ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2020Progrediente Nierenerkrankung: ACE-Hemmer und ARB bei Verschlechterung der Nierenfunktion nicht absetzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Progrediente Nierenerkrankung: ACE-Hemmer und ARB bei Verschlechterung der Nierenfunktion nicht absetzen

Heinzl, Susanne

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Foto: nerthuz/stock.adobe.com
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Häufig werden ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) bei Patienten mit progredienter Nierenerkrankung bei einer Verschlechterung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) abgesetzt. Allerdings ist derzeit unklar, ob und wann es sinnvoll ist, die Behandlung mit diesen Substanzen bei einem weiteren Abfall der eGFR zu beenden.

Dieser Frage wird derzeit in der über 3 Jahre laufenden STOP-ACEi-Studie prospektiv und randomisiert nachgegangen, die Rekrutierung wurde im Juni 2018 abgeschlossen und die Patienten werden noch 36 Monate beobachtet. Mittlerweile wurde nun mithilfe der Daten des Geisinger Health System in Pennsylvania (USA) retrospektiv untersucht, welche Folgen eine Weiterführung oder ein Absetzen einer Behandlung mit ACE-Hemmer oder ARB bei einem Abfall der eGFR unter einen Schwellenwert von 30 mL/min hat (1). Analysiert wurden hierzu die Daten von 2 674 Patienten, die die Therapie fortführten, und von 1 235 Patienten, die die Behandlung innerhalb von 6 Monaten seit dem Absinken der eGFR unter den Schwellenwert von 30 mL/min absetzten. Verglichen wurde der Effekt auf Sterblichkeit, schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Tod, Myokardinfarkt, perkutane Koronarintervention oder koronare Bypass-OP) sowie das Auftreten eines Nierenversagens innerhalb der folgenden 5 Jahre. In der medianen Nachbeobachtungszeit von 2,9 Jahren verstarben 35,1 % der Patienten, die ACE-Hemmer oder ARB abgesetzt, und 29,4 % der Patienten, die die Behandlung weitergeführt hatten. Das Risiko für ein schweres kardiovaskuläres Ereignis innerhalb von
5 Jahren betrug bei den Patienten der Absetzgruppe 40,0%, bei den weiterbehandelten Patienten 34,0 %. Bei 7,0 % der Patienten, die die Behandlung beendet hatten, trat innerhalb von 5 Jahren ein Nierenversagen auf, in der weiterbehandelten Gruppe war dies bei 6,6 % der Fall. In dieser Real-World-Studie konnte damit gezeigt werden, dass sich das Risiko zu sterben und das Risiko für ein schweres kardiovaskuläres Ereignis erhöhte, wenn eine Therapie mit ACE-Hemmern oder ARB bei einem Abfall der eGFR abgebrochen wurde. Das Risiko für ein Nierenversagen veränderte sich nicht. Die Befunde erwiesen sich bei mehreren Sensitivitätsanalysen als robust.

Fazit: „Diese Studienerkenntnisse sind auf jeden Fall hilfreich, bis die Ergebnisse der STOP-ACEi-Studie vorliegen“, meinen die Editorialisten (2). Zudem seien in der retrospektiven Studie viel mehr Patienten eingeschlossen worden und sie habe einen klinisch relevanten Endpunkt untersucht. „Während wir auf die Ergebnisse randomisierter klinischer Studien warten, müssen wir dennoch klinische Entscheidungen treffen. Und diese nun vorliegende Studie liefert eine starke Evidenz dafür, dass die Weiterführung einer Behandlung mit ACE-Hemmern/ARB bei typischen Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und einer Verschlechterung der Nierenfunktion keinen Schaden hervorruft, sondern mit verringerter Sterblichkeit assoziiert ist.“

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Qiao Y, et al.: Association between renin-angiotensin system blockade discontinuation and all-cause mortality among persons with lowestimated glomerular filtration rate. JAMA Int Med 2020; doi:10.1001/jamainternmed.2020.0193.
  2. DeJong C, et al.: Continuation of angiotensin-converting enzyme inhibitors and angiotensin receptor blockers in the face of kidney disease progression— safe and possibly life saving. JAMA Int Med 2020; doi:10.1001/jamainternmed.2020.0300.

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