ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2020Leipzig: Musik und Kunst in Europas Mitte

KULTUR

Leipzig: Musik und Kunst in Europas Mitte

Goddemeier, Christof

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Der Thomanerchor, die Musik von Johann Sebastian Bach und die Künstler der „Neuen Leipziger Schule“ lassen einen Besuch von Leipzig zu einem kulturellen Erlebnis werden.

Die Fabrikgebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei bieten Künstlern Platz zum Arbeiten und für Ausstellungen. Foto: picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt
Die Fabrikgebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei bieten Künstlern Platz zum Arbeiten und für Ausstellungen. Foto: picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt

Am Abend wartet eine Menschenschlange vor der Thomaskirche. Sie verfügt über 1 500 Sitzplätze, draußen bleiben muss niemand. Doch wer nicht frühzeitig kommt, findet nur noch einen Platz hinter einer Säule. Regelmäßig tritt der weltbekannte Thomanerchor hier auf. Seit 800 Jahren gibt es ihn, seit 2016 leitet ihn der Sänger Gotthold Schwarz. Auch Johann Sebastian Bach war mehr als 25 Jahre Thomaskantor. Am Südportal der Kirche steht das sogenannte neue Bach-Denkmal von Carl Seffner, 1908 wurde es fertiggestellt. Es zeigt den Thomaskantor vor einer Orgel stehend. Anlässlich seines 200. Todestages bettete man 1950 Bachs Gebeine aus der im Krieg zerstörten Johanniskirche in die Thomaskirche um.

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Interaktives „Effektorium“

Einige Musiker des Gewandhausorchesters begleiten den Chor. Motette von Bach, Johannes Brahms und Felix Mendelssohn-Bartholdy stehen auf dem Programm. Wer dessen bewegende Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ selbst dirigieren möchte, kann das im interaktiven „Effektorium“ des Mendelssohn-Hauses in der Goldschmidtstraße 12 tun. Aus Lautsprechern erklingen die acht Stimmen, mit einem Dirigentenstab variieren wir Dynamik und Tempo.

Außerhalb des Zentrums liegt im Westen der Stadtteil Plagwitz. Lokale, Läden und Cafés säumen die belebte Karl-Heine-Straße. Drei befreundete Ingenieure haben im Hinterhof eine Remise erworben und darin eine Ferienwohnung eingerichtet. Von hier gelangen wir zu Fuß in den benachbarten Stadtteil Lindenau. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich hier auf einem zehn Hektar großen Gelände die größte Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas (Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig). Nach der Wiedervereinigung stellte man die Produktion ein. Handwerker und Künstler fanden in den Fabrikgebäuden einen Platz zum Leben und Arbeiten, viele der Künstler werden der „Neuen Leipziger Schule“ zugerechnet. Zudem ließen sich Galerien nieder, die „Halle 14“ hat man saniert und zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst umgebaut. Dort finden Kunstinteressierte eine umfangreiche Bibliothek und wechselnde Ausstellungen.

Der Mitarbeiter der Galerie „Kleindienst“ freut sich über unser Interesse an den Bildern von Peter Busch (geb. 1971). Er hat bei Arno Rink in Leipzig studiert und malt figurativ. Seine Farben setzt er zurückhaltend ein. Ähnlich wie etwa in Arbeiten von Neo Rauch erzählen die Kunstwerke eine Geschichte, die im Betrachter entsteht. Dadurch haben die Arbeiten etwas Zeitloses. Den Begriff „Neue Leipziger Schule“ empfinden die damit bezeichneten Künstler vor allem als Stempel des Kunstmarktes, sagt der Galerist. Auch Neo Rauch, bekanntester Vertreter dieser Schule, hat ein Atelier auf dem Gelände.

Kunst und Leben

Die US-amerikanische Künstlerin Christine Hill (geb. 1968) verbindet in der Galerie „EIGEN + ART“ Kunst und Leben. In einer 26 Tage dauernden Ausstellung präsentiert sie jeden Tag zwei bis dahin unveröffentlichte Zeichnungen im DIN-A4-Format. Zuschauer können auf einem eigens angefertigten Podium ihre Ideen und Reflexionen studieren. So ermutigt Hill das Publikum, gemeinsam mit ihr künstlerische Identität immer wieder neu zu befragen und zu erfinden.

In Halle 12 setzen sich in der Ausstellung „Die Macht der Vervielfältigung“ 14 Künstler aus Brasilien und Deutschland mit den Grundlagen von Gestaltung und Reproduktionsfähigkeit heutiger Kunst auseinander. Nach einigen Stunden knurren unsere Mägen – das Lokal auf dem Fabrikgelände heißt schlicht „Versorgung“. Christof Goddemeier

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