ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2020Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: ALK-Inhibitor für die Erstlinie

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Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: ALK-Inhibitor für die Erstlinie

Ramm-Fischer, Angelika

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Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC), die eine Mutation im ALK-Gen aufweisen, kann nun schneller geholfen werden: Der ALK-Hemmer Brigatinib kann jetzt direkt eingesetzt werden. Das kommt besonders Patienten mit Hirnmetastasen zugute.

Wer in seinem Lungentumor eine Translokation im Gen der anaplastischen Lymphomkinase (ALK) aufweist, gehört einer besonderen Gruppe unter den Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) an: Er ist meist jünger als der Durchschnitt seiner Leidensgenossen und hat nie oder nur wenig geraucht. Möglicherweise deshalb wird das NSCLC mit ALK-Mutation im Regelfall erst spät entdeckt: Etwa 70 % der Betroffenen befinden sich bei Diagnosestellung in einem fortgeschrittenen Stadium, etwa ein Drittel weist bereits Hirnmetastasen auf.

Bei dieser Mutation fusioniert das ALK-Gen mit einem weiteren Gen (meist EML4) auf dem gleichen Chromosom. Dauerhaft aktiviert exprimiert dieses Gen ein Fusionsprotein, welches das Tumorwachstum antreibt. Wie PD Dr. med. Niels Reinmuth von den Asklepios Fachkliniken München-Gauting berichtete, könne bei etwa 5 % der NSCLC-Patienten eine solche ALK-Translokation nachgewiesen werden. Reinmuth plädierte dafür, bei möglichst vielen Patienten mit NSCLC bereits bei der Erstdiagnose nach einer ALK-Mutation zu fahnden.

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Effektive Therapie verfügbar

Denn für ALK-positive Patienten steht eine effektive Therapie zur Verfügung: Spezifische Tyrosinkinase-Inhibitoren – die ALK-Inhibitoren – bremsen den Tumortreiber und somit auch das Tumorwachstum. Einer dieser ALK-Inhibitoren ist Brigatinib (Alunbrig®, Takeda), das seit April als Erstlinientherapie eingesetzt werden kann. Basis dieser Zulassung war die Studie ALTA-1L, über die Prof. Dr. med. Frank Griesinger vom Pius Hospital der Universität Oldenburg berichtete. In dieser Phase-III-Studie wurden die Wirksamkeit und Sicherheit der ALK-Inhibitoren Brigatinib und Crizotinib bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem ALK+ NSCLC, die noch nie einen ALK-Inhibitor erhalten hatten, verglichen.

Die insgesamt 275 eingeschlossenen Studienpatienten erhielten oral entweder Brigatinib 180 mg/d nach 7-tägiger Einleitungsphase mit 90 mg/d oder Crizotinib 250 mg 2-mal täglich. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS): Nach einem Follow-up von über 2 Jahren ergab sich laut Auswertung des jeweiligen Prüfarztes in der Brigatinib-Gruppe ein PFS von 29,4 Monaten (95-%- Konfidenzintervall [KI] 21,2– n.e.). Das war mehr als dreimal so lang wie unter Crizotinib mit 9,2 Monaten (95-%-KI 7,4–12,9; Hazard Ratio [HR] 0,43).

In der ALTA-1L-Studie wurde besonderer Wert auf die Analyse der Patienten mit Hirnmetastasen gelegt, die bei jeweils einem Drittel der Behandlungsgruppen bereits zu Studienbeginn vorhanden waren (29 % im Brigatinib-Arm, 30 % im Crizotinib-Arm). Griesinger erläuterte, dass sich auch hier ein Vorteil für die Brigatinib-Gruppe zeigte: Die Gesamtansprechrate (ORR) betrug in der Brigatinib-Gruppe 66 % (95-%-KI 51–79). Unter Crizotinib lag die ORR bei 16 % (95-%-KI 7–30). Ein vollständiges Ansprechen wurde bei 45 % der Brigantinib-Patienten erzielt (unter Crizotinib bei 4 %), ein partielles Ansprechen bei bei 21 % (unter Crizotinib bei 12 %).

Zudem reduzierte Brigatinib bei Patienten mit Hirnmetastasen das Risiko für einen intrakraniellen Progress oder Tod im Vergleich zu Crizotinib um 69 % (HR 0,31; 95-%-KI 0,17–0,56).

Insgesamt seien die Prüfmedikationen gut verträglich gewesen, so Griesinger. Die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen vom Grad ≥ 3 im Brigatinib-Arm waren erhöhte Creatinphosphokinase- (24,0 %) und Lipase-Werte (14,0 %) sowie Hypertonie (12,0 %). Im Crizotinib-Arm wurden erhöhte Alanin-Aminotransferase- (10,0 %), Aspartat-Aminotransferase- (7,0 %) und Lipase-Werte (7,0 %) festgestellt.

Lebensqualität steigt an

Diese Nebenwirkungen beinträchtigten die Patienten nur wenig. Vielmehr sei die Lebensqualität (QoL) der Studienteilnehmer gestiegen, berichtete der Oldenburger Onkologe. Und diese Verbesserung war von Dauer: Während in der Crizotinib-Gruppe nach einem Jahr wieder ein Rückgang der allgemeinen QoL registriert wurde, war nach der Beobachtungszeit von 2 Jahren bei Brigatinib noch kein Ende der Verbesserung abzusehen (HR 0,16; p < 0,0001; 95-% KI 0,06–0,42). Dies zeigte sich besonders in vielen Teilbereichen der QoL: So schnitt Brigatinib besser ab bei Müdigkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit und den kognitiven, emotionalen und sozialen Funktionen. Nach Ansicht von Griesinger trägt zur Lebensqualität auch die einfache Anwendung von Brigatinib bei: Einmal täglich wird unabhängig von den Mahlzeiten eine Tablette eingenommen. Angelika Ramm-Fischer

Quelle: Virtuelle Pressekonferenz „Testen – Erkennen – Alunbrig® – Mit überlegener Wirksamkeit jetzt neu in der 1st Line beim ALK+ NSCLC“; 17. April 2020: Veranstalter: Takeda

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