ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2000Phytopharmaka bei Atemwegsinfekten: Hohe Produktqualität ist Voraussetzung

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Phytopharmaka bei Atemwegsinfekten: Hohe Produktqualität ist Voraussetzung

Dtsch Arztebl 2000; 97(9): A-548 / B-446 / C-419

Hoc, Siegfried

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Infektiöse Erkrankungen der Atemwege zählen zu den häufigsten Gründen für eine Konsultation des Hausarztes. Sie verursachen mit rund 30 Prozent die meisten Krankschreibungen in Deutschland. Dabei lassen sich im Frühstadium durch den Einsatz qualitativ hochwertiger Phytopharmaka in den meisten Fällen kostengünstig sehr gute Therapie-Ergebnisse erzielen.
Wie Dr. Erwin Häringer (München) bei einer Pressekonferenz des Komitees Forschung Naturmedizin in München berichtete, haben sich bei akuter Bronchitis Präparate mit Extrakten aus Efeublättern und Thymiankraut wie Bronchipret® bewährt. Das in Efeublättern enthaltene Hederasaponin C zeigt in vitro eine antivirale Wirkung gegen Influenza-Viren. Beim Thymian sind vor allem das ätherische Öl beziehungsweise die darin enthaltenen Monoterpene (Thymol, Carvacrol) pharmakologisch wirksam. Extrakte von Thymiankraut haben sekretolytische und sekretomotorische Effekte. Daneben wurden antibakterielle, antivirale und antimykotische Wirkungen nachgewiesen. Thymol ist gegen viele Mikroorganismen 25-mal stärker aktiv als die Standard-Referenzsubstanz Phenol. In schweren Fällen, mit massiver bakterieller Beteiligung, ist eine konsequente Antibiotika-Therapie jedoch unumgänglich.
Gegen akute Sinusitis sind Arzneimittel mit abschwellenden Effekten, die gleichzeitig für einen dünnflüssigen Schleim sorgen, indiziert. Häring empfiehlt das Phytotherapeutikum Sinupret® und Präparate, die das ätherische Öl Myrtol (zum Beispiel Gelmyrtol®) enthalten. Letztere sind aber zur Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern nicht geeignet und sogar kontraindiziert. "Unter den synthetischen Präparaten kenne ich keines, das den pflanzlichen Qualitätspharmaka in Wirksamkeit und Verträglichkeit überlegen wäre", betonte Häringer. Schwere Verläufe von Sinusitiden mit einer ausgeprägten bakteriellen Infektion erfordern aber eine antibiotische Behandlung.
Auch gegen Erkältungskrankheiten bei Kindern sollten Phytopharmaka hauptsächlich eingesetzt werden. In der Regel handelt es sich um virale Infektionen. Sie manifestieren sich als Rhinitis, Tonsillopharyngitis, Sinusitis, Otitis, Laryngitis, Tracheobronchitis und Pneumonie. Präparate mit Extrakten aus Efeublättern, Thymiankraut sowie mit Fenchelöl sind indiziert. Präparate mit Isländischem Moos (Lichen islandicus) sollten den Infektionen der oberen Atemwege vorbehalten bleiben und bei Reizhusten und Heiserkeit eingesetzt werden, empfahl Prof. Dietrich Hofmann (Frankfurt/Main). Auch Hofmann warnte vor der Anwendung ätherischer Öle bei Säuglingen; er empfiehlt den EfeublätterTrockenextrakt Prospan® gegen Atemwegserkrankungen und grippale Infekte bei Kindern in Form von Hustenbrause, Hustensaft, Hustentropfen, Hustentablette und Hustenzäpfchen. Die sekretolytische und bronchospasmolytische Wirkung dieser Präparate mildert die Krankheitssymptome deutlich.
Wie komplex der Phytotherapeutika-Markt ist, zeigte Prof. Theo Dingermann (Frankfurt/Main) zunächst am Beispiel der Efeublätter-Präparate, wobei man Trockenextrakt- und Fluidextrakt-Präparate unterscheiden muss. Wichtig ist, dass ein äthanolischer Extrakt vorliegt und die Konzentration angegeben ist. Alkoholfreie Zubereitungen müssen um den Faktor drei höher dosiert werden.
Gegen trockenen Husten können Schleimdrogen mit ätherischen Ölen kombiniert werden, zum Beispiel Isländisches Moos, Eibischwurzel oder Malvenblätter plus Thymiankraut/-öl, Fenchelfrüchte/-öl, Anisfrüchte/-öl oder Salbeiblätter/-öl. Bei produktivem Husten ist eine fixe Kombination von Sekretolytika und Schleimdrogen nicht sinnvoll. In diesen Fällen sollten vielmehr tagsüber ein Sekretolytikum (Thymiankraut) und abends zur Unterdrückung des Hustens ein Muzilaginosum (Saponindroge wie Efeublätter) gegeben werden.
Gegen Tracheitis, Tracheobronchitis und Bronchitis sind nach Dingermann sekretolytisch (ätherische Öle) und mukolytisch (Saponindrogen) wirkende Phytopharmaka so zu bewerten wie chemisch definierte Substanzen, etwa N-Acetylcystein, das heißt, als Adjuvanzien zur Sekretolyse und Schleimverflüssigung. Zur Behandlung von Entzündungen der Nasennebenhöhlen empfiehlt Dingermann auch Sinupret. Das Präparat wurde für diese Indikation zugelassen. Siegfried Hoc
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema