwendig machten, konnten um 77 % von 1,14 auf 0,27 (RR 0,23; 95%-KI 0,18–0,30; p < 0,001) reduziert werden. Es kam zu einer Reduktion der medianen OCS-Dosis von 10 mg/Tag auf 5 mg/Tag, also um 50 %, wobei 34 % der Patienten die OCS-Therapie komplett beendeten. Die Sicherheitsdaten aus der REALITI-A-Studie stimmten mit den guten Safety-Ergebnissen früherer klinischer Studien überein.

Prof. Marek Lommatzsch, Rostock, dazu in einem Interview: „Es ist eine Studie mit sehr guten Ergebnissen, die durch die breiten Ein- und wenigen Ausschlusskriterien das ‚echte Leben‘ widerspiegelt. Wir brauchen unbedingt Real-World-Studien wie REALITI-A – denn wir benötigen die Evidenz von Patienten, die z.B. mehr als 10 Packungsjahre Zigaretten geraucht haben oder die vielleicht stark übergewichtig sind. Und Patienten mit Komorbiditäten. Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang, dass in dieser Real-World-Population die Wirksamkeit, die Effektivität der Biologika mindestens so stark ist wie in den klinischen Studien!“ (Abb.1).

Vergleich klinische Studien zu Real-World-Daten – Reduktion der Exazerbationen
Abbildung 1
Vergleich klinische Studien zu Real-World-Daten – Reduktion der Exazerbationen

Deutliche Abnahme von Exazerbationen und OCS-Nutzung

In Frankreich wurden im Rahmen einer retrospektiven Studie [7] der Arbeitsgruppe um C. Taillé Daten von Patienten analysiert, die im Kontext einer Temporary Authorization for Utilization (ATU) erhoben worden waren. Die mittlere Exazerbationsrate der ausgewerteten Daten von 146 Patienten betrug 5,8 Exazerbationen/Jahr im Jahr vor Aufnahme in die ATU, die meisten Patienten (92,8 %) erhielten zum Zeitpunkt des Beginns des Mepolizumab-Programmes weiterhin orale Kortikosteroide (OCS). Die mittlere Tagesdosis der OCS-Therapie betrug bei Einschluss 20,6 ± 16,5 mg Prednisolon-Äquivalent, und sie sank auf 8,3 ± 15,9 mg nach 12 Monaten und 7,8 ± 17,0 mg nach 24 Monaten. Während der Nachbeobachtung wurde eine deutliche Abnahme der Exazerbationen und der OCS-Nutzung sowie eine Verbesserung der Asthmasymptomatik und der Atemwegsparameter beobachtet.

Zwei Darreichungsformen für die Selbstapplikation

Im August 2019 erhielt GlaxoSmithKline die Zulassung seitens der EMA für 2 neue Darreichungsformen des IL-5-Antikörpers Mepolizumab, eines Pen sowie einer Fertigspritze, die beide zur Selbstinjektion bei Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma ab 12 Jahren zugelassen sind. Dazu Prof. Karl-Christian Bergmann, Berlin: „Patienten mit schwerem refraktärem Asthma fällt es oft nicht leicht den Alltag zu bewältigen, da können regelmäßige Arztbesuche eine zusätzliche Belastung sein. Die neuen Darreichungsformen von Mepolizumab verleihen dem Behandlungsteam und dem Patienten eine größere Flexibilität in der Therapie. Es ist möglich, ein normales Leben zurück zu gewinnen – bei Vermeidung von Kortison-Tabletten, Exazerbationen und einer meist gebesserten Lungenfunktion“.

Der Pen kann vom Patienten zu Hause appliziert werden, er enthält eine Fixdosis von 100 mg in nur 1 ml Injektionslösung (bei einer Nadellänge von 12,7 mm). Patienten lernen innerhalb kurzer Zeit die sichere Anwendung, wie 2 offene einarmige Phase-IIIa-Studien in einem „Real-World“-Szenario zeigten: 98 % (n = 157) der teilnehmenden Patienten konnten Mepolizumab mit dem Pen, 100 % (n = 56) mit der Fertigspritze nach einer entsprechenden Schulung zu Woche 8 erfolgreich applizieren [8, 9]. 82 % bis 92 % sind der Meinung, dass die Injektion mit Pen bzw. der Fertigspritze sehr oder sogar extrem einfach war. Und 98 % bis 100 % würden Mepolizumab als Pen oder Fertigspritze weiterempfehlen. Dem Behandler steht nun also ein innovatives Therapieregime zur Verfügung, das den Behandlungsalltag erleichtern und flexibilisieren kann. In Verbindung mit dem Angebot einer Videosprechstunde, könnte die Praxispräsenz des Patienten deutlich reduziert und die Therapie einfach geführt werden. Durch die Möglichkeit, sowohl eine Einzel- als auch eine Dreierpackung Mepolizumab zu verordnen, kann auch der Quartalsrhythmus beibehalten werden, so gewünscht.

Für die tägliche Praxis: ACT, ZAR und eine kleine Checkliste

Zur Erfassung der aktuellen Asthmasymptome ist nach wie vor der Asthma Control Test (ACT) eine in der Praxis durchführbare, validierte Option. Alle Informationen rund um den Test inklusive Download-Möglichkeit finden Sie auf www. PneumoWissen.de.

Bei der Diagnosestellung und Dokumentation der Indikation im Praxisalltag kann das vom Register des German Asthma Net e. V. (ZAR) neu entwickelte Antikörpermodul den Arzt zusätzlich unterstützen (http://germanasthmanet.de/).

Für die Überprüfung des Therapieansprechens gibt es Experten-Tipps: Gemäß Zulassung sollte im Falle von Mepolizumab die Indikation der Therapie einmal jährlich überprüft werden. Doch wie kann man mit den sehr unterschiedlichen Ansprechgeschwindigkeiten auf eine Anti-IL 5-Therapie in der täglichen Praxis umgehen? Prof. Karl-Christian Bergmann, Berlin, dazu: „Neben einer guten Dokumentation zählen hier vor allem die persönlichen Erfahrungswerte des Behandlers – hat er den Eindruck, dass der Patient von Mepolizumab profitiert?“

  Dies könne man anhand einiger Fragen eingrenzen, empfiehlt Bergmann:

  • Sind Exazerbationen aufgetreten?

  • Wie ist der FEV1-Wert im Vergleich zum Therapiebeginn?

  • Hat sich der Wert des Asthma-Kontrolltests (ACT) verändert?

  • Wie oft traten Asthmasymptome auf?

  • Wie oft musste ein Notfallspray genommen werden?

  • Wie viele Treppenstufen kann der Patient inzwischen problemlos bewältigen?

  • Lässt sich ggf. eine OCS-Einnahme reduzieren?

Impressum

Verlag: Deutscher Ärzteverlag GmbH

Dieselstraße 2, 50859 Köln

Geschäftsführung: Jürgen Führer

Telefon 02234 7011-0 (Zentrale)

Autorin: Gabi Fischer von Weikersthal

Druckerei: L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG DruckMedien, Marktweg 42, 47608 Geldern

Diese Sonderpublikation erscheint im Auftrag und inhaltlichen Verantwortungsbereich der GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
Zentrale Pharma, Prinzregentenplatz 9, 81675 München.

Quellen: GSK-Symposium Mepolizumab – the complete story: “Eosinophils, real-world evidence and the power to choose”. Madrid, 01.10.2019. Pressekonferenz „Nucala – Neue Möglichkeiten im Behandlungsregime des schweren Asthmas.“ München, 08.08.2019.

Der Verlag kann für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen keine Gewähr übernehmen. Durch sorgfältige Prüfung der Fachinformationen der verwendeten Präparate und ggf. nach Konsultation eines Spezialisten ist jeder Benutzer angehalten, festzustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierung oder die Beachtung von Kontraindikationen gegenüber der Angabe in dieser Beilage abweicht. Bei selten verwendeten oder neu auf den Markt gebrachten Präparaten ist eine solche Prüfung besonders wichtig. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers.

Diese Sonderpublikation erscheint außerhalb des Verantwortungsbereichs des Deutschen Ärzteverlages.

1.
Khatri S et al.: J Allergy Clin Immunol 2019; 143: 1742–1751.e7
2.
Khurana S et al.: Clin Ther 2019; 41(10): 2041–2056.e5
3.
George L et al.: Ther Adv Chronic Dis 2016; 7: 34–51
4.
Fachinformation Nucala; Stand: November 2019
5.
Yancey SW et al.: J Allergy Clin Immunol 2017;140: 1509–1518
6.
Harrison T et al.: #OA2104, ERS 2019, Madrid
7.
Taillé C et al.: Poster No. PA1654, ERS 2019, Madrid
8.
Bel EH et al.: J Asthma 2019; 24: 1–10
9.
Bernstein D et al.: J Asthma 2019; 28: 1–12
10.
Harrison T et al.: ERS 2019. #OA2104
11.
Ortega et al.: N Engl J Med 2014; 371: 1198–1207
12.
Chupp GL et al.: Lancet Respir Med 2017, 5: 390–400
Vergleich klinische Studien zu Real-World-Daten – Reduktion der Exazerbationen
Abbildung 1
Vergleich klinische Studien zu Real-World-Daten – Reduktion der Exazerbationen
1.Khatri S et al.: J Allergy Clin Immunol 2019; 143: 1742–1751.e7
2.Khurana S et al.: Clin Ther 2019; 41(10): 2041–2056.e5
3.George L et al.: Ther Adv Chronic Dis 2016; 7: 34–51
4.Fachinformation Nucala; Stand: November 2019
5.Yancey SW et al.: J Allergy Clin Immunol 2017;140: 1509–1518
6.Harrison T et al.: #OA2104, ERS 2019, Madrid
7.Taillé C et al.: Poster No. PA1654, ERS 2019, Madrid
8.Bel EH et al.: J Asthma 2019; 24: 1–10
9.Bernstein D et al.: J Asthma 2019; 28: 1–12
10.Harrison T et al.: ERS 2019. #OA2104
11.Ortega et al.: N Engl J Med 2014; 371: 1198–1207
12.Chupp GL et al.: Lancet Respir Med 2017, 5: 390–400

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