ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2020COVID-19 Neurologie: Postvirale Riechstörung
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In den letzten Ausgaben des DÄ haben wir die etwas willkürliche Terminologie und Interpretation von Riechstörungen im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion zur Kenntnis genommen. Postvirale Riechstörungen sind unzweifelhaft sehr häufig und eine der Hauptdiagnosen von Riechstörungen insgesamt, stellen jedoch keinesfalls die häufigste Ursache erworbener Riechstörungen dar, wie von Frau Schenk in ihrem Artikel dargelegt. Mit Hinweis auf die aktuellen Leitlinien der HNO-Fachgesellschaft sind die häufigsten Riechstörungen im HNO-Bereich sinunasaler Ursache, was auch die im Artikel veröffentlichte Grafik zeigt. In der Allgemeinbevölkerung ist jedoch der altersbedingte Riechverlust als bei Weitem häufigste Ursache einer Riechstörung anzusehen.

Ebenso möchten wir mit Hinweis auf die aktuellen Leitlinien klarstellen, dass ein eindeutiges Diagnosekriterium einer postviralen Riechstörung das plötzliche Auftreten eines Riechverlustes ist. Der im Artikel beschriebene schleichende Verlauf stellt ein Ausschlusskriterium für eine virale Genese dar. Die Prognose ist von verschiedenen Faktoren abhängig, sodass eine Besserung bei 30 bis 60 % der Patienten mit postviralen Riechstörungen zu beobachten und eine komplette Remission entgegen den Angaben im Artikel eher selten ist. Weiterhin ist die von Prof. Berlit beschriebene Kakosmie, die moderner als Parosmie bezeichnet wird, nicht unbedingt als Indiz für eine zentrale Schädigung anzusehen, sondern kann auch als Symptom unvollständiger Aktivierungen auf Rezeptorebene gesehen werden. Diese qualitative Riechstörung beobachten wir bei über 50 % unserer Patienten mit postviralen Riechstörungen und interpretieren sie mit Verweis auf entsprechende Studienergebnisse u. a. als Zeichen einer olfaktorischen Regeneration.

Bisherige Studienergebnisse verweisen auf das häufige Auftreten eines akuten Riechverlustes bei jüngeren und weniger stark betroffenen COVID-Patienten, wobei systematische Langzeituntersuchungen des Riechverlustes noch ausstehen. Inwieweit sich der durch eine SARS-CoV-2-Infektion verursachte Riechverlust von anderen postviralen Riechstörungen unterscheidet, ist daher gegenwärtig nur eingeschränkt beurteilbar.

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Prof. Dr. med. Thomas Hummel, Prof. Dr. med. Antje Hähner, 01307 Dresden

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