ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2000Entstehen und Funktion von Bewusstsein: Erklärungsartikel der Hirnfunktion

MEDIZIN: Diskussion

Entstehen und Funktion von Bewusstsein: Erklärungsartikel der Hirnfunktion

Dtsch Arztebl 2000; 97(9): A-543 / B-441 / C-414

Sradj, Nadim

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Dr. phil. Gerhard Roth in Heft 30/1999
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LNSLNS Es ist zu begrüßen, wenn das Thema "Bewusstsein" weiterhin interdisziplinär verarbeitet und vertieft werden würde. Aus Sicht der Bio-Ophthalmologie ist Folgendes zu sagen: Das logische Verhältnis zwischen Qualität (Bewusstsein) und Quantität (Metrik) kann entweder konträr oder kontradiktorisch sein. Im ersten Fall ist ein fließender Übergang zwischen beiden Kategorien möglich, der eine Messung zulässt. Besteht jedoch ein kontradiktorischer Gegensatz zwischen beiden, so ist die Messung in der Regel nicht möglich (beispielsweise bei Schmerzempfindung). Die Klärung des Verhältnisses hängt von der Fragestellung und von der Problemlage und der jeweiligen Hirntheorie ab. Als Erklärungsvehikel der Hirnfunktionen sind folgende neuronale Theorien zu nennen:
« Das Gehirn ist die dominierende Zentrale für alles Geschehen im Körper. Es wird punktuell oder areal bestimmt, was in der Peripherie erfolgen soll (Herd- oder Lokalisationstheorie im Sinn einer monistischen Hypothese).
Das Gehirn ist eine Verlängerung des Rückenmarks, bestehend aus hinteren, sensiblen und vorderen, motorischen Elementen. Das Reiz-Reaktions-Schema des Behaviorismus als Input-output-System basiert auf dieser Vorstellung.
­ Die verschiedenen Regionen des Gehirns sind in einem permanenten Wettstreit, der sich im Leib-SeeleProblem äußert. Der selbstbewusste Geist reguliert Funktionen des Körpers nach Vernunftsprinzipien, wobei die Großhirnhemisphäre keine neurale Maschinerie darstellt (Dualismus: Eccles-Popper).
® Das Gehirn ist autonom im Sinn einer natürlichen Selbstorganisation. Die physikalische Grundlage ist die nichtlineare Dynamik. Wir verstehen das Bewusstsein als klare Orientierung des Menschen in Raum und Zeit. Diese Qualität ist ein Regulativum bei ärztlichen Entscheidungen und Argumentationen. In der Ophthalmologie und am Beispiel der Makuladegeneration wird zwischen einer peripheren (stoffwechsel- oder hämodynamisch bedingt) und einer zentralen Wahrnehmungsstörung (wie Cephalgie, Migräne, Schwindel) unterschieden. Die Untersuchungsergebnisse klären die jeweilige Hirnfunktion. Näheres vergleiche "Systemtherapie der Maculadegeneration" (1).


Literatur
1. Sradj N: Systemtherapie der Maculadegeneration. Regensburg: Buchservice der Selbsthilfegruppe Maculadegeneration e.V. 2. Auflage 2000.
Dr. med. Nadim Sradj, M. A.
Prüfeninger Straße 40
93049 Regensburg

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