ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2000Entstehen und Funktion von Bewusstsein: Immaterielle Einflussnahme

MEDIZIN: Diskussion

Entstehen und Funktion von Bewusstsein: Immaterielle Einflussnahme

Dtsch Arztebl 2000; 97(9): A-540 / B-476 / C-438

Laack, Walter van

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Dr. phil. Gerhard Roth in Heft 30/1999
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LNSLNS Wenn der Autor sicher zutreffend meint, dass Bewusstsein in eindeutiger Weise an die Aktivität definierter Hirnzentren gebunden ist, so ist dies aber nur eine rein deskriptive Feststellung, die genauso bedeuten kann, dass die bewusste Einflussnahme eines nach meiner Auffassung selbstständigen hirnunabhängigen Geistes auf sein "Multimediagerät materielles Gehirn" diese Aktivitäten zwingend notwendig macht. Dagegen ist diese Aussage keinerlei Beweis, ja nicht einmal ein wirklich eindeutiger Hinweis darauf, dass Bewusstsein selbst auch durch diese Hirnaktivitäten entsteht! Insbesondere der Nachweis von Aktionsmustern, die dem "Wollen" zugeschrieben werden und einer Reaktion unmittelbar vorausgehen, sind, wie es Eccles (1) sehr treffend beschreibt, eher als Zeichen dieser vorangehenden (immateriellen) Einflussnahme zuzuschreiben. Auch die Reizung von Hirnstrukturen mit Induktion bestimmter Gedächtnis- oder Bewusstseinsinhalte besagt nicht, dass diese dort gespeichert oder sogar produziert werden. Unterstellt man einmal, dass unser Gehirn möglicherweise auch als ultrabreite Schnittstelle zu einem komplementären Geist aufgefasst werden dürfte, so müsste die experimentelle Reizung irgendeines Hirnareals damit auch zwingend zu einer Reaktion auf der komplementär geistigen Seite führen, die dann natürlich wieder unmittelbar eine sinnliche, sensible oder motorische Reaktion unseres Körpers provozieren würde.
Genauso wenig würde heute ein Internetnutzer auf die Idee kommen, seine durch lebhaftes Surfen am Computerbildschirm aufleuchtenden Seiten seien durch die elektrische Aktivität seines vergleichsweise sehr einfachen Modems entstanden!
So wie das Modem nur ein Instrument ist, damit Inhalte aus einem virtuellen Internet dem jeweiligen Nutzer über das "Großgerät Computer" zugänglich sind, so sind bestimmte elektrisch aktive Hirnzentren (möglicherweise wohl Strukturen des limbischen Systems) wohl auch nur verschieden spezialisierte Instrumente, damit deren "Inhaber Mensch" seine Bewusstseinsinhalte über sein Großgerät "Körper mit allen seinen Organen, seinem Bewegungsapparat, den Sinnesorganen oder seinem Sprechapparat" nutzen kann! Sämtliche Inhalte des Internets existieren dabei aber genauso unabhängig vom Modem des jeweiligen Nutzers wie die Bewusstseinsinhalte vom Gehirn des "dazugehörigen" Menschen. Auch heruntergeladene Internetseiten sind nur Kopien zur zeitweiligen Nutzung mithilfe eines Computers, aber auch nicht dort selbst produziert! Und genauso wenig wie Sie im Normalfall Zugang zu geschützten Inhalten im Internet haben, kann jemand Fremdes an Ihre persönlichen Bewusstseinsinhalte herankommen. Diese sind sozusagen Ihr persönliches Intranet in einer Art unvorstellbar großem geistigen Internet (2, 3).
Der Titel von Roths Referat ist deshalb sehr ungünstig und nach meiner Auffassung auch falsch gewählt: Über das Entstehen von Bewusstsein kann er nämlich gar nichts wirklich wissen und berichten. Lediglich über seine Nutzung mithilfe des Gehirns, seiner teilweise hochspezialisierten Zentren und schließlich von dort abwärts in die Peripherie des menschlichen Körpers!


Literatur
1. Eccles, John C, australischer Philosoph und Arzt; Hirnforscher; Nobelpreisträger 1993 über die Funktion von Synapsen (Schaltstellen) im Gehirn.
2. van Laack W, "Plädoyer für ein Leben nach dem Tod und eine etwas andere Sicht der Welt", Aachen: van Laack GmbH Buchverlag 1999.
3. van Laack, W., "Der Schlüssel zur Ewigkeit", Aachen: van Laack GmbH Buchverlag 1999.


Dr. med. Walter van Laack
Mühlenstraße 41-47
52134 Herzogenrath

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