ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenSUPPLEMENT: Dermatologie 1/2020THEMA: COVID-19-Pandemie – Von Händewaschen und Desinfektion

SUPPLEMENT: Perspektiven der Dermatologie

THEMA: COVID-19-Pandemie – Von Händewaschen und Desinfektion

Dtsch Arztebl 2020; 117(24): [32]; DOI: 10.3238/PersDerma.2020.06.12.08

Grunert, Dustin

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Die alkoholische Desinfektion ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen deutlich weniger belastend für die Haut als Seifeninhaltsstoffe.

Schrittweise öffnen die Schulen in Deutschland nach dem „Shutdown“, der der COVID-19-Pandemie geschuldet war. Voraussetzung für die Öffnung ist ein schulindividueller Hygieneplan nach den Vorgaben der Kultusministerien. Diese Hygienepläne sehen eine häufige „gründliche Händehygiene durch Händewaschen mit Seife für 20–30 Sekunden“ vor. Eine Händewaschung wird als ausreichend beurteilt und sei „im Rahmen einer Ressourcenschonung“ zu bevorzugen. Die Händedesinfektion wird nur als Ausnahme empfohlen, wenn „gründliches Händewaschen nicht möglich“ sei. Zu einer Hautpflege äußern sich die Hygienepläne nicht.

„Während aus dermatologischer Sicht zu begrüßen ist, dass der Handhygiene an Schulen aufgrund der Coronapandemie mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und die Waschräume vermutlich in besserem Zustand gehalten werden, als dies in der Vergangenheit vielfach der Fall war, sollten die Hygienepläne dringend um ein Konzept zur Erhaltung der Hautgesundheit der Schüler ergänzt werden“, rät die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Dies sei umso wichtiger, als ein erheblicher Teil der Schüler unter allergischen Erkrankungen leidet, was mit einem erhöhten Risiko für Handekzeme einhergeht. Aus dermatologischer Sicht ergeben sich folgende ergänzende Empfehlungen:

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  • Desinfektion sollte bei fehlender sichtbarer Verschmutzung der Hände Vorrang haben vor Waschungen mit Seife (Detergentien), da eine Desinfektion die epidermale Barriere weniger beeinträchtigt.
  • Desinfektionsmittelspender sollten nicht nur in Waschräumen, sondern auch in Klassenzimmern und Gängen angebracht werden, um eine Infektionsprophylaxe auch an Orten zu ermöglichen, wo keine Waschbecken vorhanden sind.
  • Nach jeder Waschung und Desinfektion sollte die Haut mit einem Pflegepräparat eingecremt werden, das die Regeneration der Hautbarriere unterstützt. Dazu sind ausreichend Spender zu installieren.
  • Damit Händewaschen/Desinfizieren/Hautpflege wirksam sind, müssen sie korrekt erfolgen. Richtiges Händewaschen/Desinfizieren/Hautpflege sollte den Schülern regelmäßig demonstriert werden.
  • Schüler und Eltern sollten darauf hingewiesen werden, dass sich Schüler bei Auftreten von Hautschäden durch die intensivierte Handhygiene bei einem Hautarzt vorstellen sollten.
  • Da Schüler gesetzlich unfallversichert sind, kann über einen Hautarztbericht an die Unfallversicherung eine individuelle Versorgung mit Hautschutzpräparaten ermöglicht werden.

Berufsdermatologen beobachten Zunahme von Ekzemen

Vermehrtes Händewaschen kann jedoch zu Handekzemen führen, insbesondere bei Menschen mit empfindlicher Haut und Allergien. Diese äußern sich zunächst als Austrocknung der Haut; danach kann es zu Einrissen, Schuppung, Rötung und Entzündungen kommen. Inzwischen beobachten Berufsdermatologen bei Mitarbeitern/-innen im Gesundheitswesen, aber auch in anderen Branchen eine Zunahme von Handekzemen, die vermutlich auf die SARS-CoV-2-Schutzmaßnahmen zurückzuführen sind. Dazu trägt auch das vermehrte Handschuhtragen bei, das in allen Berufen zugenommen hat. Häufiges Händewaschen und Handschuhtragen gelten nach den „Technischen Regeln für Gefahrstoffe“ als Feuchtarbeit, die Hautkrankheiten begünstigen.

Wer die Wahl hat zwischen Händewaschen und Desinfizieren, sollte die alkoholische Desinfektion bevorzugen. „In zahlreichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Desinfektionsmittel besser hautverträglich sind als Seifeninhaltsstoffe“, so Prof. Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Jena, und Leiter der DDG-Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch bei Verwendung von Desinfektionsmitteln sei die Haut regelmäßig zu pflegen.

Bei Beschäftigten, die durch berufliche Handhygiene Hautprobleme entwickeln, kann die gesetzliche Unfallversicherung helfen. Im Rahmen des Hautarztverfahrens werden unter anderem auch individuell geeignete Schutz- und Pflegeprodukte übernommen.

DOI: 10.3238/PersDerma.2020.06.12.08

Dustin Grunert

1.
https://derma.de/corona/therapieempfehlungen-register/
2.
https://derma.de/news/uebersicht/detail/news/wiederoeffnung-der-schulen-bei-corona-dermatologische-empfehlungen-zu-den-hygieneplaenen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e046ed218b7d65ee49a5d9834040ec35
1.https://derma.de/corona/therapieempfehlungen-register/
2.https://derma.de/news/uebersicht/detail/news/wiederoeffnung-der-schulen-bei-corona-dermatologische-empfehlungen-zu-den-hygieneplaenen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e046ed218b7d65ee49a5d9834040ec35

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