ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2020Therapierefraktäres oder rezidiviertes Mantelzell-Lymphom: CAR-T-Zellen induzieren noch nach mehrfachen Rezidiven anhaltende Remissionen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapierefraktäres oder rezidiviertes Mantelzell-Lymphom: CAR-T-Zellen induzieren noch nach mehrfachen Rezidiven anhaltende Remissionen

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Meletios Verras/iStock
Foto: Meletios Verras/iStock

Patienten mit Mantelzell-Lymphom, deren Erkrankung nach Behandlung mit Zytostatika und Bruton-Tyrosinkinase-Hemmern (BTK-Inhibitoren) progrediert, haben eine ungünstige Prognose. Bei Salvage-Therapie überleben die Patienten median 6–10 Monate.

CAR-T-Zellen werden als Behandlungsalternative erprobt, in der ZUMA-2-Studie ist es das CAR-T-Zellprodukt KTE-X19. Die CARs binden sich an CD19 auf B-Lymphozyten der Zellpopulation des Malignoms und lösen deren Zytolyse aus. Da das Ausgangsmaterial der CAR-T-Zellen, das Leukaphereseprodukt des Patienten, einen hohen Anteil maligner B-Zellen enthält, werden diese vor Produktion der CAR-T-Zellen entfernt, damit die CARs nicht vor der Infusion in den Patienten aktiviert werden.

In die internationale Phase-2-Studie sind 74 Patienten mit median 3 (1–5) Vorbehandlungen aufgenommen worden, darunter BTK-Inhibitoren. 68 Patienten konnten mit CAR-T-Zellen behandelt werden, die Dosierung betrug einmal 2 x 106 CAR-T-Zellen/kg. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten mit objektivem Ansprechen, ermittelt über die Bildgebung nach den Lugano-Kriterien. Festgelegt war eine Auswertung nach 60 Behandlungen und einem Follow-up von 7 Monaten.

93 % von 60 Patienten hatten objektiv angesprochen, 67 % komplett und 27 % partiell. Nach median 12,3 Monaten (7–32,3 Monate) waren noch 57 % der Patienten in Remission. Das progressionsfreie Überleben nach 12 Monaten wurde auf 61 % geschätzt und das Gesamtüberleben auf 83 %, die Mediane beider Parameter waren noch nicht erreicht. 95 % der Behandelten hatten unerwünschte Effekte von Grad 3–4, 2 Patienten starben an Infektionen, möglicherweise mit der Bridging-Therapie assoziiert (3 % Grad-5-Nebenwirkungen).

Fazit: Die Infusion der CAR-T-Zellen KTE-X19 induziert bei einem großen Teil der Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom eine anhaltende Remission. Die Nebenwirkungen der CAR-T-Zelltherapie entsprachen zwar denen, wie sie zuvor bei aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen beobachtet wurden. Sie können schwer und lebensbedrohlich sein. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Wang M, Munoz J, Goy A, et al.: KTE-X19 CAR- T-cell therapy in relapsed or refractory mantle-cell lymphoma. N Engl J Med 2020; 382: 1331–42.

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