ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2020Impfung gegen Influenza: Universalvakzine ruft spezifische Immunantwort hervor und vermindert Symptome

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Impfung gegen Influenza: Universalvakzine ruft spezifische Immunantwort hervor und vermindert Symptome

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Science Photo Library/Carlson, Gary
Foto: Science Photo Library/Carlson, Gary

Die Welt­gesund­heits­organi­sation legt jährlich die Zusammensetzung der Influenzaimpfstoffe neu fest. Die Vakzine enthält Bestandteile von Virusvarianten, die für die kommende Saison erwartet werden. Bis sie beginnt, haben sich die Virusstämme häufig verändert (Antigendrift) und die Effektivität der Impfstoffe variiert. Hohen Nutzen hätten Breitspektrumvakzinen, die vor verschiedenen Varianten schützen. Eine Strategie ist ein Gemisch aus 4 Peptiden, die von konservierten Regionen der Proteine Matrix-1, Matrix-2 und Nukleoprotein abgeleitet sind (FLU-v).

In einer Phase-2b-Studie mit 153 gesunden Teilnehmern im Alter von 18–60 Jahren sind Effektivität und Sicherheit von FLU-v untersucht worden (1). Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 2 : 2 : 1 : 1 in 4 Gruppen randomisiert: adjuvantiertes FLU-v (A-FLU-v), FLU-v ohne Adjuvans, Placebo mit Adjuvans und ohne. Die Vakzine oder das Placebo wurden subkutan an den Tagen –43 und/oder –22 vor einer nasalen Exposition mit dem humanen Influenzavirus A/California/04/2009/ H1N1 injiziert. Primärer Endpunkt war die Reduktion einer milden oder moderaten Influenzasymptomatik auf eine Virusexposition hin.

Nach Einmalgabe von adjuvantiertem FLU-v entwickelten 32,5 % der Geimpften leichte oder mittelschwere Symptome, aber 54,8 % in den Placebogruppen (p = 0,035). Bei 37,5 % in der Gruppe mit Einmalvakzinierung von A-FLU-v wurde eine Virusausscheidung festgestellt und bei 54,8 % unter Placebo (p = 0,089; n. s.). Wenn Symptome auftraten, hielten sie 1–5 Tage an. Die Vakzine war gut verträglich.

In einer zweiten Studie mit 175 Probanden wurde die Immunantwort auf FLU-v vs. Placebo charakterisiert und ebenfalls die Verträglichkeit eruiert, in dieser Studie
allerdings ohne „challenge“ durch Virusexposition (2). FLU-v induzierte hohe Titer von IgG-Antikörpern gegen die Virusproteine. Am Tag 42 nach Impfung lagen die Titer (geometrische Mittelwerte) bei 1 : 8 740 in der Gruppe mit adjuvantiertem Impfstoff und bei 1 : 2 593 in der Gruppe mit nicht adjuvantiertem Impfstoff, aber nur bei 1 : 387 unter Placebo. Nach 180 Tagen waren die Titer bei Geimpften auf 1 : 1 303 gesunken. Im Verumarm wurden deutlich mehr antigenspezifische CD4+ und CD8+ T-Lymphozyten induziert als unter Placebo, darunter T-Gedächtniszellen. Der Impfstoff war gut verträglich.

Fazit: „FLU-v ist ein vielversprechender Kandidat für eine Universalvakzine gegen Influenza, das zeigen die neuen Daten“, meint Dr. (PhD) Mikhail Matrosovich vom Institut für Virologie der Philipps Universität Marburg. „Die Peptidvakzine enthält eine Mischung konservierter T-Zellepitope von Influenza-A- und -B-Viren. Bereits eine Dosis der adjuvantierten Vakzine hat die Zahl der Teilnehmer, die milde oder mittelschwere Symptome entwickelt haben, signifikant reduziert gegenüber Placebo. Die Daten weisen daraufhin, dass es eine T-Zellaktivierung durch die verwendeten konservierten viralen Peptide gibt und dass die Vakzine das Potenzial hat, vor Influenza zu schützen. Es sind nun größere Studien erforderlich, um die Wirksamkeit von FLU-v gegen verschiedene Stämme von Influenza-A- und -B-Viren zu untersuchen und die praktische Anwendbarkeit zu eruieren.“ Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Pleguezuelos O, James E, et al.: Efficacy of FLU-v, a broad-spectrum influenza vaccine, in a randomized phase IIb human influenza challenge study. npj Vaccines 2020; https://doi.org/10.1038/s41541-020-0174-9.
  2. Pleguezuelos O, Dille J, et al.: Immunogenicity, safety, and efficacy of a standalone universal influenza vaccine, FLU-v, in healthy adults. Ann Intern Med 2020; 172: 453–62.

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