ArchivPharmaLeitliniengerechte Therapie der Hypertonie

Pharma

Leitliniengerechte Therapie der Hypertonie – Metaanalyse: Chlortalidon ist HCT bei RR-Senkung überlegen

Walter, Monika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Autoren einer aktuellen Metaanalyse kommen zu dem Schluss, dass das Thiazid-ähnliche Diuretikum Chlortalidon gegenüber dem Thiazid-Diuretikum Hydrochlorothiazid (HCT) bei vergleichbarem Sicherheitsprofil Vorteile bei der Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks aufweist und daher allgemein als Alternative zu HCT eingesetzt werden sollte [1].

Chlortalidon (Hygroton®) wird zur Behandlung von kardialen, hepatischen und nephrogenen Ödemen, Hypertonie, manifester Herzinsuffizienz sowie renaler Diabetes insipidus eingesetzt [2]. Als Blutdrucksenker ist es das wichtigste Thiazid-Diuretikum, das explizit in den aktuellen Leitlinien genannt wird [3].

Die Bedeutung von Chlortalidon für die Therapie des Bluthochdrucks unterstreicht eine im Herbst 2019 publizierte Metaanalyse. Sie wertete die Daten aus 9 klinischen Studien mit insgesamt 51.789 Patienten aus. Eingeschlossen waren 2 Beobachtungsstudien sowie 3 Kombinations- und 4 Monotherapiestudien. Ziel war es, die Wirksamkeit von Chlortalidon und HCT als Monotherapie sowie in Kombination mit anderen Antihypertensiva bei Patienten mit milder bis moderater Hypertonie zu vergleichen [1].

Chlortalidon: Effektive Blutdrucksenkung

In den 7 Placebo-kontrollierten Studien zeigte Chlortalidon eine stärkere blutdrucksenkende Wirkung als HCT: Der systolische Blutdruck wurde mit Chlortalidon im Mittel um –3,26 mmHg (95%-Konfidenzintervall [KI]: –4,58 bis 1,94) stärker gesenkt als mit HCT (gewichtete mittlere Differenz). Der Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,25, vgl. Abb. 1). Der diastolische Blutdruck nahm unter Chlortalidon ebenfalls statistisch signifikant stärker ab (–2,41 mmHg; 95%KI: –3,87 bis –0,95; p = 0,15; vgl. Abb. 1). Zusätzlich reduzierte Chlortalidon das kardiovaskuläre Risiko besser als HCT bei einer geringeren Senkung des Serumkaliumspiegels. Das Sicherheitsprofil war unter beiden Medikationen vergleichbar [1].

Chlortalidon war in der Metaanalyse von Dineva et al. HCT bei der Senkung des systolischen sowie des diastolischen Blutdrucks überlegen
Abbildung 1
Chlortalidon war in der Metaanalyse von Dineva et al. HCT bei der Senkung des systolischen sowie des diastolischen Blutdrucks überlegen

Insgesamt kamen die Autoren zu dem Schluss, dass Chlortalidon im Vergleich zu HCT in den untersuchten Dosierungen das effektivere Antihypertensivum mit besserer Blutdrucksenkung darstellt und im Praxisalltag als Alternative zu HCT breit eingesetzt werden sollte [3].

Leitliniengerechte Kombinationstherapie

Die Blutdruckkontrolle ist die wichtigste Maßnahme, um bei Menschen mit einer Hypertonie kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern [3]. Das von den Leitlinien empfohlene Chlortalidon [3] kann mit allen gängigen Wirkstoffen zur Bluthochdrucktherapie kombiniert werden und überzeugt durch günstige Tagestherapiekosten (bei 12,5 mg nur 0,10 EUR).

Mit Chlortalidon kann bereits in geringen Dosierungen eine maximale Blutdrucksenkung erzielt werden [4]. Das ist relevant, da das Nebenwirkungsrisiko mit zunehmender Dosierung steigt [4]. Von Hydrochlorothiazid, für das 2018 ein Rote-Hand-Brief vor dem Risiko von nicht melanozytärem Hautkrebs warnte [5], ist für den gleichen Effekt die 2- bis 3-fache Wirkstoffmenge erforderlich [4]. Darüber hinaus ist die Halbwertszeit von HCT im Vergleich zu Chlortalidon deutlich kürzer (6–15 h vs. 40–60 h) [1].

Basis der Empfehlung von Chlortalidon in den Leitlinien sind die Ergebnisse der ALLHAT-Studie, die als eine der größten Hypertonie-Studien mit mehr als 42.000 Patienten belegen konnte, dass Chlortalidon sowohl ACE-Hemmern (Lisinopril) als auch Calciumantagonisten (Amlodipin) bei der Verhinderung einer oder mehrerer kardiovaskulärer Erkrankungen signifikant überlegen ist [6].

Abbildung 1: Chlortalidon war in der Metaanalyse von Dineva et al. HCT bei der Senkung des systolischen (oben) sowie des diastolischen Blutdrucks (unten) überlegen [1].

Pflichtangaben gem. § 4 HWG

Hygroton® 25 mg/– 50 mg. Wirkstoff: Chlortalidon. Zusammensetzung: Wirkstoff: Chlortalidon. Zusammensetzung: 1 Tablette enthält 25 mg/– 50 mg Chlortalidon. Sonstige Bestandteile: Carboxymethylstärke-Natrium, Farbstoff E 172, Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat, Povidon, hochdisperses Siliciumdioxid, mikrokristalline Cellulose. Anwendungsgebiete: kardiale, hepatische und nephrogene Ödeme; Hypertonie; manifeste Herzinsuffizienz; renaler Diabetes insipidus. Gegenanzeigen: Anurie, schwere Nierenfunktionsstörungen, Glomerulonephritis, schwere Leberfunktionsstörungen, Hyperkalzämie, therapieresistente Hypokaliämie oder Zustände mit erhöhten Kaliumverlusten, symptomatische Hyperurikämie, Überempfindlichkeit gegen Chlortalidon, Thiazide, Sulfonamidderivate oder einen der sonstigen Bestandteile; Schwangerschaft und Stillzeit. Vorsicht bei Patienten mit Diabetes mellitus oder Gicht. Achtung: Therapie abbrechen bei therapieresistenter Entgleisung des Elektrolythaushalts, Pankreatitis, Blutbildungsveränderungen (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie), akuter Cholezystitis, Auftreten einer Vaskulitis,Verschlimmerung einer bestehenden Kurzsichtigkeit. Nebenwirkungen: Hypokaliämie, Hyperurikämie, Erhöhung der Cholesterin- und Triglyceridspiegel, Hyponatriämie, Hypomagnesiämie, Hyperglykämie, Anstieg stickstoffhaltiger Stoffe vor allem zu Behandlungsbeginn, Urtikaria, Pruritis, Exantheme, Hypotonie der Skelettmuskulatur, Muskelkrämpfe, lageabhängige Hypotonie, Palpitationen, Schwindel- und Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit, gastrointestinale Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, krampfartige Beschwerden im Bauchraum, Obstipation, Diarrhö, Impotenz, Hyperkalzämie, Glukosurie, Verschlechterung einer diabetischen Stoffwechsellage, Gicht, Photosensibilität, intrahepatische Cholestase oder Gelbsucht, kardiale Arrhythmien, Parästhesien, Kopfschmerzen, Thrombozytopenie, Leukopenie, Agranulozytose, Eosinophilie, Sehstörungen, Einschränkung der Bildung von Tränenflüssigkeit, hypochlorämische Alkalose, Pankreatitis, idiosynkratische Lungenödeme, allergische interstitielle Nephritis und Vaskulitis. Warnhinweis: Enthält Lactose. Dopinghinweis. Verschreibungspflichtig. Stand: November 2018. Trommsdorff GmbH & Co. KG, 52475 Alsdorf.


Die Metaanalyse auf einen Blick [1]

Die gewichtete mittlere Differenz bei der Senkung des systolischen Blutdrucks zeigte Vorteile für Chlortalidon vs. HCT (–3,26 mmHg)

Vorteile für Chlortalidon vs. HCT auch bei der Veränderung des diastolischen Blutdrucks (gewichtete mittlere Differenz –2,41 mmHg)

Vergleichbares Sicherheitsprofil

Chlortalidon ist die Alternative für HCT im Praxisalltag

Impressum

Verlag: Deutscher Ärzteverlag GmbH

Dieselstraße 2, 50859 Köln

Geschäftsführung: Jürgen Führer

Telefon 02234 7011-0 (Zentrale)

Autorin: Monika Walter

Druckerei: L.N. Schaffrath GmbH & Co. KG DruckMedien, Marktweg 42, 47608 Geldern

Diese Sonderpublikation erscheint im Auftrag und inhaltlichen Verantwortungsbereich der Trommsdorff GmbH & Co. KG,
Trommsdorffstr. 2–6, 52477 Alsdorf.

Der Verlag kann für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen keine Gewähr übernehmen. Durch sorgfältige Prüfung der Fachinformationen der verwendeten Präparate und ggf. nach Konsultation eines Spezialisten ist jeder Benutzer angehalten, festzustellen, ob die dort gegebene Empfehlung für Dosierung oder die Beachtung von Kontraindikationen gegenüber der Angabe in dieser Beilage abweicht. Bei selten verwendeten oder neu auf den Markt gebrachten Präparaten ist eine solche Prüfung besonders wichtig. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers.

Diese Sonderpublikation erscheint außerhalb des Verantwortungsbereichs des Deutschen Ärzteverlages.

1.
Dineva S, Uzunova K, Pavlova V et al.: J Hum Hypertens 2019; 33: 766–74
2.
Fachinformation Hygroton® (Stand November 2018)
3.
Williams B, Mancia G, Spiering W et al.: Eur Heart J 2018; 39: 3021–104
4.
Sommerauer C, Sönnichsen A, Kochen M, Z Allg Med 2015; 91: 13–17
5.
www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinform-ationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2018/rhb-hydrochlorothiazid.pdf;jsessionid=487086160893DA36BC126F20771649A3.1_cid319?__blob=publicationFile&v=6, (letzter Zugriff: 14.2.2020)
6.
ALLHAT Officers and Coordinators for the ALLHAT Collaborative Research Group. JAMA 2002; 2 88: 2981–97
Chlortalidon war in der Metaanalyse von Dineva et al. HCT bei der Senkung des systolischen sowie des diastolischen Blutdrucks überlegen
Abbildung 1
Chlortalidon war in der Metaanalyse von Dineva et al. HCT bei der Senkung des systolischen sowie des diastolischen Blutdrucks überlegen
1.Dineva S, Uzunova K, Pavlova V et al.: J Hum Hypertens 2019; 33: 766–74
2.Fachinformation Hygroton® (Stand November 2018)
3.Williams B, Mancia G, Spiering W et al.: Eur Heart J 2018; 39: 3021–104
4.Sommerauer C, Sönnichsen A, Kochen M, Z Allg Med 2015; 91: 13–17
5.www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinform-ationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2018/rhb-hydrochlorothiazid.pdf;jsessionid=487086160893DA36BC126F20771649A3.1_cid319?__blob=publicationFile&v=6, (letzter Zugriff: 14.2.2020)
6.ALLHAT Officers and Coordinators for the ALLHAT Collaborative Research Group. JAMA 2002; 2 88: 2981–97

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema